Frankenauer Bürgermeister im FZ-Interview

Stolz auf Beharrlichkeit

Frankenaus Bürgermeister Björn Brede möchte nächstes Wochenende wiedergewählt werden. Der SPD-Politiker stellt sich allein zur Wahl. Foto: Andrea Pauly

Frankenau - Björn Brede (SPD) tritt am 5. Juli als einziger Bewerber zur Bürgermeisterwahl an. Im Interview mit Andrea Pauly spricht der 37-Jährige über seine erste Amtszeit, über Probleme, Ziele und Überraschungen.

Wie bereiten Sie sich auf die Wahl vor?

Man bewirbt sich immer wieder um eine Bürgermeisterstelle. Deshalb habe ich in jedem Ortsteil eine Infoveranstaltung angeboten. Die wurden auch gut angenommen. Dort habe ich meine Vorstellungen präsentiert, aber auch Anregungen der Bürger mitgenommen. Das war sehr hilfreich. Es wird noch Flyer geben, aber auf Plakate verzichte ich gänzlich. Die Leute können sich außerdem immer an mich wenden, auch außerhalb der normalen Sprechzeiten im Rathaus. Bei der ersten Wahl habe ich ja von Haus zu Haus die Runde gedreht. Das möchte ich nicht missen, aber dafür war diesmal die Zeit einfach nicht da. Auch wenn es mich sehr gereizt hätte, das noch mal zu machen.

Gab es Kritik oder unterschiedliche Meinungen bei diesen Bürgergesprächen?

Nein.

Wer hat daran teilgenommen? Oft sind es die ohnehin ehrenamtlich und politisch Engagierten, die solche Veranstaltungen besuchen.

Das stimmt. Es gab aber vereinzelt auch Gesichter, die ich noch nicht kannte. In den meisten Orten lag die Besucherzahl bei knapp zehn Prozent der Bevölkerung.

Wie wollen Sie als Einzelkandidat und Amtsinhaber die Bürger dazu bringen, zur Wahl zu gehen?

Es ist wichtig, mit seiner Wahl ein Zeichen zu setzen, ob man als Bürger zufrieden ist. Klar, die politischen Gruppen und einzelne Vertreter anderer Fraktionen haben ihre Unterstützung signalisiert. Das ist schon ein Votum. Aber nur, wenn die Bürger zur Wahl gehen, kriege ich ein ordentliches Feedback: Und wenn am Ende nur 49,9 Prozent „Ja“ ankreuzen, ist das auch ein Votum.

Die Wahl ist auch ein Anlass, auf die erste Amtszeit zurückzuschauen. Welche waren in dieser Zeit die einschneidenden Erfahrungen für Sie?

Was mich total begeistert hat, war, dass meine offene Art wahrgenommen und angenommen wurde. Ich hatte viele Gespräche mit Bürgern, da konnte man vieles regeln. Wenn man miteinander spricht, kommt man auch zu einer Lösung. Was für mich einschneidend war, war die Windhose in Altenlotheim. Das brauchen die Altenlotheimer und ich nie wieder! Die hat zu aufregenden Zeiten geführt. Beim Q-Fieber hat man gemerkt, dass etwas von Behörden auf einen zukommt, was man nicht steuern kann. Das war sehr erschreckend.

Windhose und Q-Fieber waren Themen, die nicht vorhersehbar waren. Doch es gab auch Probleme, die sich schon angekündigt hatten...

Das Feriendorf ist ein dauerhaftes Thema. Da ist zuletzt ein bisschen Ruhe hereingekommen. Jetzt geht es weiter: Der Eigentümer Herr Janssens will das Zentralgebäude veräußern. Die Finanzen der Stadt waren am Anfang ganz schlecht. Was mir ganz zu Beginn schlaflose Nächte bereitet hat, waren die kaputten Gerätschaften im Bauhof und vor allem die Trinkwasserversorgung. Die einzige Quelle hatte eine Verunreinigung, die haben wir zwar zum Glück in den Griff bekommen. Aber wenn dieser Brunnen mal ausfällt, schaffen wir es nicht, mit Milchlastern die Wasserversorgung für die ganze Stadt aufrechtzuerhalten. Das hat mich sehr beschäftigt. Aber da arbeiten wir ja aktuell an der Lösung.

Gab es etwas, womit Sie nicht gerechnet hatten, sich befassen zu müssen?

Ja (zögert). Dass es Menschen in dieser Gemeinde gibt, die mit gewissen Dingen schon mal vor Gericht standen.

Wie hat sich die Infrastruktur der Stadt während Ihrer Amtszeit entwickelt?

