Burgwald

Teures Muss für sauberes Wasser

+

- Gemünden (gl). Bereits seit 1997 ist bei der Stadt Gemünden bekannt, dass die Kläranlage dringend saniert oder erneuert werden muss. Bis zum Jahresende müssen die Parlamentarier nun eine Entscheidung fällen. Eine neue Kläranlage würde voraussichtlich 3,3 Millionen Euro kosten

Es war im Frühjahr 1997, als das Amt für Boden und Wasser die Stadt Gemünden erstmals auf die grundsätzliche Sanierungsbedürftigkeit ihrer Kläranlage hingewiesen hat. Bis heute aber hat sich an dem Turm hinter dem Alpla-Werksgelände wenig getan. Noch immer verrichtet die Tropfkörper-Kläranlage von 1966 ihr Tagewerk – modernisiert wurden lediglich Verschleißteile. Vor einigen Jahren kamen immerhin zwei Schlammbehälter hinzu, in denen der Klärschlamm der Anlagen in der Kernstadt sowie in den Stadtteilen lagert.Spätestens seit Juni 1997 ist klar, dass die Kläranlage dringend modernisiert oder gar neu gebaut werden muss. Damals gab es eine Änderung der Abwasser-Einleitungserlaubnis mit der Auflage, bis zum 31. Dezember 2001 die Kläranlage grundlegend zu modernisieren. Bereits wenige Monate später war die Idee geboren, eine gemeinsame Kläranlage für Haina und Gemünden zu bauen. Die beiden Kommunen erhofften sich Fördergelder. Gefördert wird aber nur, wenn die sogenannten Einwohnergleichwerte erhöht werden, also die Zahl der angeschlossenen Haushalte und damit die Menge an eingeleitetem Abwasser.

Die Planungen sahen vor, die Gemündener Stadtteile Lehnhausen, Herbelhausen und Ellnrode mit an die Zentralkläranlage anzuschließen. „Aber Gemündens Kläranlage ist auf 4000 Einwohner ausgelegt, diese Marke hätten wir auch mit den drei Stadtteilen nicht überstiegen“, erinnert sich der damalige Bürgermeister Rainer Opper. Er sagt, die Förderfähigkeit des Projektes sei damit nicht gegeben gewesen. In Gemünden sei man damals dazu übergegangen, die drei betreffenden Stadtteile dezentral mit Kleinstkläranlagen auszustatten – die waren förderfähig.

Das Problem für die Kernstadt aber ist geblieben: „Uns trifft vor allem die nicht vorhandene Förderfähigkeit“, beklagt Gemündens Bürgermeister Frank Gleim auch heute. Er ist vertraglich dazu verpflichtet, bis Ende des Jahres eine politische Entscheidung zu einem möglichen Neubau vorzulegen. Deshalb möchte Gleim das Thema im August gleich in der ersten Sitzung des Parlaments nach der Sommerpause vorlegen. Nachdem bereits im Haushalt von 1998 Planungskosten in Höhe von 100 000 Mark veranschlagt worden waren, sollte rasch die Finanzierung gesichert werden. Es folgten Gespräche mit Ministerien, den Bürgermeistern, dem Kreis und dem damaligen CDU-Wirtschaftsminister Wilhelm Dietzel, als im Jahr 2000 durch den Bürgermeisterwechsel in Haina das Projekt ins Stocken geriet. Die Frage kam auf, ob eine gemeinsame Kläranlage wirtschaftlich tatsächlich am günstigsten wäre. Schließlich wäre der Bau einer Sammelleitung zwischen Haina und Gemünden nötig gewesen.

Schließlich errangen die Parteien einen Konsens, den die Stadt Gemünden und der Landkreis 2010 in einem Vergleichsvertrag besiegelten. Dieser schreibt der Stadt vor, bis Ende 2011 ein Sanierungs- und Neubaukonzept zu erstellen, einschließlich eines Haushaltskonzeptes und der Schaffung von Voraussetzungen für eine rasche Umsetzung. Die Stadtverordneten stimmten dem Vertrag damals einstimmig zu – auch nach der Kommunalwahl dürften sie also wissen, was noch in diesem Jahr auf sie zukommt. Was das finanziell für Gemünden bedeutet, darüber ist Bürgermeister Frank Gleim nicht glücklich: Etwa 3,3 Millionen Euro stehen auf dem Kostenvoranschlag – etwa ein Drittel der Summe, die ohnehin schon den Gemündener Haushalt belasten. Eigentlich würde die Kommunalaufsicht Projekte dieser Größe in Gemünden wohl nicht genehmigen. Doch der Landkreis ist Vertragspartner der Stadt und das Thema „Abwasser“ gilt als kommunale Pflichtaufgabe. Gleim sieht die Kläranlage daher als grundsätzlich genehmigungsfähig.

Die neue Kläranlage mit Belebungsbecken soll auf dem gleichen Gelände entstehen, auf dem auch bisher das Abwasser gereinigt wird. Es würde lediglich die Kernstadt angeschlossen, etwa 1200 Haushalte. Die Anlage ist nach den Planungen für 3250 Einwohner, Gewerbe und Landwirtschaft ausgelegt. Zudem sind Reserveflächen vorgesehen, falls eine Erweiterung durch neue gesetzliche Auflagen nötig wird. Noch ein Grund spricht für den Neubau einer Kläranlage: Wegen der alten Anlage darf Gemünden derzeit keine neuen Baugebiete aus­weisen.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Dienstag, 19. Juli

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare