Unwetter im Frankenberger Land

Sturm zerstört Kirchenlinde in Laisa: Frau beinahe erschlagen

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Die zerstörte Kirchenlinde vor der Kirche, die derzeit saniert wird. 

Ein kurzes, aber heftiges Unwetter hat am Montagmittag für einige Schäden im Frankenberger Land gesorgt.

In Laisa wurde die Jahrhunderte alte Kirchenlinde zerstört - und eine Frau wäre durch den Baum beinahe erschlagen worden. 

„Als ich gemerkt habe, dass der Baum kracht, habe ich gedacht, das war es für mich.“ Die 58-Jährige ist immer noch mitgenommen von dem, was am Montagmittag vor der Kirche in Laisa passiert ist. Ihren Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen, die dramatischen Minuten während des Sturms, als der dicke Hauptast der alten Laisaer Kirchenlinde sie beinahe erschlagen hätte, hat sie uns aber erzählt:

Sie sei zu Fuß nebenan im Milchhäuschen gewesen, um noch vom Sonntagscafé am Tag zuvor aufzuräumen. „Als ich dann auf dem Heimweg war, fing es an zu stürmen und zu hageln“, erzählt sie. Weil der Firmenwagen einer Baufirma vor der Kirche stand, die derzeit saniert wird, ging sie davon aus, dass die Kirche offen ist. Sie ging zur Kirche, um sich vor dem Unwetter unterzustellen, doch die Tür war zu. „Dann machte es knarr, knarr und der Baum krachte neben mir runter. Wie in Zeitlupe.“

Weil sie befürchtete, dass weitere Äste der alten Kirchenlinde herrunterfallen könnten, sprang sie die Kirchenmauer herunter und lief zurück zum Milchhäuschen, um sich dort unter dem Vordach unterzustellen.

Nachbar Helmut Jeude (links) berichtet Pfarrer Stefan Peter von den dramatischen Minuten, als der Ast vor die Kirchentür krachte. 

Ein Mitarbeiter der Baufirma, der während des Unwetters in dem Firmenwagen saß, hatte die Frau zur Kirche gehen sehen, aber nicht mehr ihren Rückweg zum Milchhäuschen. Er ging deshalb davon aus, dass ihr etwas zugestoßen war, dass sie vielleicht sogar von dem dicken Ast erschlagen wurde.

Er klingelte bei Helmut Jeude, der neben der Kirche wohnt. „Wir haben dann nach der Frau gesucht und nach ihr gerufen. Ich bin auf allen Vieren unter die Äste gekrochen“, erzählte uns Helmut Jeude. „Ich habe die Männer rufen hören und erst dann gemerkt, dass sie nach mir suchen“, berichtete die Frau.

Pfarrer Stefan Peter ist froh, dass niemandem etwas passiert ist. Er wollte an dem Vormittag eigentlich mit Senioren aus der Laisaer Tagespflege „Haus am Wald“ in die Kirche. „Das habe ich aber zum Glück am Morgen abgesagt, weil die Kirchentreppe gerade saniert wird“, sagte Peter der HNA. Wegen der Baustelle für die Dachsanierung gibt es derzeit keinen zweiten Zugang bis zur Kirchentür.

Die zerstörte Linde mit einer Drohne fotografiert.

Nach dem Unwetter

Pfarrer Stefan Peter und Bürgermeister Christian Klein trafen sich gestern Nachmittag an der Kirche, um zu besprechen, was nun zu tun ist. Als erstes hat der städtische Bauhof den Kircheneingang und den Vorplatz abgesperrt. Die Gefahr, dass weitere Äste herunterfallen, bestehe weiterhin. Auch das Baugerüst sei durch die Äste beschädigt worden. „Das muss sich der Architekt angucken“, sagt Pfarrer Peter. 

Die Äste vor dem Kirchentor sollen so schnell wie möglich beseitigt werden. Ein Fachmann war – auch wegen anderer Unwetterschäden im Stadtgebiet – aber am Montagnachmittag noch nicht zu bekommen. Ob der Baum gerettet werden kann, ist nicht absehbar. „Ich vermute, dass er jetzt hin ist“, sagt Peter. „Es ist ein Jammer“, findet auch der Bürgermeister. 

Die alte Linde ist wohl einige Hundert Jahre alt. Sie war schon beim Laisaer Großbrand 1868 stark vom Feuer beschädigt worden. Weil man damals dachte, dass sie nicht überleben würde, pflanzten die Laisaer eine zweite Linde daneben. Doch der alte Baum kam durch, deshalb stehen heute zwei Linden vor dem Kirchentor. 

Der nächste Gottesdienst in Laisa findet erst wieder am 16. Juni statt, am 15. Juni soll eine Hochzeit in der Kirche stattfinden. Pfarrer Peter hofft, dass die Schäden bis dahin beseitigt sein werden.

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