Laisa

Stolpersteine erinnern an Familie Freudenthal

- Battenberg-Laisa (r). Mit der Verlegung der fünf Stolpersteine wird an das Schicksal der jüdischen Familie Freudenthal erinnert, die in Laisa lebte. Am Mittwoch kommt dafür der Künstler Gunter Demnik nach Laisa. Er setzt um 9.30 Uhr die Steine.

Joseph Freudenthal (geboren am 27. Dezember 1852 in Battenberg, gestorben am 28. September 1896 in Laisa), zog um 1887 mit seiner Ehefrau Karoline geborene Oppenheimer (geboren am 19. Oktober 1856 in Laufenselden, gestorben am 5. November 1940 in Frankfurt), von Battenberg nach Laisa. Ihr erstes Kind, Tochter Selma, ist 1886 noch in Battenberg geboren, während Moritz am 1888, Max 1891, Betty 1894 und Willy 1896 in Laisa geboren wurden. Joseph starb wenige Monate nach Willys Geburt.

Willy Freudenthal heiratete 1921 seine Berta, geborene Buchheim aus Wohra, Sie hatten zwei Kinder: Ernst und Lore Freudenthal.

Willy Freudenthal betrieb in Laisa einen kleinen Gemischtwarenhandel. Ältere Laisaer erinnern sich, wie er mit seinem Fahrrad über Land fuhr und seine Kunden auch in den Orten ringsum belieferte.

Infolge der zunehmenden Hetze der Nazis mussten Willy und seine Frau Berta Laisa verlassen. Seit dem 2. September 1939 waren sie zusammen mit Sohn Ernst in Marburg gemeldet, wo sie bei Prof. Hensel Zuflucht fanden und bis zu ihrer Deportation 1942 wohnten. Noch davor kam Willy am1939 ins KZ Buchenwald, kam kurz darauf wieder zurück und musste Haus und Geschäft in Laisa nun endgültig aufgeben.

Am 1. Juni 1942 wurden Willy, Berta und Ernst nach Osten in die Vernichtungslager deportiert, vermutlich von Kassel aus. Zunächst sehr wahrscheinlich nach Lublin, wo die arbeitsfähigen Männer selektiert und nach Majdanek getrieben wurden, während die anderen weiter in das Lager Sobibor gebracht und dort gleich nach ihrer Ankunft am 3. Juni 1942 umgebracht wurden – darunter auch Berta. Aus Krematoriumslisten ist bekannt dass Willy am 15. September 1942 im KZ Majdanek ermordet wurde. Wann und wo Ernst Freudenthal ermordet wurde, steht hingegen nicht eindeutig fest.

Wie alle schulpflichtigen Kinder hatte auch Ernst die Grundschule Laisa besucht, gemeinsam mit Karl Paulus, Heinrich Paulus, Heinrich Moog und Anna Schneider. Nach der Grundschule zog er weg, zunächst wohl in den Ferien zu seinem Onkel nach Berlin und später dann nach Marburg. Gemeldet in Marburg ist er aber erst ab 2. September 1939 und wieder zusammen mit seinen Eltern. Als einziger der neun Enkelkinder von Karoline hat er den Holocaust nicht überlebt.

Auch Lore besuchte die Grundschule Laisa, Klassenkameraden waren unter anderem Katarina Freiling, Karl Michel und Robert Koch. Als Juden keine staatlichen Schulen mehr besuchen durften, kam sie ab Februar 1939 in das Jüdische Internat in Bad Nauheim. Erst 9 Jahre alt war sie, als sie am 24. August 1939 mit dem letzten Kindertransport von Frankfurt noch nach England gelangte. Dort hatte sie das Glück, von dem kinderlosen Ehepaar Fish adoptiert und aufgezogen zu werden. Sie ist Künstlerin geworden und später viel gereist. Am 4. April 1961 heiratete sie Dr. phil. Alan Burgess, mit dem sie die beiden Kinder Gina und Neil hatte. Kurz nach ihrem 58. Geburtstag ist sie am 18. März 1988 an Krebs verstorben.

In Erinnerung an diese fünf Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten und von denen drei bis heute keine Grabstätte haben, weil sie in Vernichtungslagern der Nazis umgebracht und verbrannt worden sind, werden die Stolpersteine in Laisa verlegt. Der Künstler Gunter Demnig aus Köln wird die Steine an der Stelle setzen, an der die Familie Freudenthal zuletzt aus freiem Willen lebte. Raanan Bar-Tuvia aus Israel, der Cousin von Gina Burgess Winning, wird das Kaddisch vortragen. Der Ortsbeirat, die Laisaer Vereine, die Kirchengemeinde Laisa, der Geschichtsverein Battenberg und weitere Bürger aus Laisa, Oberasphe, Battenberg und Battenfeld sowie Freunde der Familie übernehmen die Patenschaft für die Steine.

Im Anschluss an den symbolischen Akt der Totenehrung sind alle Besucher zu einer Feier in den Gemeinderaum des Dorfgemeinschaftshauses eingeladen. Dabei werden Konfirmanden ausgewählte Textbeiträge zu den Verstorbenen lesen, während Thomas und Silvia Salzbauer aus Biedenkopf die Feier musikalisch umrahmen.

Die Enkelin von Willy und Berta Freudenthal, Gina Burgess Winning, ist mit ihrem Mann John Winning aus England angereist und nimmt an der Gedenkfeier teil. Ebenso erwartet werden ihr Bruder Neil Burgess sowie Frau Fish aus England und der Cousin Raanan Bar-Tuvia aus Israel. Sie würden sich freuen, wenn sie bei dieser Gelegenheit mit möglichst vielen Laisaern sprechen können, die ihre Familie noch kannten. Jürgen Hübner vom Battenberger Geschichtsverein bittet alle, die noch Fotos, Erinnerungsstücke oder sonstige Unterlagen über die Familie Freudenthal beisteuern können, diese mitzubringen.

Die Feier wird von der Kirchgemeinde Laisa und dem Geschichtsverein Battenberg mit Unterstützung durch den Ort Laisa und die Stadt Battenberg ausgerichtet. Alle Interessierten sind dazu eingeladen. Künster Gunter Demnik hat in zahlreichen Städten bereits Stolpersteine verlegt, unter anderem in Frankenberg.

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