Ärztlicher Bereitschaftsdienst zentral am Kreiskrankenhaus

Testlauf für neues Modell erfolgreich

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Frankenberg - Hausärztliche Hilfe am „Feierabend“ gibt es seit dem Jahreswechsel nicht mehr in den Dörfern und Städtchen des Altkreises, sondern nur noch im Krankenhaus. Dort wurde gestern die Zentrale des ärztlichen Bereitschaftsdienstes eröffnet.

Was tun, wenn die Grippe im Verlauf eines Abends immer schlimmer wird? Wenn am Wochenende bei der Gartenarbeit ein kleinerer Unfall passiert? Den Rettungswagen über die Telefonnummer 112 zu rufen ist in vielen Fällen sicherlich zu viel. Bislang sorgten die Ärzte in den Kommunen selbst für eine Bereitschaft – so war zwar nicht unbedingt eine Versorgung durch den Hausarzt, wohl aber durch einen Arzt in unmittelbarerer Nähe gesichert. Diese Zeiten sind vorbei – in Hessen wird nach und nach der zentralisierte ärztliche Bereitschaftsdienst eingeführt und der Landkreis Waldeck-Frankenberg gibt sich als Vorreiter. Seit Jahresbeginn ist der Bereitschaftsdienst am Kreiskrankenhaus in Frankenberg stationiert. Gestern wurde die Zentrale offiziell eröffnet.

Krankenhaus-Geschäftsführer Christian Jostes zeigte sich erfreut, Gastgeber der künftig in der Zentrale arbeitenden Mediziner zu sein – wenn er betonte: „Ich bin hier nur der Vermieter.“ Mieter ist die Kassenärztliche Vereinigung Hessens (KVH), die den Bereitschaftsdienst im ganzen Land nach und nach auf neue Beine stellt. „Uns geht es um die langfristige Sicherstellung der ärztlichen Versorgung, auch durch niedergelassene Ärzte“; erklärte der Vorstandschef der KVH, Dr. Frank Dastych. Die Vereinigung habe erkannt, dass das bisherige Modell nicht mehr zeitgemäß sei und nur noch an ihm festgehalten werde, weil es nun einmal existiere. „Wir haben Strukturen erhalten, die Ärzte und ihre Familien belastet haben“, blickte er zurück.

Durch das zentrale Bereitschaftsmodell soll jeder niedergelassene Arzt weniger Wochenenddienste oder abendliche Bereitschaften absolvieren müssen. „Das war bislang ein Niederlassungshemmnis, gerade im ländlichen Bereich“, sagte Dastych, der seine Hoffnung ausdrückte, so wieder mehr junge Mediziner auf das Land locken zu können.

Frankenberg als Vorreiter

Frankenberg habe dabei eine Vorreiterrolle inne, erklärte Dastych. Der Altkreis sei einer der ersten, die das neue Modell umsetzten. „Und die ersten Reaktionen sind sehr positiv“, berichtete er von den vergangenen Wochenenden. Er dankte sowohl Jostes als auch Landrat Reinhard Kubat, die innerhalb weniger Wochen den Einzug der Zentrale ermöglicht hatten.

Kubat selbst lobte nach der teils heftigen Diskussion in der Politik wie den Kommunen des Altkreises die Bereitschaft der niedergelassenen Ärzte, sich auf das neue System einzulassen. Die Initiative ginge auf eine Ärztin aus dem oberen Edertal zurück, die dem Landrat geklagt hatte, sie könne mit der hohen Arbeitsbelastung nicht weiter praktizieren, erinnerte sich der Landrat. „Ich bin sicher, dass die Bevölkerung sich schnell an die zentrale Bereitschaft gewöhnt“, zeigte er sich zuversichtlich – und ermunterte dazu, die Einrichtung auch bei unklaren Beschwerden in Anspruch zu nehmen: „Wer ins Krankenhaus kommt, dem wird geholfen.“

Telefon 116 117 wählen

Einfach in die Zentrale im Krankenhaus zu kommen ist jedoch nicht möglich: Bei Beschwerden außerhalb der Öffnungszeiten des Hausarztes gilt es, die bundesweit gültige Telefonnummer 116 117 zu wählen. Die Anrufer der Region werden nach Kassel geleitet – und von dort an die örtlichen Zentralen verwiesen.

Dass das in den vergangenen Tagen noch mit kleineren Fehlern behaftet war, weiß der heimische Obmann der KV, Dr. Axel Schinke. So seien einige Postleitzahlen nicht erkannt worden, Frankenberger wurden nach Sachsen verwiesen – „aber das wurde umgehend behoben“, versichert er. Rund 30 bis 40 Patienten würden derzeit an einem Wochenende Gebrauch von dem ärztlichen Bereitschaftsdienst machen – und er rechnet mit mehr, wenn die Sportsaison wieder beginnt. „Wir haben ein EGK, einen Defibrillator, sind gerüstet für kleinere chirurgische Eingriffe, können im Krankenhaus röntgen und haben auch sonst sehr kurze Wege in die Klinik“, sagt Schinke.

Geöffnet hat die Zentrale am Kreiskrankenhaus wochentags von 20 bis 21 Uhr sowie an den Wochenenden von 10 bis 12 Uhr und von 16 bis 18 Uhr. Die wichtige Telefonnummer 116 117 hingegen ist stets von 19 bis 7 Uhr, ab Freitag durchgehend besetzt. Das von Frankenberg versorgte Gebiet erstreckt sich auf den Altkreis mit den südlichen Vöhler Ortsteilen, Lichtenfels, Rauschenberg und Wohratal im Nachbarkreis. (gl)

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