Gemünden

Thursar nimmt Abschied von „seiner“ Schule

- Gemünden (jos). „Es ist ein Abschied, der mir nicht leicht fällt“, sagte Rainer Thursar als letzter Redner bei seiner feierlichen Pensionierung. Schon zuvor war der scheidende Leiter der Cornelia-Funke-Schule bei vielen Beiträgen zu Tränen gerührt.

Es war eine würdige Abschiedsfeier für einen Mann, der über Jahrzehnte die pädagogische Arbeit an der Gemündener Grund-, Haupt- und Realschule geprägt hat und sich darüberhinaus auch in zahlreichen weiteren Bereichen wie etwa der (städtischen) Jugendarbeit engagiert hat. Mehr als zwei Stunden lang gab es am Donnerstag Mittag im Gemündener Bürgerhaus keine Gruß-, sondern nur „Dankworte“. „Das ist gelungen“ Den Anfang machte Konrektorin Adelheid Lay. Sie erinnerte an die Wünsche, die Thursar bei seiner Einführung als Schulleiter mit auf den Weg gegeben worden waren. Visionen für eine Schule, in der lebendig, schülerorientiert und erfolgreich gearbeitet wird, waren Thursar seinerzeit gewünscht worden. Auch außerschulische Partner sollten eingebunden werden. „Das ist gelungen“, resümierte Lay. Und auch der Wunsch nach einer guten Ausstattung der Schule sei in Erfüllung gegangen. „Ich hoffe, mit den heutigen Wünschen geht es auch so“, sagte Lay. Nach einer Einlage der Musikgruppen und des Chores der Schule unter der Leitung von Elke Thursar-Eichelbeck übernahm Uta Opper-Fiedler als Vertreterin des Fritzlarer Schulamts die offizielle Pensionierung. Der Einladung zur feierlichen Verabschiedung sei sie mit „zwiespältigen Gefühlen“ gefolgt, sagte Opper-Fiedler – „gerne, aber auch mit Wehmut“. Als Pädagoge und als Schulverwalter habe Thursar 37 Jahre lang seinen Dienst verrichtet, erklärte die Schulamts-Direktorin und ging auf den beruflichen Werdegang des scheidenden Schulleiters ein: Nach dem Referendariat in Herleshausen wechselte Thursar Anfang 1974 an die Grund- und Hauptschule nach Allendorf/Eder. Nur ein halbes Jahr später kam der Pädagoge zum Schuljahresbeginn 1974/75 an die damalige Mittelpunktschule nach Gemünden. Bereits ab 1979 arbeitete Thursar dort als zweiter Konrektor in der Schulleitung mit. Ab 1988 erfüllte er die Aufgaben des stellvertretenden Schulleiters, zu diesem ernannt wurde der Pädagoge im Jahr 1994. Ab Herbst 2001 war Thursar Schulleiter. In den Jahren bis zu seiner gestrigen Pensionierung habe der Rektor zahlreiche Schwerpunkte gesetzt. So lobte Opper-Fiedler unter anderem Thursars Einsatz für das offene Ganztagesangebot und den damit verbunden Umbau, sein Engagement um die langfristige Standortsicherung sowie seine Arbeit am Schulprofil. Dank an Lay und Mandel Die Schulamts-Direktorin dankte allerdings auch dem Team, das in den vergangenen Monaten durch Thursars krankheitsbedingte Abwesenheit die Schulleitung übernommen hatte und richtete sich namentlich an die Konrektoren Adelheid Lay und Thomas Mandel. Die beiden müssten die Aufgaben wohl noch eine Weile weiter übernehmen. „Ich kann Ihnen noch keinen Nachfolger präsentieren“, sagte die Schulamts-Direktorin. Die Stelle sei allerdings ausgeschrieben. „Ich hoffe, wir können sie in Kooperation mit dem derzeitigen Team schnell besetzen“, erklärte Opper-Fiedler, bat allerdings gleichzeitig: „Sie müssen sicher noch ein bisschen Geduld haben.“ Für den Landkreis als Schulträger dankte Kreisbeigeordneter Otto Wilke für Thursars Engagement und rief dem neuen Pensionär zu: „Ihre Forderungen waren für den Landkreis nicht immer billig, aber das Geld ist in Gemünden gut angelegt.“ In den vergangenen fünf Jahren seien rund 2,5 Millionen Euro in die Cornelia-Funke-Schule investiert worden. Gemündens Bürgermeister Frank Gleim ging darauf ein, dass Rainer Thursar stets von „seiner Schule“ gesprochen habe. Das sei keinesfalls egoistisch gewesen, sondern habe lediglich die Verbundenheit des Rektors mit der Schule zum Ausdruck gebracht. „Gemünden ist froh, stolz und dankbar, einen solchen Kapitän an Bord der Schule gehabt zu haben“, sagte der Rathauschef und schloss auch seine Amtskollegen aus Rosenthal, Haina und Frankenau in den Dank mit ein. Gleims Vorgänger Rainer Opper fand persönliche Worte für Rainer Thursar und hob unter anderem dessen Verdienste um die städtische Jugendarbeit hervor. Stellvertretend für etliche weitere Schulleiter-Kollegen aus der Umgebung dankte Winfried Deichsel, Rektor des Frankenberger Gymnasiums, für die gute Zusammenarbeit. Persönliche Worte des Dankes fanden auch die Pfarrer Hermann Noll aus Gemünden und Hilmar Jung aus Grüsen. „Viel für Schule erreicht“ Elternbeirats-Chef Udo Mattheis betonte: „Durch die konstruktive Zusammenarbeit haben wir viel für die Schule erreicht.“ Für den Förderverein bedankte sich dessen Vorsitzender Michael Klinge bei dem scheidenden Schulleiter. Zwischen den vielen Worten des Dankes sorgten immer wieder Schüler in verschiedenen Ensembles für den musikalischen Rahmen. Das Lehrerkollegium hängte Bilder an einen Baum, die verschiedene von Thursar unterstützte und ermöglichte Projekte symbolisierten – das Themenspektrum reichte dabei von Umbau und Fassadengestaltung bis zur Ausstattung der Fachräume und zur Einrichtung einer Klasse, in der alle Schüler ein Instrument erlernen. Thursar gibt Dank zurück Zum Schluss ging Thursar selber ans Mikrofon – und gab sehr viel Dank zurück an seine Mitstreiter. Ob Lehrerkollegen, Eltern, Pfarrer, Bürgermeister, Schulamts-Direktorin, Hausmeister oder Sekretärinnen: Viele redete der scheidende Schulleiter direkt an und fand für sie persönliche Abschiedsworte. Als erstes aber nannte Thursar seine Frau Anita: „Ohne dich hätte ich meinen beruflichen Werdegang nicht realisieren können.“ Der Abschied falle schwer, gerne hätte er noch drei Jahre weiter gearbeitet, bis zum 65. Geburtstag, sagte Thursar. Doch seine Krankheit lasse es nicht zu. Bevor sich alle von ihren Plätzen erhoben und laut und lange klatschten, sagte Rainer Thursar: „Alles Gute meiner Schule, meinen Lehrern, den Eltern und Schülern.“

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