Wir haben viel Wichtiges erhalten, darunter die Tankstelle und die Post. Wir haben einen Arzt und die Apotheke. Das liegt zwar nicht in der Verantwortung des Bürgermeisters, aber die Politik schafft die Rahmenbedingungen. Und im Feriendorf läuft es auch wieder besser. Für die Handwerksbetriebe ist das Feriendorf wichtig. Da bin ich auch stolz drauf.

Viele Neubürger oder neue Unternehmen haben sich in den vergangenen Jahren aber nicht eingefunden.

Es gab zwar einige Gespräche und Interessenten, aber für Frankenau hat sich da leider nichts ergeben. Da wird momentan eher in Richtung Frankenberg und Allendorf (Eder) geschaut. Was Baugrundstücke angeht, läuft es in Ellershausen sehr gut, da haben wir eine erhöhte Nachfrage.

Wenn Sie auf Ihre Wahlversprechen zurückschauen: Gibt es etwas, das nicht geklappt hat?

Wir haben den Kindergarten für 1,1 Millionen Euro saniert, den Kindergartenbus erneuert und den Schulstandort gestärkt durch die Zuweisung von Louisendorf und nächstes Jahr auch Altenlotheim. Was mir nicht geschmeckt hat ist, dass wir die Vereinsförderung in den letzten Jahren leicht zurückfahren mussten. Das möchte ich wieder aufstocken. Das tut schon weh, wenn ich für Vereine, die sich fürs Gemeinwohl einsetzen, kein oder kaum Budget im Haushalt habe. Das ist ein Manko gewesen. Dass wir kein neues Gewerbe ansiedeln konnten, war auch schade. Und der Regionalmarkt hat nicht so funktioniert, wie wir das geplant hatten, aber da geht es in Zusammenarbeit mit dem Archeverein noch einmal neu los.

Hat Ihre Parteizugehörigkeit Ihnen im Amt geholfen?

In dem Sinne nicht. Das hat sich weder positiv noch negativ ausgewirkt.

Wie sehen die Ziele für die nächste Zeit aus?

Wir wollen alle öffentlichen Gebäude barrierefrei gestalten. Das haben wir beim DGH in Altenlotheim schon geschafft. In Louisendorf sind einige Stufen zu überwinden, in Ellershausen auch. Die Dorfgemeinschaftshäuser in Dainrode und Allendorf und die Stadthalle in Frankenau sind barrierefrei, der Kindergarten auch. Aber vor allem das Rathaus ist ein Thema. Wir wollen schauen, dass wir das mit Stadtumbaumitteln energetisch sanieren können. Die große Frage ist, ob es nötig ist, dann einen Fahrstuhl einzubauen oder ob man Bürgerservice dann komplett in der unteren Ebene anbietet. Dann müsste das Sitzungszimmer nach unten verlegt werden. Derzeit kann ein Rollstuhlfahrer nicht an einer öffentlichen Ausschusssitzung teilnehmen, außer, wir tragen ihn hoch.

Sie wollten mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung schaffen. Wie hat das funktioniert?

Die Bürgersprechstunden werden ganz gut abgerufen, die Fragestunden vor den Stadtverordnetensitzungen werden praktisch gar nicht genutzt. Aber auch ohne feste Termine können sich die Leute einbringen.

Hat sich daraus schon eine konkrete Veränderung in der Stadt ergeben?

Ja, wir haben zum Beispiel von einer Fahranfängerin eine gute Anregung bekommen. Sie hat uns berichtet, dass sie an der Kreuzung am Hessischen Hof immer besorgt ist, weil die meisten Fahrer, die von der Tankstelle runterkommen, denken, sie hätten Vorfahrt. Da haben wir durch Markierungen auf der Straße die Situation verbessert. Und dann gab es Kritik, weil es auf dem Weg vom Neubaugebiet zur Bushaltestelle keine Beleuchtung und keinen Gehweg gibt. Da hat die Stadt das Grundstück gekauft, da soll jetzt ein Streifen hergestellt werden.

Gibt es außer der Wasserversorgung neue Arbeitsansätze, die vor fünf Jahren noch keine Rolle gespielt haben?

Da sind einerseits die Feuerwehr-Zusammenlegungen. Der Ausbau von Breitband-Internet ist weiterhin ein Thema. Was ich damals nicht so im Auge hatte, was mir aber wichtig ist, ist ein durchgehender Rad- und Fußweg von Dainrode bis Louisendorf. Ich fände es schön, wenn der alle ADEL-Dörfer verbinden würde.

