Verurteilt: 25-Jähriger gab zu, viel zu schnell gefahren zu sein

Bewährungsstrafe nach Unfalltod von Taxifahrer in Bad Arolsen

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Gedenkstätte am Ortseingang von Wetterburg: Hier erinnern Blumen, Kerzen, ein Holzkreuz und ein Engel an den bei einem Unfall im Mai vergangenen Jahres getöteten Taxifahrer aus Polen. 

Wetterburg. Zu einer Bewährungsstrafe von elf Monaten, 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit und drei Jahren Führerscheinentzug hat das Amtsgericht Korbach einen 25-jährigen Mann verurteilt, der am 4. Mai in Wetterburg einen tödlichen Unfall verursacht hat.

Der junge Mann hatte sich nach einer Kartenspielrunde kurz vor Mitternacht mit seinem Bruder und zwei Cousins auf den Weg zu einem Burger-Restaurant gemacht. 

In einer von seinem Rechtsanwalt verlesenen Einlassung räumte der junge Mann unumwunden ein, viel zu schnell gefahren zu sein. Deshalb sei er auch in der Rechtskurve kurz vor dem Ortseingang von Wetterburg auf die Gegenfahrbahn geraten. 

Möglicherweise wäre der Opel Zafira über die Kurve hinausgeschossen und gegen die dortige Scheune geprallt, wenn in diesem Moment nicht ein mit fünf Personen besetztes Taxi entgegengekommen wäre. Der aus Polen stammende Taxifahrer erkannte die Gefahr, bremste seinen VW Caddy bis auf 25 Stundenkilometer ab und versuchte vergeblich auszuweichen. 

Beim Aufprall wurde der Taxifahrer mit voller Wucht getroffen, erlitt vielfache Verletzungen, durch die er unmittelbar verstarb. Die von ihm chauffierten Passagiere erlitten mittlere bis schwere Verletzungen. Zwei Handwerksmeister sind noch immer wegen Kniebeschwerden in Behandlung. 

Der Unfallverursacher und seine drei Mitfahrer wurden nur leicht verletzt und schnell wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Der Verursacher des tödlichen Unfalls wird seitdem wegen Depressionen behandelt. 

Noch schlimmer hat es die Witwe und die zu Halbwaisen gewordenen Kinder des Taxifahrers getroffen. Unter Tränen schilderte die Mutter, wie sich ihr Leben durch den Verlust des Ehemannes und Vaters verändert hat.

„Ich werde psychologisch behandelt, kann seit dem Unfall nicht mehr arbeiten“, klagte die Witwe unter Tränen an und fügte hinzu: „Ich habe ein Kind mit Asperger-Syndrom. Es geht uns schlecht. Aber ihr Geld will ich nicht. Geben Sie mir ihre Kontonummer, damit ich ihre Spende zurücküberweisen kann.“ Nachdem sie die Bilder vom Unfall gesehen habe, könne sie nicht verzeihen: „Ich möchte euer Geld nicht. Ich möchte meinen Mann zurück, ich möchte wieder glücklich sein.“

Der Unfall am Ortseingang von Wetterburg hat über viele Menschen unendlich viel Leid gebracht. Zwei junge Handwerksmeister, die beim Unfall im Taxi unterwegs waren, haben noch für lange Zeit mit schmerzenden Kniegelenken zu kämpfen.

Und auch der junge Unfallverursacher, der bald zum zweiten Mal Vater wird, ist nur ein Mensch: Er muss für den Rest seines Lebens damit leben, dass durch seine grob fahrlässige Fahrweise ein Mensch starb und eine Familie schweres Leid erfuhr.

Acht Zeugen waren am Montag geladen, um das tragische Geschehen juristisch zu klären. Dabei wurde auch das unflätige Verhalten thematisiert, das der Bruder des Unfallfahrers gegenüber den Polizeibeamten, Feuerwehr und Rettungssanitätern an den Tag legte.

„Wir sind alle übelst beschimpft worden. Das war zum Fremdschämen“, berichtete ein Polizist. „Aber so einer kann mich nicht beleidigen. Deswegen habe ich auch keine Anzeige erstattet.“ Der Unfallfahrer selbst habe sich aber der Situation angemessen, demütig und kleinlaut, gegeben, so der Polizeibeamte. Er habe auch sofort zugegeben, dass er am Steuer gesessen habe.

Gleich am Tag danach haben die Schwester und die Mutter des Unfallverursachers versucht, mit der Familie des Taxifahrers Kontakt aufzunehmen. „Ich kann aber verstehen, dass die mit mir nicht reden wollten“, so der Angeklagte. 

Quelle: HNA

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