BVB-Film "Wir, die Wand"

Von der Südtribüne auf die Leinwand

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Fabian Ludwig lebt in einer schwarz-gelben Wohnung. Das frühere Dortmund-Logo mit dem Löwen eines Sponsors ziert dort die Wand in seinem Schlafzimmer. Neben Bildern seiner Freundin hängen zahlreiche Wimpel. Foto: Patricia Kutsch

Frankenberg-Schreufa - "Borsti" ist seit zwölf Jahren dabei - egal ob sein BVB auswärts oder daheim spielt. Mit 25000 Fans steht er alle zwei Wochen im Westfalenstadion auf der Südtribüne. Ab Donnerstag steht er im Mittelpunkt: Dann startet ein Kinofilm, in dem Fabian Ludwig der Fankurve sein Gesicht gibt.

Vor dem Haus steht ein Auto mit dem Nummernschild KB-VB. Die Wohnung strahlt die Leidenschaft von Fabian Ludwig für Borussia Dortmund noch stärker aus: Gelbe Wände, das Logo der Fußballmannschaft darauf; Fotos von der Südtribüne; Autogramme; schwarz-gelbe Wimpel und Sofa-Kissen mit BVB-Bezügen dominieren das Bild. Er ist einer der Fans, die ihr ganzes Herzblut in die Unterstützung ihrer Mannschaft stecken.

„Borsti“ hat nicht nur seine Wohnung zu Ehren des BVB gestaltet, sondern auch sein Leben: „Ich habe seit zwölf Jahren kein Punktspiel verpasst – egal ob daheim oder auswärts“, sagt der 30-Jährige stolz. Freunde, Familie und Partnerin stecken zurück. Auch sein Arbeitsleben hat der Schreufaer so gestaltet, dass er zu den Fußballspielen fahren kann. „Anfangs gab es schräge Blicke, wenn ich bei der goldenen Hochzeit der Großeltern zum Fußball gefahren bin“, gibt Ludwig zu. „Aber es haben sich alle daran gewöhnt. Das nimmt mir keiner krumm.“ Für „Borsti“ ist es ausgeschlossen, die Dortmund-Spiele im Fernsehen anzuschauen.

Der Schreufaer schaut die Spiele auch nicht von irgendeinem Platz aus. Er steht immer in der Fankurve. Bei Heimspielen ist er seit zwölf Jahren fester Bestandteil der „gelben Wand“ – so nennen die Fans ihre Südtribüne. „Borsti“ ist im Block 13 zu finden, auf der 15. Stufe von oben. Immer. „Wir sind eine große Familie. Und jeder hat seinen festen Platz.“ Seinen Platz hat „Borsti“ seit dem Sommer 1998.

Damals lud ihn der Fanclub aus Schwerte dorthin ein. Damals wuchs er in die Fanszene hinein und wurde Teil von ihr. Heute besucht er nicht nur die Pflichtspiele, sondern ist auch bei Testspielen und Begegnungen der Amateure oder der A-Jugend dabei. In der zurückliegenden Saison hat „Borsti“ 80 Fußballspiele gesehen – in seiner „besten Saison“ seien es mehr als 100 gewesen. „Da sagt meine Freundin dann aber schon mal, ich soll es nicht übertreiben“, gibt er zu. Ansonsten habe sie Verständnis für seine Leidenschaft und begleite ihn und seinen Fanclub „Bierstadt Supporters“ häufig zu den Spielen. „Sie hat mich eben so kennen gelernt“ – natürlich im Fanbus, auf dem Weg nach Dortmund.

Die Liebe zum BVB hat Ludwig mit sechs Jahren entdeckt. Auf dem klassischen Weg: Papa hat ihn mit ins Stadion genommen. „Ich weiß nichts vom Spiel“, sagt der 30-Jährige heute. „Ich kann mich nur noch an die Südtribüne erinnern. Die Fangesänge und Choreografien haben mich fasziniert.“ Für ihn sei klar gewesen, dass er irgendwann selbst dort stehen will. Nach der Vergrößerung der „gelben Wand“ Ende der 90er-Jahre hat dieser Traum sich erfüllt.

Ein weiterer Traum, mit dessen Erfüllung „Borsti“ nie gerechnet hatte, geht am Montag in Erfüllung: Mit zehn weiteren Fans steht der Schreufaer im Mittelpunkt eines Films über die Südtribüne. Elf Kamerateams des WDR haben elf ausgewählte, treue Fans des BVB 90 Minuten lang begleitet – während des Spiels gegen Mainz am 20. April. Die Kameras waren während des Spiels auf die elf Fans gerichtet, die inmitten der 25000 Fans auf der Südtribüne mitfiebern, bangen und jubeln. „Während des ganzen Films ist nicht eine Spielszene zu sehen“, sagt Ludwig. Es geht allein um die Stimmung, den Zusammenhalt und die soziale Gemeinschaft auf der „gelben Wand“. Wie das Spiel auf dem Feld abläuft, wird jedoch trotzdem deutlich: Anhand der Rufe, der Emotionen und der Gesänge, die die Kamerateams eingefangen haben.

Der Dreh sei für Regisseur Klaus Martens nicht leicht gewesen: „Ich glaube, er war vorher nie auf der Südtribüne“, schmunzelt „Borsti“. Über Funk wollte er seine Kamerateams steuern, ihnen Anweisung geben. „Nach fünf Minuten hat er aufgegeben.“ Es war zu laut. Die Kamerateams arbeiteten ohne Funkkontakt. „Sie fühlten sich in die Gemeinschaft ein, wurden herzlich aufgenommen“ – eines der Geheimnisse des emotionalen Films „Wir, die Wand“.

Premiere feiert der Film am Montag in Dortmund. Fabian Ludwig ist eingeladen. Den fertigen Film kennt er noch nicht. „Aber ich bin auch nicht nervös“, sagt er. „Unbekannt war ich ja schon vorher in der Szene nicht.“ Der Schreufaer gab schon oft Interviews oder sprach Teile von Reportagen ein. „Aber jetzt ins Kino zu kommen toppt alles. Es freut mich, etwas so Einmaliges, wie die ‚gelbe Wand‘, mit darstellen zu dürfen.“

Deutschlandweit kommt der Film in vielen Städten am Donnerstag, 5. September, in die Kinos. Er wird auch im Marburger Filmkunsttheater zu sehen sein.

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