Professor untersucht Battenberg als Modellstadt

"Szenario der gesunden Schrumpfung"

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Battenberg - Die Veränderung in der Bevölkerung sollten als Chance aufgefasst werden, findet Professor Eichenlaub. In Battenberg will er mit Studenten ein Konzept entwickeln, wie Kommunen mit dem demografischen Wandel umgehen können.

Der Ausdruck "Demografischer Wandel" schwebt seit einigen Jahren drohend über kleinen Orten. Er beschreibt die Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur, es gibt immer mehr alte Menschen, und aus Dörfern ziehen junge Leute weg.

Im Auftrag der Landesregierung soll Professor Alexander Eichenlaub von der Universität Kassel prüfen, wie dem Wandel begegnet werden kann. Gemeinsam mit Studenten will er die Oberstadt in Battenberg unter die Lupe nehmen und ein Konzept entwickeln, dass auch auf andere Orte in der Region und in ganz Hessen umgesetzt werden kann. Kern ist die Attraktivierung der Altstadt als Wohngebiet. Nicht benötigte Häuser sollen abgerissen werden, um Freiräume zu schaffen und damit einen Ortskern attraktiv für Familien zu machen.

"Das wird eines der wesentlichen Ziele sein." Eichenlaub warb dafür, den demografischen Wandel als Chance zu sehen: "Ich möchte das ‚Horrorszenario‘ zurechtrücken, es ist das Szenario der gesunden Schrumpfung", sagte der Professor.

Bevölkerung einbeziehen

Die Oberstadt sei "identitätsstiftend" mit Kirche, Fachwerkhäusern und dem Burgberg. Die Bevölkerung solle einbezogen werden und sich an dem Projekt beteiligen. Eichenlaub will sich auch an die Schulen wenden und Jugendliche einbeziehen, "damit die Stadt lebenswert und erhaltenswert bleibt". Er warb bei den Besuchern am Donnerstag dafür, sich zu engagieren.

Zu den Aufgaben zähle auch, alte Häuser zu modernisieren und beispielsweise barrierefrei zu machen, sagte Eichenlaub. "Die Menschen wollen länger zu Hause wohnen."

Den offiziellen Startschuss setzt Staatsminister Axel Wintermeyer am 26. April in Battenberg. Professor Eichenlaub und seine Studenten beginnen ihre Arbeit allerdings schon Anfang April. Dann sei die Gruppe etwa eine Woche in Battenberg und erarbeite Vorschläge, die offen diskutiert werden könnten. Abschluss soll ein "Maßnahmenpaket" bilden, das unterschiedliche Wege aufzeigt.

Das Projekt endet am 30. September, allerdings stünden er und seine Mitarbeiter über diesen Termin hinaus zur Verfügung, betonte Alexander Eichenlaub.

Bürgermeister Heinfried Horsel betonte, dass Battenberg sich schon früh mit der Bevölkerungsentwicklung befasst habe - so sei eine erste Initiative zum Erhalt der Ortskerne schon 2002 entstanden. Fortwährend habe die Stadt im engen Kontakt zur Staatskanzlei gestanden. "Wir treten in eine neue, vielversprechende Phase ein. Wir freuen uns auf dieses Projekt und sind überzeugt, dass wir davon profitieren." Matthäus Friederich, Demografie-Beauftragter der hessischen Landesregierung, erklärte die Beweggründe des Projekts. Der demografische Wandel solle nicht als Schreckgespenst aufgefasst werden. Er erinnerte an die "Demografiepartnerschaft" Battenbergs mit Erbach in Sachsen. Die Chancen, eine Gemeinde attraktiv zu halten, seien in Orten mit funktionierendem Gemeinwesen am größten - das sei in Battenberg der Fall.

Friederich verwies auf den Modellcharakter der Untersuchungen in Battenberg: "Wir erhoffen uns Ergebnisse, die wir dann auch in anderen hessischen Kommunen verwenden können."

Wer an der Mitarbeit am Projekt interessiert ist, kann sich bei der Stadtverwaltung in Battenberg melden, Telefon 06452/934412.

von Mark Adel

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