FDP-Politiker bezeichnet Frankfurter Rundschau als "pleitegegangene Sozizeitung"

Streit um Karikatur: FR gegen Majewski

Bromskirchen - Wenn Nerven blank liegen, ist es mit Überreaktionen nicht weit her: Die Erfahrung macht dieser Tage der Bromskirchener Kommunalpolitiker Dennis Majewski. Er ist mit der Frankfurter Rundschau in Konflikt geraten. Im sozialen Netzwerk Facebook diskutieren und kommentieren Liberale und Journalisten seitdem beherzt das Scharmützel.

Die Personalsituation der FDP auf Bundesebene hat die Frankfurter Rundschau am Montag thematisiert. Im sozialen Netzwerk Facebook veröffentlichte die FR eine Karikatur mit der Überschrift: „Die Erneuerung der FDP“. Zu sehen ist darauf ein enthauptetes Skelett mit FDP-Fähnchen in der Hand, dem ein neuer Kopf aufgesetzt wird: Rainer Brüderle, Fraktionsvorsitzender der FDP im Bundestag. Die Köpfe von Parteichef Philip Rösler und seines Vorgängers, Außenminister Guido Westerwelle, liegen neben den Knochen.

Eine große Resonanz hat die FR, zumindest via Facebook, zunächst nicht auf die Karikatur erhalten. Bis gestern Nachmittag hatten gerade einmal 37 Personen den „gefällt mir“-Button gedrückt, fünf Kommentare waren zu sehen - wobei eigentlich sechs abgegeben wurden. Doch der von Dennis Majewski aus Bromskirchen ist nicht mehr zu lesen. „Nachdem die FR die Karikatur auf ihrem Facebook-Profil gepostet hatte, habe ich sie kommentiert“, berichtet der Liberale, der bei der nächsten Bundestagswahl im Wahlkreis Frankenberg/Schwalm-Eder kandidiert. Und dies tat er mit vier Worten, die der Rundschau offensichtlich so gar nicht passten: „...schreibt die pleitegegangene Sozizeitung“.

Weil er kein Facebook-Fan der Zeitung sei, sei ihm dann erst nach einer ganzen Weile aufgefallen, „dass mein Kommentar auf einmal weg war und dass ich dort auch nicht mehr kommentieren kann“. Die Online-Redaktion der FR schloss ihn von jeglicher weiteren Diskussion aus. Doch dass wollte Majewski nicht auf sich sitzen lassen und teilte am Dienstag auf seinem eigenen Facebook-Profil mit: „Liebe Frankfurter Rundschau, habt Ihr tatsächlich meinen Kommentar gelöscht und mich auf Eurer Seite gesperrt, weil ich das Bild mit „Schreibt die pleitegegangene Sozizeitung“ kommentiert habe? Auch wenn Ihr es nicht verschmerzen könnt, dass „wir“ „Euch“ überlebt haben: Kommt mal klar!“

„Für mich war das Verhalten der FR völlig unverständlich“, sagt er auf Anfrage von WLZ-FZ. „Das war eine Karikatur wie jede andere auch, an der ich mich auch nicht gestört habe. Ich hätte allerdings nicht gedacht, dass die Rundschau so unprofessionell reagiert.“ Sonst trete sie immer für Transparenz und eine breite Diskussion über Politik ein, „und dann löscht sie einfach meinen Kommentar“. Dabei sei die Frankfurter Rundschau doch keine Zeitung, die solche Kommentare nicht gewohnt sei. „Sicherlich war der Kommentar zugespitzt, aber er ist doch nicht beleidigend.“ Der Insolvenzantrag sei bekannter Maßen gestellt, „die SPD ist über ihre Holding daran beteiligt. Beides ist nun mal Fakt. Insofern sehe ich keinen Grund, warum man dies in einem entsprechenden Rahmen nicht auch so nennen darf“.

Besonders habe ihn verwundert, „dass ich von der FR keine persönliche Rückmeldungen bekommen habe“, sagt Majewski. Die erhielt jedoch Lasse Becker, Chef der Jungen Liberalen. „Er ist via Twitter mit der Rundschau in Kontakt getreten“, sagt Majewski. Auf die Nachfrage, warum die FR-Online-Redaktion den Kommentar gelöscht habe, „haben sie darauf verwiesen, dass mein Kommentar gegen die AGBs verstößt und deshalb gelöscht worden ist“. Im Wortlaut „twitterte“ die FR: „Die Netiquette fordert Kommentare zum Thema (FDP, nicht FR) und untersagt falsche Tatsachenbehauptung und Beleidigung.“ Becker ließ diese Aussage jedoch nicht unkommentiert und schrieb zurück: „Wo ist die falsche Tatsache, wo die Beleidigung?“

„Ein Eigentor geschossen“

Länger beschäftigen will sich Majewski mit dieser Online-Posse allerdings nicht, „für mich ist die Sache erledigt. Ich habe kommentiert, die haben es gelöscht. Es ist ihre Seite, das ist ihr gutes Recht, dort zu machen, was sie wollen. Ich rege mich nicht weiter drüber auf.“

Zumindest weiter mit der Internet-Posse beschäftigt haben sich jedoch andere Facebook-Nutzer. Und die Meinungen gehen auseinander. „Ich würde den auch nicht bei mir posten lassen, wenn er so was schreibt“, heißt es von einem Kommentator. „Dieses Recht würde ich mir als Admin raus nehmen und ich würde das auch nicht so eng sehen. Schließlich geht es für die Journalisten um die Zukunft, da muss ich mich nicht auch noch auf meinem eigenen Gästebuch beleidigen lassen.“

Ganz anderer Auffassung ist hingegen Sebastian Christ, gebürtiger Frankenberger, der von Berlin aus intensiv die Politik und die Medienlandschaft betrachtet und auch bei Facebook kommentiert: „Ich finde, dass es einem Medium immer schlecht zu Gesicht steht, wenn das eigene Forum zum Ort der Willkür wird. Gerade, weil Medien die gesetzliche Sicherheit haben, dass sie ihre Meinung frei äußern können. Die Berichterstattung zu diesem Fall ist ein furchtbar unnötiges Eigentor, das sich die FR geschossen hat.“

von Rouven Raatz

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