Halbes Jahr für möglichen Neubau

Tegut bleibt länger

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Frankenberg - Das ist mehr als nur ein „Pro-forma-Interesse“: Tegut will in Frankenberg bleiben, sucht nach einem möglichen Standort und verlängert daher den Mietvertrag für seinen bestehenden Markt um vorerst ein halbes Jahr.

Kundendruck in Form von Unterschriften, Briefen, Anrufen und einer Facebook-Gruppe wirkt: Tegut plant auch weiterhin mit dem Standort Frankenberg. „Ja, das kann ich bestätigen“, sagt Alexander Wilhelm, Leiter Expansion, Bau und Immobilien und als dieser auch Mitglied der Tegut-Geschäftsleitung. Als ersten Schritt hat der Fuldaer Einzelhändler den Mietvertrag für den bestehenden Markt in der Auestraße um vorerst ein halbes Jahr verlängert, die Mitarbeiter wurden gestern Früh darüber informiert. „Das ist ein deutliches Zeichen, dass Tegut an Frankenberg interessiert ist“, freut sich Bürgermeister Rüdiger Heß über die gute Botschaft aus Fulda.

Gleichwohl räumt Wilhelm ein: „Langfristig ist der bisherige Standort nicht zu halten.“ Auch wirtschaftlich sei der bestehende Markt nicht mehr tragfähig. „Doch wir sind der Überzeugung, dass wir in Frankenberg in einem neuen Markt auch wieder wirtschaftlich arbeiten können“, sagt Wilhelm. So diene das gewonnene halbe Jahr dazu, Kunden das gewohnte Sortiment so lange zu bieten, bis klar sei, ob und wo ein neuer Markt umsetzbar ist. Sollte neu gebaut werden, würde wohl auch der bestehende Mietvertrag bis zur Eröffnung verlängert werden.Schon bei der Ankündigung, Tegut wolle Frankenberg verlassen, hatte es aus der Fuldaer Zentrale geheißen, dass der Standort auch weiterhin attraktiv sei. Eine angestrebte Renovierung des Marktes habe sich aber nicht realisieren lassen. Damals war das Unternehmen davon ausgegangen, dass im Falle eines Neubaus maximal 800 Quadratmeter Verkaufsfläche möglich seien. Bei der wachsenden Konkurrenz durch das Frankenberger Tor und den entstehenden Markt in der Bottendorfer Straße sei dies zu klein.

Nach der Erklärung des Bürgermeisters, im Sinne des Bestandsschutzes seien auch 1500 bis 1700 Quadratmeter möglich, hatte es mehrfach Gespräche zwischen Stadt und Unternehmen sowie zwischen Geschäfts- und Marktleitung gegeben. Wilhelm hatte Frankenberg besucht und sich schon da – wie auch im Gespräch mit der Heimatzeitung – beeindruckt gezeigt von der Solidaritätswelle. Die allein aber reiche nicht, gibt er zu. Ein Markt müsse auch profitabel sein. So soll auch ein Neubau möglichst modern, möglichst groß sein: „In dem verfügbaren Rahmen möchten wir natürlich an das obere Ende“, schielt der Expansionsleiter auf die 1700 Quadratmeter.Klar sei, dass das Fuldaer Einzelhandelsunternehmen in jedem Falle als Mieter auftreten wolle – also keine eigene Immobilie bauen werde. „Wir sind in Gesprächen mit der Stadt und einem Projektentwickler“, verrät Wilhelm – es gehe um genau einen Standort, der für den Neubau infrage kommt. Welchen, wollte Alexander Wilhelm nicht sagen.

Auch wenn es sich viele Frankenberger wünschen: Nach Informationen der Frankenberger Zeitung handelt es sich nicht um das Kugel-Gelände, das der Schwalmstädter Investor Eberhard Unger durch seine Tochterfirma „Kurhessen Gewerbebau“ Anfang des Jahres erwarb (FZ berichtete exklusiv). „Wir wollen absolute rechtliche Sicherheit“, bevor überhaupt erwogen werde, etwas zu bauen, sagt Unger. Die Frankenberger Liste werfe schlicht zu viele Hürden auf. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass auf dem Gelände in den nächsten Monaten etwas passiert“, sagt er – auch wenn er Gespräche mit Tegut bestätigt. „Aber es gibt auch viele andere Interessenten“, weiß der Unternehmer um die Attraktivität dieser Lage. Das Grundstück sei jedoch „auf Vorrat“ gekauft und solle langfristig entwickelt werden. Er selbst wolle jedenfalls die Frankenberger Liste nicht aktiv angehen: „Wir werden uns die Entwicklung anschauen“, sagt Unger. Egal, wie lange es dauert. So sei ein Bau von Tegut auf dem Kugel-Gelände „derzeit kaum möglich“.

In Fulda aber drängt die Zeit. Denn es muss nicht nur die wirtschaftliche, sondern auch die baurechtliche Seite geklärt werden, weiß Alexander Wilhelm. Und Bürgermeister Rüdiger Heß erläutert: „Es muss mit einem Gutachten nachgewiesen werden, dass es sich um einen öffentlichen Nahversorger handelt“ – ein größeres Tegut darf also nicht zu viele Kunden aus anderen Kommunen, insbesondere dem Mittelzentrum Allendorf-Battenberg, abziehen. „Unser Ziel ist es, vor Weihnachten zu wissen, wohin die Reise geht“, sagt Alexander Wilhelm und nennt diesen Zeitraum ein „Fenster des Hoffens“.

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