Kino in Frankenberg

Thalia schreibt digitale Filmgeschichte

+

Frankenberg - Kino ist Kultur, für viele Menschen sogar ein Stück Lebensgeschichte - für Wilhelm Ortwein ist Kino Familiengeschichte. Sein Großvater eröffnete 1919 das erste Filmtheater in Frankenberg. Dieses Stück Geschichte will Ortwein erhalten und fortführen - mit moderner Technik.

„Das wird eine ganz tolle Sache“, sagt Wilhelm Ortwein. Er ist ein bisschen nervös und sehr gespannt: Techniker arbeiten seit Dienstag in seinem Kino. Sie rüsten die Filmtechnik um, denn bisher zeigte Ortwein im Thalia-Kino nur analoge Filme. Am Donnerstag wird der erste digitale Film im Frankenberger Kino zu sehen sein. Und die Umrüstung wird zu einem besonderen Termin fertig: Dann ist Deutschlandpremiere des lange erwarteten Films „Die Tribute von Panem - Catching Fire“. Um 19.45 Uhr feiert das Thalia-Kino seine eigene kleine Premiere mit dieser Fantasy-Verfilmung.

Doch so klein ist die Premiere für Ortwein nicht. Er hat eine fünfstellige Summe investiert, um den großen Kinosaal auf die modernste Technik am Markt umzurüsten. „Wir haben das schon länger geplant“, berichtet er. Die Entscheidung fiel dann im vergangenen Jahr bei dem Film-Theaterkongress in Baden-Baden. Eine neue Technik wurde vorgestellt, die günstiger ist, als die bisherigen Geräte für digitales Kino. „Wir haben dann mit der Umrüstung auf diese Technik gewartet.“

Vor etwa acht Jahren hielt die Digital-Technik Einzug in die Kinos. Ortwein blieb bei analogen Abspielgeräten. „Die ersten digitalen Projektoren waren sehr groß und sehr teuer“, erklärt er. Auf altem Stand sei die Technik im „Thalia“ jedoch nicht geblieben: Die Projektoren aus dem Jahr 1987 nach dem Umbau (siehe Kasten) seien immer wieder aufgerüstet oder ausgetauscht, die Tontechnik auf Digitalton bis hin zu Dolby Digital umgerüstet worden.

Jetzt sei der richtige Zeitpunkt für den digitalen Film gekommen: „Die Auswahl für unser Kinoprogramm war eingeschränkt, weil es nicht alle Filme analog im Verleih gab“, erklärt er. Zum Kino-Winter kann er nun sämtliche anstehende Blockbuster wie „Der kleine Hobbit“, „Buddy“ oder „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ zeigen.

Zudem habe „Thalia“ bereits jetzt immer mehr Besucher: „Viele Besucher gehen nicht mehr gerne in Multiplex-Kinos, sondern in die Programmkinos“, sagt Ortwein. Das Ambiente und der Wohlfühl-Faktor seien viel höher. „Den Trend spüren wir und das war für uns ein Ansporn, zu investieren.“ Denn er und seine Ehefrau Jutta wollen das Kino für Frankenberg erhalten.

„Kino ist ein Stück Kulturgut und so ein Ort wie Frankenberg, den ich sehr liebe, ist es wert, ein Kino zu haben“. Ortwein liebt es, wenn Kinder mit strahlenden Augen aus dem Kinosaal kommen, oder wenn Besucher nach dem Film im Foyer stehen und über ihre Eindrücke sprechen, ganz verschiedene Meinungen haben. „Das ist ein Stück vom Leben, dass sich hier abspielt.“ Sein Leben hat sich zu großen Teilen im Kino abgespielt und noch heute ist er mit Herzblut dabei.

Mit 14 Jahren hat der heute 58-Jährige die ersten Filme im Kino abgespielt. Jeder Handgriff sitzt, wenn er die etwa fünf Kilometer langen Filmrollen zusammenklebt, aufspult und in den Projektor einfädelt. Für die Vorführungen in den beiden kleinen Sälen wird er das künftig weiterhin machen - beim neuen digitalen Projektor hingegen arbeitet er am Computer. Geklebt wird dort nichts mehr, denn der Film kommt auf einer Festplatte. „Das ist für mich auch eine Umstellung“, sagt er mit einem Lächeln. „Aber das lerne ich schon.“

Mit der Unterstützung seiner Ehefrau und der Angestellten will Ortwein die Stärken eines kleinen Familienkinos ausspielen und auf die Wünsche der Besucher eingehen: „Durch die digitale Technik bekommen wir auch Filmkopien, die für Schulklassen interessant sind - auch in Fremdsprachen“, erklärt er. Kindergeburtstage oder ein Brunch im Kino richte das Team gerne aus.

„Wir wollen das Kino einfach erhalten und haben einen sehr großen Spaß an unserer Arbeit.“ Den hatte Ortwein schon als Kind, als Stars wie Hardy Krüger oder Michael Kramer ins „Thalia“ kamen, um ihre Filme zu präsentieren. „Das war ein Gefühl, am Nabel der Welt zu sein.“ Mit den großen Kinofilmen, besonderen Aktionen und Besuchen von Regisseuren will Ortwein auch in Zukunft etwas von diesem kulturellen Stück Lebensgeschichte in Frankenberg erhalten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare