Landwirte müssen Ladung richtig sichern

Stroh-Transporte durchs Frankenberger Land: „Jede Fahrt ein Abenteuer“

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Auf seinem Hof Schafhort zwischen Hatzfeld und Beddelhausen lädt Ulrich Schreiner die Strohballen mit seinem Schlepper ab. Das Stroh hat er in Unterrosphe gekauft.

Derzeit sieht man auf den Straßen der Region viele Schlepper mit Anhängern, auf denen Landwirte ihr Stroh transportieren.

Das Wichtigste dabei sei eine gute Sicherung der Ladung und eine angemessene Geschwindigkeit, sagt Matthias Eckel, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Frankenberg. Wie wichtig die Sicherung von Strohballen beim Transport ist, zeigten Unfälle mit umgekippten Ladewagen in den vergangenen Wochen. Doch wie sichert man Stroh richtig?

Um eine Ladung Stroh von einem Hof in Unterrosphe bei Wetter zu seinem Hof Schafhort bei Hatzfeld zu bringen, braucht Landwirt Ulrich Schreiner zweieinhalb bis drei Stunden. Einmal im Jahr, innerhalb von 14 Tagen, legt er die Strecke 16, 17 Mal zurück. Rund 600 Strohballen transportiert er, teilweise fährt er mehrmals am Tag. „Logistisch ist das ein gewaltiger Aufwand“, sagt der 66-Jährige.

Zwischen den Betrieben der Region bestehe ein reger Austausch, sagt Matthias Eckel vom Kreisbauernverband. Der Handel erstrecke sich vom Oberen Edertal über Kellerwald und Upland bis in das Wittgensteiner Land. Wichtig sei das für die Grünlandregionen, in denen es kein Stroh gibt. „Vor allem Bio-Betriebe sind auf Strohlieferungen aus dem konventionellen Anbau dringend angewiesen“, sagt Eckel.

Das Bewusstsein dafür, wie wichtig die richtige Sicherung der Ladung ist, sei größer geworden. Die Landwirtschaftliche Genossenschaft biete kostenlose Lehrgänge zu Ladungssicherheit an.

Preis für Stroh variiert stark

Bei der Sicherung muss man Vorschriften einhalten, um der Beweglichkeit des Strohs entgegenzuwirken. „Wichtig ist, dass der Anhänger stabil genug ist und auch standsicher bei Kurvenfahrten. Er muss breit genug sein, um zwei Ballen nebeneinander stapeln zu können, ohne dass diese an den Rändern überstehen. Das Fahrwerk darf nicht überladen werden“, erklärt Matthias Eckel. Auch die Geschwindigkeit spiele eine Rolle. Mit seinem Wagen kann Landwirt Ulrich Schreiner 40 km/h schnell fahren. „Jede Fahrt ist ein kleines Abenteuer“, sagt er. Vor allem ungeduldige Autofahrer seien eine Herausforderung.

Landwirt Ulrich Schreiner löst die Spanngurte, um die Ballen abzuladen.

Achten müsse man auf eine vorausschauende Fahrweise und eine angepasste Geschwindigkeit, vor allem bei Kurven und an Feldwegen, sagt Matthias Eckel. „Wichtig sind starke Ladegatter vorne und hinten, damit die Ballen sicher gehalten werden. Als Sicherung gegen seitliches Abstürzen sind Spanngurte das Mittel der Wahl“, sagt Eckel. Auch die Größe des Schleppers sei wichtig, um den Anhänger auch in schwierigen Situationen unter Kontrolle halten zu können.

Der Preis für einen Ballen Stroh variiert stark. Laut Matthias Eckel sind 15 Euro pro Rundballen ein Richtwert. „Früher bekam man die Ballen umsonst, da war das ein Abfallprodukt“, sagt Ulrich Schreiner. Aber die Nachfrage sei stark gestiegen und treibe den Preis nach oben. Woran das liegt?

„Immer mehr Landwirte produzieren Bioprodukte und halten ihre Tiere artgerecht, das fördert die Strohhaltung“, erzählt Schreiner. Er hat seit 20 Jahren eine Mutterkuhhaltung im Vollerwerb. Mittlerweile ist er in Rente, seine Tochter führt den Betrieb im Nebenerwerb.

„Wer davon leben muss, für den ist das schwierig“, erzählt er und verweist auf Betriebskosten und die schwierige Witterung im vergangenen und in diesem Jahr. „Wenn es einem nicht mehr passt, dann muss man sich davon verabschieden.“ Für ihn habe sich die Frage aber nie gestellt.

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