Frankenau

Thorsten Hoyer hat einen der „Seven Summits“ bestiegen

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- Der Blick ist es wert: Auf dem „Dach Europas“ zu stehen und auf die Gipfel des Kaukasus' zu blicken, auch wenn es nur zehn Minuten sind – dafür nehmen Menschen wie Thorsten Hoyer einige Strapazen auf sich. Der Frankenauer hat den aus Bergsteiger-Sicht höchsten Berg Europas, den Elbrus an der eurasischen Grenze, erklommen, und zwar fast auf den Tag genau 180 Jahre nach der Erstbesteigung am 22. Juli 1829.

Mit einem Team aus sechs weiteren Bergsteigern und zwei Bergführern hat er sich Ende Juli auf den Weg gemacht. Doch zuvor gilt es, zahlreiche Genehmigungen und Dokumente einzuholen. „Mein Pass war nachher eine richtige Zettelwirtschaft“, berichtet Hoyer. Doch sein Bergführer ist gut informiert und weiß, wo er die Genehmigungen bekommt. Ein Teil jedes Anstiegs wird zweimal gemacht: Beim ersten Mal errichten die Kletterer ein Lager, in dem sie die notwendigen Dinge für den nächsten Tag deponieren, und steigen dann wieder ab, um sich langsam an die dünne Luft zu gewöhnen und in der sauerstoffreicheren Region zu schlafen. „Es ist sehr wichtig, sich viel Zeit zu nehmen, damit man sich gut akklimatisieren kann“, sagt Thorsten Hoyer. Denn wer beim Aufstieg hetzt, läuft Gefahr, wegen der Höhenkrankheit gar nicht zum Gipfel aufsteigen zu können. Das Basis-Camp auf 2600 Metern erreichen die Bergsteiger mit einem Allrad-Lastwagen über abenteuerliche Straßen. Noch am selben Tag richtete das Team das erste Lager auf 3200 Metern Höhe ein und steigt dann wieder ab zum Base-Camp.

Nach einigen Tagen mit unvorhersehbaren Wetterkapriolen, die den Zeitplan durcheinander bringen, sind die neun Bergsteiger auf dem Weg zum nächsten Lager. Unterwegs treffen sie auf einen einzelnen Bergsteiger, der auf ein großes Spaltengebiet zuhält. Nur durch laute Rufe können sie den Mann davon abhalten, in die nur etwa 100 Meter entfernten Gletscherspalten zu laufen. Der Russe steht völlig neben sich, und schnell finden die Bergsteiger heraus, warum: Einen Tag zuvor hat er seine Kletterkameraden bei schlechtem Wetter nur etwa 200 Meter unterhalb des Gipfels verloren. Er hat die Nacht ungeschützt in einer Felsspalte und ohne Verpflegung verbracht. „Er war völlig dehydriert und verwirrt“, berichtet Hoyer. Das Team versorgt ihn mit heißem Tee, nimmt ihn ans Seil und bringt ihn sicher ein Stück den Berg hinunter. Die russische Expedition, zu der er gehörte, beobachtet das Geschehen mit dem Fernglas von ihrem Lager aus. Zwei Bergsteiger kommen dem Trupp entgegen und holen ihren Kameraden ab.

An einen tiefen Schlaf kann Hoyer in der Nacht vor dem Gipfelanstieg auf 4600 Metern kaum denken. Da macht es nichts, dass diee um 3.30 Uhr vorbei ist: Bei minus zehn Grad schälen sich die Männer und Frauen aus den Schlafsäcken, schmelzen Schnee zum Teekochen und bereiten sich auf den letzten Aufstieg vor. Und um 11.10 Uhr steht Thorsten Hoyer auf dem 5621 Meter hohen Ostgipfel. „Das Gefühl ist unbeschreiblich“, sagt Hoyer und versucht es dann doch: „Erstmal ist man fürchterlich froh, dass man oben ist.“ Doch egal, wie majestätisch der Blick, wie groß Erleichterung und Freude auch sind: Der Abstieg erfordert Konzentration. Deshalb machen sich die Bergsteiger schon nach zehn Minuten wieder auf den Weg nach unten: Mehr als 1800 Meter legen sie noch am selben Tag zurück, tags darauf folgt der Abstieg zum Basiscamp. „Wirklich geschafft hat man es erst, wenn man wieder unten ist“, betont der Frankenauer. Das merkt er selbst auch: Als er abrutscht, durchschneidet das Steigeisen seine Gamaschen und seine Hosen. Sein Bein bleibt zum Glück unverletzt.

Der Elbrus war der erste des „Seven Summits“ für Hoyer – aber möglicherweise nicht der letzte. „Es gibt da schon gewisse Pläne...“ (apa)

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