Dodenau: Familiendatei erstellt

Suche nach Vorfahren wird einfacher

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Pfarrerin Eleonore Merkel, Historiker Jochen Karl Mehldau und Axel Marburg vom Kirchenvorstand Dodenau/Reddighausen (von links) präsentieren die Datei.

Battenberg-Dodenau - Fünf Jahre lang hat Jochen Karl Mehldau die Kirchenbücher aus Dodenau durchgearbeitet und anhand der Dokumente die Geschichte der Familien aufgezeichnet.

Regelmäßig erreichen Pfarrerin Eleonore Merkel Anfragen von Menschen, die ihre Vergangenheit erforschen und bei der Suche nach Vorfahren auf die Kirchenbücher zurückgreifen wollen: „Auch aus dem Ausland gab es schon Anfragen“, berichtet sie.

Künftig müssen die alten Dokumente nicht mehr gewälzt werden: Das hat Jochen Karl Mehldau in den vergangenen fünf Jahren intensiv gemacht. 2007 hatte er sein Familiendatei-Projekt in der Gemeinde vorgestellt und seitdem jeden in den Gemeindebüchern stehenden Namen erfasst und zugeordnet. Mehldau stellte den Mitgliedern des Kirchenvorstands die Ergebnisse vor.

Auf großen Karteikarten hat der 77-Jährige die Familiengeschichten vermerkt. Wer etwas über seine Vorfahren wissen will, bekommt damit schnell einen Überblick. Mehldau hatte zuvor bereits in allen Gemeinden im Wittgensteiner Land solche Familiendateien erarbeitet - aus der Region kommen seine Eltern, und auch er hat einige Zeit dort gelebt (siehe Kasten. In den Kirchenbücher seien bis zur Einrichtung der Standesämter in den Jahren 1874/75 Geburten, Hochzeiten und Sterbefälle niedergeschrieben worden - deshalb sei die Bedeutung für die Ahnenforschung groß. Die insgesamt zehn Kirchenbücher reichen bis ins Jahr 1625 zurück.

Doch die Suche in den alten Seiten ist mühsam. Die Texte sind ohnehin schwierig zu lesen, jeder Pfarrer hat eine andere Handschrift - und Jochen Karl Mehldau stieß immer wieder auf unbekannte Ausdrücke. „Eidam ist der Schwiegersohn, Schnur die Schwiegertochter“, nennt er zwei Beispiele. Für Laien, die die Bücher durchforsten, können solche Wörter ein Hindernis bei der Ahnenforschung darstellen. Vor allem im Sterberegister haben die Pfarrer häufig in Latein geschrieben - weil das die Dorfbewohner nicht verstanden und auch wenig schmeichelhaftes über den Toten, zum Beispiel Untreue, vermerkt werden konnte.

Erschwert wurden Mehldaus Forschungen durch fehlende Blätter, löchrige Seiten und verblasste Schriften. „Das erste Buch war in besonders schlechtem Zustand“, berichtet der pensionierte Vermessungsingenieur. Er hat sämtliche Seiten abfotografiert und die Ausdrucke binden lassen. Dadurch ist eine neue Abschrift des alten Kirchenbuchs entstanden. „Das Original sollte absolut unter Verschluss gehalten werden, damit sich der Zustand nicht weiter verschlechtert“, betont er.

Zum Teil fehlten Seiten komplett, beispielsweise die ersten 60 bis 70 Jahre des Eheregisters. „Vermutlich hatten sie sich gelöst und wurden deshalb einfach weggeworfen.“ Auch einige Konfirmandenregister würden fehlen, „und es gab Zeiten, in denen gar nichts eingetragen wurde“, erklärt Mehldau. Vermutlich sei es einfach vergessen worden oder die Pfarrstelle war nicht besetzt.

Spürsinn war auch bei der Zuordnung der Namen gefragt. „Drei Jakob Benner haben zwischen 1755 und 1759 geheiratet“, berichtet Mehldau. Zwei der Männer waren Söhne von zwei anderen Jakob Benner, und zwei der Ehefrauen hießen Anna Maria Feisel. In die drei Ehen wurden zwischen 1756 und 1777 insgesamt 14 Kinder geboren: „Welches Kind gehört jetzt in welche Familie?“ Fragen wie diese stellten Mehldau immer wieder vor Probleme. Trotz des enormen Aufwands bei der Recherche gebe es mitunter Zweifel am Ergebnis - dennoch bietet die Kartei eine zuverlässige Hilfe bei der Suche nach Vorfahren. Zu jeder Familie in Dodenau gibt es zwei Blätter. Vermerkt sind Namen, Hausnamen, Berufe, die Kinder, Taufen, Hochzeiten und Sterbefälle. Insgesamt hat Mehldau 4500 Karteikarten erstellt.

Auf Dodenau stieß er durch Kontakt zu Helga Christmann aus Kaiserslautern, die in Dodenau nach ihren Urgroßeltern geforscht hatte. Sie hatte bereits selbst eine Kartei mit einigen Daten erstellt.

„Die Kartei bedeutet eine enorme Arbeitserleichterung“, betonte Axel Marburg, Vorsitzender des Kirchenvorstands.

Wer in die Kartei schauen möchte, meldet sich im Pfarramt, Telefon 06452/6502.

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