Erfolgsautor Hanns Josef Ortheil las beim Dinner aus „Die Insel der Dolci“

Das Süße als Grundakkord

Ein Abend für Feinschmecker: Passend zum Sizilien-Buch „Die Insel der Dolci“ des Autors Hanns Josef Ortheil (2. von links) servierte das Hotel Die Sonne Frankenberg (links Direktorin Susan Lorenz) ein Vier-Gänge-Menü voll italienischer Aromen. Foto:  Völker

Frankenberg. Schon für Johann Wolfgang von Goethe, der am 2. April 1787 mit seinem Zeichner Christoph Heinrich Kniep in Palermo vom Schiff stieg, war Sizilien die „Insel der Seligen“, das „gartengleiche Land“.

Aus der Perspektive von Hanns Josef Ortheil, Professor für kreatives Schreiben an der Universität Hildesheim, ist Sizilien die kulinarische Keimzelle aller europäischen Desserts, „Die Insel der Dolci“, so der Titel seines jüngsten Buches. Beim Lese-Dinner des Literatur-Festivals „Literarischer Frühling“ im Hotel Die Sonne Frankenberg entführte er am Freitagabend über 100 Zuhörer in die „süßen Paradiese Siziliens“.

Als einen der meistgelesenen Gegenwartsautoren („Die Erfindung des Lebens“, „Liebesnähe“, „Das Kind, das nicht fragte“) hatte ihn Festspiel-Intendantin Christiane Kohl begrüßt und ihn auf seine Liebe zu Italien angesprochen - mehrfach gelang es ihr noch im Laufe des Leseabends, den Schriftsteller zum spontanen Erzählen anzuregen. Immer wieder sei er seit 1977 nach Sizilien gereist, sei begeistert gewesen von der reichen Trauminsel, wo die großen Kulturen des Mittelmeerraums ihre unauslöschlichen Spuren hinterließen, berichtete Ortheil. Besonders fasziniert hätten ihn aber die „Dolci“, die kleinen Süßigkeiten, die dort unter griechischem, römischem und arabischem Einfluss entwickelt worden seien.

„Dolci sind Kompositionen, die zart auf der Zunge zerschmelzen“, schwärmte Hanns Josef Ortheil, der für sein Buch in die Keller der sizilianischen Pasticcerien hinabstieg und die kleinen Wunderwerke aus Zucker, Honig, Marzipan, Früchten, Nüssen und Gewürzen kosten durfte. Es seien keine ausgesprochenen Desserts, sondern süße Kleinigkeiten, „die man den ganzen Tag essen kann, immer wenn man einen depressiven Abfall hat“, versicherte der Autor.

An Ständen im Freien, auf der Straße, in den sizilianischen Cafés - überall seien sie präsent, sagte Ortheil. Amüsant, eloquent und feinsinnig schilderte er sie alle genussvoll: die „Cannoli“ (frittierte Teigröllchen mit Ricottacreme), die „erfrischenden Granite, in deren zerstoßenem Eis man den Schnee des Ätna kostet“, die „Ossa di morto“ (Totenknochen aus Mehl, Zimt, Nelken, Zucker), die Sorbets aus den kleinen Eiswagen, die „Tricotti“ (eine Keksart) oder die „Frutti della Martorana“, täuschend echt aussehende Marzipanfrüchte.

Tochter machte Bilder

„Das Süße macht den großen Grundakkord der sizilianischen Ernährung aus“, versicherte der Autor, der für sein Buch diese kulinarische Kultur und ihre Herstellung in vielen Betrieben mit Familientradition erkundete. Seine Tochter, die Fotografin Lotta Ortheil, fertigte dazu die Bilder an. Dass solch süße Forscherarbeit ihm gleich wieder Stoff für einen neuen Roman geboten hat, verriet Hanns Josef Ortheil zum Schluss mit einer Leseprobe. Bis kurz vor Mitternacht musste er noch Bücher signieren.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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