Völlig zum Stehen gekommen ist das Thema Energie-Autarkie. In Ellershausen ist das Projekt ganz gestorben, in Frankenau steht die Nahwärme-Leitung in Frage.

Aktuell sieht es jetzt doch so aus, dass sich das Nahwärmeprojekt in Frankenau rechnet, weil der Ölpreis etwas gestiegen ist. Da sollen in den nächsten sechs bis acht Wochen Entscheidungen getroffen werden.

Gibt es für eine zweite Amtszeit große Visionen?

Wir sind noch nicht schuldenfrei und können uns über neue Luftschlösser keine Gedanken machen. Aber wir haben erst mal eine solide Basis gefunden. Wir müssen in die vorhandenen Strukturen investieren. Ziel wäre es, irgendwann schuldenfrei zu sein. Aber da lassen wir uns auch mal vom neuen kommunalen Finanzausgleich überraschen. Mal sehen, ob wir Gewinner oder Verlierer sein werden. Eine Vision von mir ist aber der Stauweiher am Feriendorf. Um den wieder zum Badeteich zu machen, müssten wir ihn ablassen, entschlammen und abdichten. Das wäre ein großes Ziel: neben der Kellerwalduhr und dem Archeschiff als weiteren Punkt eine Liegefläche mit Badesee zu haben. Das wäre nicht nur für die Leute aus Frankenau gut, sondern auch fürs Feriendorf und damit für die heimische Gastronomie.

Kritiker bemängeln, dass Altenlotheim durch seine Größe mehr Einfluss hat als die ADEL-Dörfer und deshalb auch mehr Geld bekommt. Werden aus Ihrer Sicht alle Ortsteile gleich behandelt?

Das kommt immer auf die Projekte an! Wenn man in einem Jahr ein DGH saniert, wird dieser Ort in dem Jahr stärker bevorteilt sein. Wenn man im Jahr darauf woanders ein DGH saniert, wird dieses Dorf stärker berücksichtigt. Wir haben seit 2010 die Ortsbeiräte-Treffen und die Einbindung bei der Haushaltserstellung. Jeder vollständige Ortsbeirat ist dazu eingeladen und meldet an, was benötigt wird. In den nächsten zwei Jahren liegt das Augenmerk wegen der 1000-Jahr-Feier ganz sicher stärker auf Ellershausen. Wir können nicht sagen, dass jeder Ortsteil jedes Jahr genau nach Proporz anhand der Einwohnerzahlen so und so viel Geld bekommt.

Gibt es ein Thema, bei dem Sie rückblickend sagen, dass Sie Fehler gemacht haben?

Da fällt mir spontan nichts ein.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Dass wir die Finanzen auf eine solide Basis gestellt haben. Dass der Kindergarten saniert werden konnte. Und dass wir durch höhere Transparenz auch einen besseren Informationsfluss einführen konnten und dadurch auch eine gewisse Ruhe in die parlamentarische Arbeit eingezogen ist.

Große Frustthemen waren in den vergangenen Jahren die Kellerwalduhr und die Flurneuordnung entlang der Lengel. Wie ist der aktuelle Stand der Dinge?

Wie das Thema Lengelrenaturierung weitergeht, weiß ich nicht. Das liegt in Wiesbaden. Da werde ich auch aktuell nichts unternehmen, weil wir andere Projekte haben, die wichtiger sind. Die Kellerwalduhr läuft. Da bin ich stolz, dass ich so beharrlich war. Als ich 2010 begonnen habe, war keine Finanzierung gegeben, da war das Projekt für das Land Hessen erledigt. Erst als ich auf das Versprechen aufmerksam gemacht habe, war das Projekt wieder am Leben. Aber dass das kein kurzfristiges Projekt wird, war vorher klar. Dort Baurecht zu schaffen, ist kein einfacher Weg.

Seit Sie in Frankenau sind, hat sich privat viel verändert: Sie haben geheiratet und sind Vater geworden. Sie wohnen immer noch zur MIete. Sind da Veränderungen geplant?

Ja, ich habe privat hier das Glück gefunden. Davon hatte ich vor fünf Jahren und drei Monaten noch keine Vorstellung. Ich habe immer gesagt, dass ich gerne langfristig in Frankenau bleiben möchte. Aber ich werde mich jetzt nicht festlegen, wo wir hinziehen, falls wir unsere Wohnung mal verlassen. Was ist, wenn mich am 5. Juli 50,1 Prozent nicht wählen? Dann muss ich mich fragen, wo ich mich bewerbe. Aber aktuell sind wohnlich keine Veränderungen geplant.

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