Frau wollte Reise antreten

Taxi um 5 Uhr morgens: Keiner wollte fahren

Beförderung: Für Taxifirmen gibt es eine Beförderungspflicht, aber keine Pflicht, rund um die Uhr verfügbar zu sein. Diese Erfahrung musste jetzt eine Reisende machen. Foto: Schuldt

Bad Wildungen. Eine Reinhardshäuserin wollte verreisen, kam aber nicht weit. Die Taxi-Unternehmen fahren nicht zu jeder Tageszeit.

In Bad Wildungen statt beispielsweise in Berlin zu wohnen, hat Vor- und Nachteile. Ein Nachteil des Kleinstadtlebens besteht darin, dass Taxen hier nicht rund um die Uhr zur Verfügung stehen.

Diese Erfahrung musste Karla Klein aus Reinhardshausen machen, als sie kürzlich eine Busreise antrat. „Der BKW-Bus fuhr morgens um 5.30 Uhr am Bahnhof ab. Ich wollte eine Taxe bestellen, die uns zwei Personen um 5 Uhr von Reinhardshausen nach Bad Wildungen bringen sollte“, berichtet sie. Für diese Uhrzeit wollte aber kein heimisches Unternehmen den Auftrag annehmen. „Das war ja wohl ein Witz“, meint die Reinhardshäuserin.

Eine vergleichbare Anfrage stellte vor längerer Zeit ein Stadtverordneter an die Stadtverwaltung. Thomas Pehlke vom Ordnungsamt beschäftigte sich intensiv damit. „Es gibt für Taxifirmen zwar eine Beförderungspflicht, aber keine Pflicht, rund um die Uhr verfügbar zu sein, auch wenn sie Teil des Öffentlichen Personennahverkehrs sind“, erklärt er. Zwar könne eine Stadt theoretisch in ihrer Taxi-Satzung einen 24-Stunden-Dienst vorschreiben, doch ihm sei kein derartiger Fall bekannt. Busse fahren, anders als die U-Bahn in Berlin, in der Kurstadt ebenso wenig rund um die Uhr.

Das hängt mit den Bedingungen und der Nachfrage zusammen, erklärt ein Wildunger Unternehmen auf Nachfrage. Es gebe keine festen Zeiten. Ob der Fahrer in seinem Wagen am Stand ausharre, hänge davon ab, wie viel in der Stadt los sei. In der Regel herrscht in Bad Wildungen ab dem späten Abend kaum noch Betrieb. Weil Taxen zum ÖPNV gehören, zahlt der Fahrgast einen festen Tarif, ohne Wochenend-, Früh-, Spät- oder Nachtzuschlag.

Seit der Mindestlohn gilt, kostet der Fahrer das Unternehmen pro Stunde mehr als elf Euro. Bei vereinzelten Aufträgen zu ungewöhnlichen Zeiten lohnt sich der Aufwand nicht, anders als in Ballungszentren.

Karla Klein wich auf private Hilfe aus: „Liebe Menschen erklärten sich zum Glück bereit, uns zum Bus zu bringen.“

Quelle: HNA

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