Frankenau

Von Tempelelefant und Schuluniformen

- Frankenau/Mangalore (r).Schuluniformen, Blumen und Tempelelefanten auf der Straße: Das Leben der Frankenauer Pfarrersfamilie Wahl in Indien ist bunt und anders.

Die Pfarrer Harald und Henriette Wahl verbringen knapp drei Monate in Südindien (FZ berichtete). Während sie sich weiterbilden und das College besuchen, nehmen ihre fünf Kinder am Unterricht in der katholischen Privatschule St. Theresa’s English High School teil – mit mehr als 1200 weiteren Mädchen und Jungen. Unterrichtet wird an sechs Tagen der Woche, jeder Schultag beginnt mit einer Andacht. Die Unterrichtssprache ist Englisch, auch die Kleinsten lernen über Lieder und Bilderbücher ihre erste Fremdsprache. Viele Kinder können sich nur so verständigen, weil sie unterschiedliche regionale Sprachen sprechen. Auch bei hinduistischen und muslimischen Familien ist St. Theresa’s beliebt und die konfessionelle Schule religiös tolerant. Nur knapp vier Prozent der indischen Bevölkerung sind Christen. Der überwiegende Teil sind Hindus, im Norden auch Muslime. Doch in Mangalore ist das anders: Über 50 Prozent der dortigen Bevölkerung gehören einer christlichen Kirche an. Zwei Kathedralen und viele Kirchen bestimmen das Stadtbild. „Unseren Kindern ist der Anfang mit den großen Klassen, der fremden Sprache, den langen Schultagen und der Hitze von fast 40 Grad schwergefallen“, erzählt Pfarrerin Henriette Quapp-Wahl. „„Doch inzwischen haben sie Freunde gefunden und kommen auch sprachlich besser zurecht“, fügt sie hinzu. „Zu unserer großen Schule gehört auch ein Kindergarten, eine Vorschule für Kinder ab drei Jahren, die hier auch Englisch, Schreiben und Rechnen lernen“, erklärt Klassenlehrerin Savitha. Mehr als 40 Jungen und Mädchen gehören in ihre Gruppe, was enorme Konzentration von den Vorschülern erfordert. Die beiden jüngsten Töchter Josephine (3) und Pauline, die ihren sechsten Geburtstag in der Schule feierte, kommen jedenfalls singend nach Hause. Denn fröhlicher Gesang, Klatschen und Tanzen gehören zu den beliebtesten Beschäftigungen in den Vorschulgruppen. Schon im Kindergarten tragen die Kinder einheitliche Kleider. „Die Schulkleidung stiftet enorme Identität unter den Schülern und sie setzt dem inzwischen auch bei uns in Indien grassierenden Markenwahn enge Grenzen“, berichtet Dr. Monica Sadananda, die an der zweiten großen katholischen Schule in Mangalore unterrichtet. Auf dem Weg zur Schule ist die Familie Wahl einmal einem Tempelelefanten begegnet. Die Tiere werden von den Indern besonders verehrt. „Auf die heiligen Kühe treffen wir hier in der Stadt eher selten“, erzählt Pfarrer Harald Wahl, „auf den Landstraßen sind sie aber ständig unterwegs, dort haben sie bessere Weideflächen“. Er fügt hinzu: „Ganz gleich, ob Kühe oder Elefanten, die Tiere haben in jedem Fall Vorfahrt.“ Die Straßen in Mangalore sind geprägt von kleinen Läden mit dem Nötigsten für den Alltag, Obst und Gemüse, Gebäck, Taschenlampen für den häufigen Stromausfall, Tee und Milch. Auch kleine Handwerksläden bestimmen das Straßenbild: Schneider, Straßenverkäufer und Schuster findet man überall. Die Schuster reparieren die Schuhe sofort. Zudem sind sie auf die Reparatur von Schirmen spezialisiert, die im Sommer als Sonnenschirm und in der Regenzeit als Regenschutz ständig gebraucht werden. Auf dem Markt und abends nach Feierabend stehen Blumenverkäufer an jeder Ecke. Blumen haben in Indien eine wichtige Funktion: Sie sind nicht nur Schmuck für Mädchen und Frauen, sondern auch Dankopfer im hinduistischen Kult. Sie werden den Gottheiten zur Verehrung dargeboten. „Als ich das erste Mal nach Indien kam, hängte mir am Flughafen eine freundliche Inderin zur Begrüßung eine Blumenkette um den Hals – einfach so!“, erzählt Pfarrerin Henriette Quapp-Wahl begeistert. „Seitdem verbinde ich den herrlichen Duft von frischem Jasmin mit Indien.“

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