Währung für Region Burgwald-Ederbergland

Taler, Taler - du musst wandern

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Archivfoto: dpa

Frankenberg - Bezahlen könnte in der Region künftig anders ablaufen, als gewohnt: Eine Arbeitsgruppe der Region Burgwald-Ederbergland denkt über die Schaffung einer eigenen Währung nach - noch steht allerdings nicht einmal ein Zeitrahmen für das Projekt.

Die Interessen sind noch ungeordnet, ebenso die Ziele und die möglichen Schritte hin zu diesen Zielen. Was aber am Ende eines langen Denk- und Schaffensprozesses stehen könnte, scheint schon relativ klar: Eine regionale Währung, die mehr ist, als nur Spielgeld.

Vor wenigen Wochen fand in der Frankenberger Hans-Viessmann-Schule unter dem Titel „Ist die Wirtschaftskrise schon vorbei?“ ein Vortrag über das internationale Geldsystem statt. Das Interesse am Thema war so groß, dass die Region Burgwald-Ederbergland daraufhin eine Arbeitsgruppe ins Leben rief, die sich dem Thema regionaler Geld- und Wirtschaftskreisläufe widmet. Am Mittwoch tagte sie im historischen Frankenberger Rathaus zum ersten Mal. „Man muss sich anstecken lassen – und wir sind angesteckt“, sagte Frankenbergs Bürgermeister Rüdiger Heß als Gastgeber und Schirmherr des Finanz-Vortrags in der Berufsschule. Er regte an, auf dem Messetaler aufzubauen. Zur zehnten Burgwaldmesse in Frankenberg im Herbst des vergangenen Jahres hatte es eine eigene Währung für das Messewochenende gegeben – fälschungssicher und noch bis 2016 gültig. Zugleich rief Heß die Arbeitsgruppe auf, nicht zu lange zu warten: „In Österreich ist so etwas teilweise schon verboten“, sagte er (siehe Hintergrund).

Aufbau einer regionalen Währung braucht viel Zeit

Doch innerhalb weniger Monate wird eine Regionalwährung nicht kommen – das zeigte die Dynamik innerhalb der Gruppe, die von Regionalmanager Stefan Schulte und Anne Archinal von der Aktionsgemeinschaft „Rettet den Burgwald“ geleitet wird. Die Interessenslage reichte von der Schaffung von Alternativen zum Euro über die Aufklärung der Bevölkerung über Fehler im internationalen Finanzsystem bis hin zur Stärkung der Region.

Letzteres wurde immerhin als gemeinsame Arbeitsgrundlage anerkannt und so hält es auch die erfolgreichste Regionalwährung, der Chiemgauer, der faktisch ein Gutscheinsystem ist – denn Währungen werden von Notenbanken herausgegeben. Bei diesem Modell fließt ein gewisser Prozentsatz des Geldes in regionale Vereine. Regionalgeld anzusparen lohnt nicht, da es sonst verfällt. Das Prinzip heißt „umlaufgesichertes Geld“. Ähnlich sei im Mittelalter vorgegangen worden, erläuterte Schulte. „Die damalige Blüte war nur möglich, weil es keine Zinsen gab“, sagte Schulte – auch wenn diese These wissenschaftlich umstritten ist. Mit Hilfe von „Brakteaten“, dünnem und nur kurz- und mittelfristig gültigem Geld, seien die großen Kathedralen Europas gebaut worden – aber etwa auch die nicht weit vom alten Frankenberger Rathaus entfernte Liebfrauenkirche. Das Geld wurde meist nach rund einem Jahr verrufen – Währungsreste spendete die Bevölkerung meist an die Kirchen.

Bevor es aber an die Ausgestaltung des Geldes gehen kann, muss die Arbeitsgruppe noch einige weitere Details klären. Insbesondere das Verbreitungsgebiet ist noch fraglich. Die Region Burgwald-Ederbergland etwa umfasst Gemeinden zweier Landkreise mit knapp 94000 Einwohnern. Anne Archinal aber brachte auch den Gedanken auf, die Stadt Marburg mit einzubeziehen – wegen der vielen Einwohner wie der zahlreichen möglicherweise interessierten Geschäfte. Mitglieder der Arbeitsgruppe kommen aber auch aus Homberg/Ohm oder Amöneburg. Das Thema begeistert also über die Grenzen der Region Burgwald-Ederbergland hinaus. Dennoch soll es erst einmal unter ihrer Federführung umgesetzt werden. Dann nämlich sei durchaus mit einer Förderung zu rechnen, erklärte Regionalmanager Schulte – eine Förderung mit ganz realem Geld.

Das nächste Treffen der Gruppe findet voraussichtlich am Dienstag, 9. September, ab 19.30 Uhr im Oberrospher Museum statt.

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