Frankenberg

Tausende fahren mit der Bahn - Video

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- Frankenberg (da). Die Bahn fasziniert und begeistert – auch wenn nicht jeder sie täglich nutzt. Doch alte Züge, wie sie in den vergangenen Jahrzehnten rund um Frankenberg oft zu sehen waren, haben am Wochenende gelockt.

Wer „ganz normal“ nach Marburg reisen wollte, musste sich am Bahnsteig erst durchfragen. Wo sonst höchstens ein Zug steht, waren in den vergangenen Tagen alle Gleise in Frankenberg belegt. Etwa 4000 bis 5000 Menschen haben die drei Streckenfeste in Frankenberg, Wetter und Ernsthausen nach Angaben der Kurhessenbahn besucht und sind mit den Sonderzügen gefahren. Die waren nicht nur auf der Burgwaldbahn zwischen Marburg und Frankenberg, sondern auch auf den landschaftlich reizvollen Strecken Richtung Battenberg und Herzhausen unterwegs. Allein am Samstag seien es 800 Gäste gewesen, sagte Karsten Lisker von der Kurhessenbahn. Am Sonntag nutzten dann noch einmal deutlich mehr Menschen das Angebot. Schon den Jüngsten war die Begeisterung anzumerken. Unter den Besuchern waren auch viele Eisenbahner wie Gerhard Saßmannshausen, der dafür seine alte Uniform vom Dachboden geholt hatte: „Sie passt noch“, freute sich der Dodenauer.

Als „Restaurant“ diente der alte Verladebahnhof. Dort waren auch Bahn, Bundespolizei und Ederbergland-Touristik mit Info-Ständen vertreten. Reiner Gasse aus Battenfeld, der sich seit Jahrzehnten mit der Eisenbahngeschichte der Region beschäftigt, zeigte historische Bilder und erinnerte an die frühere Bedeutung. „Während man im Industriezeitalter des ausgehenden 19. Jahrhunderts die Eisenbahn für die Entwicklung des ländlichen Raumes unbedingt brauchte, können wir heute als fortschrittlich denkende und von hoch entwickelter Technik verwöhnte Menschen die Bahn als Alternative wählen.“

Das Streckennetz gehört der Kurhessenbahn, einer Tochter der Deutschen Bahn. Joachim Kuhn, Sprecher der Kurhessenbahn, war hochzufrieden – trotz des regnerischen und kalten Wetters seien die Menschen gekommen. Aus ganz Deutschland hatte die Kurhessenbahn Wagen und Loks nach Frankenberg geholt – viele stehen sonst in Museen.

Darunter waren auch Exemplare, die in Frankenberg noch nie anzutreffen waren, zum Beispiel mehrere E-Loks. Auch die beiden Dampfloks zogen bewundernde Blicke auf sich. Kinder konnten am Arbeitsplatz eines Lokführers Platz nehmen. Gut angenommen wurden auch Führerstandsfahrten in der alten Köf, eine Rangierlok, wie sie viele Jahre auch am Frankenberger Bahnhof ihren Dienst getan hat. Der legendäre TEE Rheingold war ebenso begehrtes Fotomotiv.

In Wetter wurde ein Triebwagen auf den Namen „Burgwald-Ederbergland“ getauft. Dort fand zugleich der Auftakt der Streckenfeste statt. Hochbetrieb herrschte auch in Ernsthausen: An der Haltestelle war ein komplettes Weindorf entstanden, Hunderte Besucher genossen ein buntes Programm vieler Vereine.

Viele Besucher kamen von weither, darunter laut Lisker auch zahlreiche Übernachtungsgäste. Die weiteste Anreise hatte ein englischer Bahnfan, der wegen des Streckenfestes extra aus Birmingham angereist war. Tagestouristen aus südlichen Regionen nutzten die Fahrt nach Frankenberg zum Stadtbummel.

Für Joachim Kuhn ging es nicht nur um Nostalgie, sondern darum, die Strecke – „eine der modernsten in Hessen“ – zu präsentieren. Einige Kunden habe die Kurhessenbahn durch die dreimonatige Streckensperrung während der Sanierung verloren. „Wir hoffen, nicht nur die, die weggeblieben sind, wiederzukriegen, sondern auch Neukunden zu gewinnen. Dazu soll das Fest beitragen.“

Mehr lesen Sie in der Montagsausgabe der Frankenberger Zeitung.

Eine Bildergallerie finden Sie hier.

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