Markus-Passion in der Liebfrauenkirche

Ein Tiefgehendes und rührendes Konzert

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Frankenberg - Den Leidensweg Christi musikalisch dargeboten: Die Markus-Passion, vorgetragen von der Kantorei der Liebfrauenkirche, hat das Publikum am Wochenende begeistert.

Einen Spannungsbogen aus Wut, Angst und Verzweiflung, aber auch aus Zuversicht und Trost transportierten die Klänge der Markus-Passion scheinbar mühelos. Zur einfallenden Abendsonne und unter der Leitung von Kantor Daniel Gárdonyi brachte die Kantorei der Frankenberger Liebfrauenkirche gemeinsam mit dem Barockorchester „La Visione“ und Solisten die Markus-Passion von Reinhard Keiser, einem Zeitgenossen Johann Sebastian Bachs, am frühen Abend des Palmsonntags zur Aufführung.Gebannt folgten die Zuschauer der Vertonung der Leidensgeschichte Jesu, basierend auf dem Passionstext des Markusevangeliums. In verteilten Rollen trugen die Solisten lebendig das Geschehen um die Keuzigung Jesu vor. Tenor Aljoscha Lennert übernahm den Part des Evangelisten. Er „erzählte“ die Handlung und führte das Publikum durch das Geschehen um das Leiden und Sterben Jesu. Ihm assistierten der Tenor Florian Brauer als Petrus und die Sopranistin Marion Clausen als Magd. Thomas Wiegand, Bass, sang eindrücklich die Jesus-Worte und die Altistin Lena Naumann überzeugte in Hohepriester und auch als Judas. In der Rolle des Volkes brillierte die Kantorei. Klanggewaltig und ausdrucksstark ertönte das „Kreuzige ihn!“ durch das Kirchenschiff und ließ den Aufruhr erahnen, der um den Palast des Pilatus geherrscht haben mag.

Arien lockern Handlung auf

Aufgelockert wurde die Markuspassion durch freie Dichtung, die als Arien in die Handlung eingepasst waren. So beschrieb die Sopran-Arie „Hat dich die Angst betreten“, gefühlvoll vorgetragen von Marion Clausen, die Angst Jesu und seine Zuflucht im Gebet. Die Arie „Wein‘, ach wein‘ jetzt um die Wette, meiner beiden Augen Bach!“, eindrücklich präsentiert von Florian Brauer, gab der Verzweiflung des Petrus Raum. Im Kreuzigungsgeschehen angesiedelt war die Arie „O süßes Kreuz, o Baum des Lebens“, die Thomas Wiegand hoffnungsvoll und überzeugend präsentierte. Fassungslosigkeit und Bestürzung über das Geschehene kam in der Arie für die Altstimme, vorgetragen von Lena Naumann, zum Ausdruck: „Was seh‘ ich hier, ist das mein 
Auserwählter?“. Als weitere Momente der Handlungsvertiefung dienten die verschiedenen Choräle, die die Kantorei gewohnt überzeugend darbot. So erklangen vielstimmig unter anderem „Was mein Gott will, das g‘scheh allzeit“, „O hilf, Christe, Gottes Sohn, durch dein bittres Leiden“ und das bekannte „Wenn ich einmal soll scheiden, so steh Herr Christ bei mir“. Das hochangesehene Barockorchester „La Visione“ unter der Leitung der Konzertmeisterin Isabel Schau überzeugte in der dezenten Begleitung der Arien, Rezitativen und Chorstücken. Das meisterliche Können des Orchesters kam jedoch erst in den Sinfonieteilen umfassend zum Ausdruck. Sie ließen zarte, leise Töne zur Vierung emporschweben, genauso wie sie anderen Stellen – und nachdem die Instrumente neu gestimmt waren – kraftvoll und lebendig zu hören waren. Großer Dank galt dem kurzfristig eingesprungenen Cellisten Michael Corßen aus Hannover, der die verletzte Cellistin Anne Sabin eindrucksvoll vertrat. Noch ganz unter dem Eindruck des Konzertes stehend, fasste Besucherin Erika Stahl aus Willersdorf ihre Empfindungen zusammen: „Ein tiefgehendes, berührendes Konzert mit hervorragenden Solisten!“„Ich bin überrascht von den hohen Leistungen der Kantorei und bin beeindruckt von der Vielfalt der musikalischen Bauelemente, besonders das allgegenwärtige Cello ist mir positiv aufgefallen,“ äußerte sich ein Chorleiter aus dem Marburger Raum, der seinen Namen für sich behielt.

Von Gerlinde Himmelmann

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