Frankenberg

Theater-AG feiert Premiere: Süße Transe lässt die Puppen tanzen

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- Frankenberg (jos). Die Theater-AG der Edertalschule hat am Mittwoch Premiere gefeiert mit "Rocky rocks Frankenstein". Durch die Paarung des Kultmusicals mit dem Horror-Roman entsteht eine mörderisch gute Show mit komödiantischer Brillanz und viel Sex-Appeal.

Die Theater-AG-Produktion „Rocky rocks Frankenstein“ spielt in zwei Welten: Auf der einen Bühnenseite verwandeln die Gymnasiasten das Schreufaer Dampfmaschinenmuseum in ein Tollhaus, in dem die süße Transe Frank die Puppen tanzen lässt. Auf der anderen Seite doktert Victor Frankenstein in seinem düsteren Laboratorium so lange an Metzgereiabfällen und anderen Dingen herum, bis er einen Menschen erschafft.

Das Bindeglied zwischen den beiden Geschichten ist Dr. Scott, der als Zeitreisender von der einen Ebene in die andere springt. Diese zentrale Rolle spielt Carolin Traute-Breidenbach mit unnachahmlicher Coolness, die sie auch beim Singen des „Time Warps“ an den Tag legt. Wenngleich Regisseur Paul Möllers Wert darauf legt, mit der Produktion kein Musical auf die Bühne zu bringen, so ist es doch bemerkenswert, wie stark einige der Schauspieler als Sänger auftreten.

Allen voran zu nennen ist da Johannes Böhl als Frank-N-Furter: Den Song „Sweet Transvestite“ („Süße Transe“) interpretiert der Edertalschüler genauso authentisch, wie er seine Rolle ausfüllt. In schrillem Kostüm, mit struppiger Mähne und extra dickem Lippenstift lässt Böhl genüsslich kokettierend die Sau raus und wickelt mit seiner unwiderstehlichen Verführungskunst Bühnenfiguren und Publikum gleichermaßen um den kleinen Finger. Eine Spitzen-Parodie.

Gleich mehrfach besetzt sind die Rollen von Frankenstein und seiner Verlobten Elisabeth – ein immer wiederkehrendes Element bei Theater-AG-Inszenierungen. Hintergrund für diesen Kniff: Es gibt einfach recht viele Edertalschüler, die Theater spielen wollen – und können.

„Eine neue Menschengattung wird entstehen und mich als ihren Schöpfer preisen“, sagt Victor Frankenstein. Und auch Frank-N-Furter fummelt heftig mit Spritzen und anderen Dingen an seiner noch nicht ganz vollendeten neuen Schöpfung Rocky herum. Fragt sich, wer von den beiden wohl die schlimmere Kreatur erschaffen wird...

Frankenstein jedenfalls ist mit seinem Ergebnis nicht zufrieden: „Eine wieder zum Leben erweckte Mumie könnte nicht schlimmer sein als dieses Monster.“ Und dann entpuppt sich die traurige Kreatur („Überall erzeugt mein Anblick Ekel und Hass“) auch noch als unkontrollierbarer Massenmörder, der die Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Als furchtbar unmoralisch empfindet das verklemmte Pärchen Janet und Brad die Hausparty bei Frank, auf der die beiden bei der verzweifelten Suche nach einem Telefon landen. Ist Frank eigentlich ein Monster? „Er hat eine sexuelle Schieflage“, stellt Dr. Scott nüchtern fest – und das Publikum merkt schnell, was gemeint ist.

Während Janet und Brad ihre Liebe mit Komplimenten wie „Du hast so tolle Nasenflügel“ zum Ausdruck bringen, geht es bei Frank und seinen diversen Gespielinnen in Strapsen auch verbal eindeutig-zweideutig zu. Für viele Lacher im Publikum etwa sorgt ein Gespräch über das „Bügeln“, „Sahneschnitten“ und „große intensive Geräte, die sich bewegen“. Schließlich lässt sich das Spießer-Pärchen Janet und Brad von Frank verführen und läuft zu sexueller Hochform auf – wobei die Edertalschüler Mut zur Freizügigkeit beweisen.

Franks Schöpfung Rocky gelingt genauso wenig wie Frankensteins Kreatur. Nachdem Rocky auch noch mit Janet in der Kiste landet, ist Frank stinksauer. Ein Happy End deutet sich dann kurzzeitig an, als Dr. Scott feststellt: „Brad und Janet haben sich aus den Verwerfungen des unsittlichen Lebens befreien können.“ Doch bei Frankensteins kündigt das Monster Rache an, weil Victor ihm nicht wie versprochen eine Gefährtin erschaffen hat.

Das Stück endet mit einer Doppelhochzeit, die erwartungsgemäß nicht ohne Zwischenfälle abläuft. Bevor das Premierenpublikum nach Hause fährt, gibt es noch einen Nachschlag in Sachen Strapse: Zum Schlussapplaus kommt Regisseur Paul Möllers auf die Bühne und zeigt anhand seines rechten Beins, wie sehr er das Stück verinnerlicht hat. Vorher schon lässt auch Dr. Scott die Hüllen fallen. Carolin Traute-Breidenbach zeigt, dass sie zwei außergewöhnliche Talente besitzt. Vor wenigen Tagen noch hat sie als Konzertmeisterin auf der Orchesterbühne gesessen, nun überzeugt sie in einer tragenden Rolle auf der Theater-AG-Bühne. Neben ihr und Johannes Böhl herausragend aus einer beachtlichen Mannschaftsleistung sind die schaupielerischen Qualitäten von Polina Mantaj und Micha Elsebach, die als kongeniales Duo das Pärchen Janet und Brad spielen. Als einer von fünf Frankensteins sticht Jannik Schwebel hervor. Lob gebührt neben sämtlichen Akteuren auch den Technikern.

Weitere Aufführungen sind am Freitag, Samstag und Sonntag jeweils ab 20 Uhr im Dampfmaschinenmuseum bei Schreufa. Freitag und Samstag ist fast ausverkauft, für Sonntag gibt es noch Karten.

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