„Total unproblematisch“: Frankenbergerin lebt trotz Behinderung ein ganz normales Leben

Hat immer ein Lächeln für die Gäste: Nadine Heinemann arbeitet gerne im Tagungs- und Freizeithaus der Lebenshilfe im Frankenauer Hof. Foto: Daum

Frankenau. Diese Woche Donnerstag wird der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung gefeiert. Wie normal das Leben als behinderter Mensch sein kann, zeigte Nadine Heinemann aus Frankenberg der HNA.

Die 35-Jährige arbeitet im Tagungs- und Freizeithaus der Lebenshilfe in Frankenau.

Ein einziges Mal, und das auch nur für drei Wochen, hat Nadine Heinemann den Arbeitsplatz gewechselt. Die 35-Jährige aus Frankenberg, die beim Lebenshilfe-Werk in Frankenau arbeitet, absolvierte vor drei Jahren ein Praktikum in einem kleinen Lebensmittelgeschäft - da war sie bereits in Frankenau beschäftigt. „Ich wollte ausprobieren, ob mir der Job in dem Laden auch gefällt und ob ich mich dort noch wohler fühle als in Frankenau. Ursprünglich komme ich ja auch aus dem Einzelhandel. Es war sehr nett von der Lebenshilfe, dass ich damals die Chance erhalten habe, das Praktikum zu machen“, sagt die gebürtige Herzbergerin (Harz), die seit ihrer Geburt an Epilepsie leidet.

Nadine Heinemann merkte schnell, dass ihr die Arbeit im Frankenauer Hof fehlte. Noch vor dem offiziellen Ende des sechswöchigen Praktikums erlitt sie einen epileptischen Anfall. „Ich war einfach unzufrieden mit der Arbeit im Laden und wollte unbedingt wieder nach Frankenau zurück. Diese Gefühlslage hat hauptsächlich zu dem Anfall beigetragen“, erzählt die 35-Jährige. Heute strahlt sie, wenn sie von ihrer Arbeit in dem Tagungs- und Freizeithaus der Lebenshilfe berichtet.

„Wir sind hier zehn Mitarbeiter und jeder kann viele unterschiedliche Arbeiten erledigen. Morgens bei der Frühbesprechung werden die Aufgaben verteilt“, sagt Nadine Heinemann. Die 35-Jährige richtet unter anderem Zimmer für die Tagungsgäste her, arbeitet im gastronomischen Service oder in der Küche und ist auch für die Sauberkeit im Haus verantwortlich. Ihre Epilepsie behindert sie dabei so gut wie gar nicht. „Natürlich bekomme ich weiter Anfälle, die halten sich aber in Grenzen. Ein bis zwei Mal im Monat kann das vorkommen“, sagt die 35-Jährige. Sie sei an dem Tag dann nicht mehr in der Lage zu arbeiten. „Die Anfälle, die oft in Verbindung mit schlechter Stimmung, Anspannung oder Ärger stehen, gehen auf die Muskeln und schlagen auch aufs Gemüt. Am darauffolgenden Tag bin ich aber meistens wieder fit und kann meiner Arbeit nachgehen.“

Wenn Nadine Heinemann trotzdem noch etwas Hilfe braucht, um zurück in den gewohnten Arbeitsalltag zu kommen, erhält sie Unterstützung von Kollegen oder Vorgesetzten. „Wir sind ein tolles Team, daher macht mir die Arbeit auch so viel Spaß.“

Weil Nadine Heinemann wegen ihrer Epilepsie kein Auto fahren darf, wird sie täglich mit den Johannitern zur Arbeit und auch wieder zurück in ihre Wohnung nach Frankenberg gebracht. Hat sie Wochenend-Dienst, fährt sie mit dem Taxi. „Das ist alles total unproblematisch“, sagt sie.

Die 35-Jährige lebt in Frankenberg ein ganz normales Leben - zusammen mit ihrem Mann Marc, der auch an Epilepsie leidet. „Wir unternehmen gerne etwas zusammen, gehen shoppen oder setzen uns in Cafés, um zu quatschen. „Wir genießen das Leben“, sagt Nadine Heinemann.

Was den Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung ausmacht und was der Bundesverband der Lebenshilfe für die Verbesserung des Alltags von behinderten Menschen fordert, lesen Sie in der gedruckten Donnerstagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine

Quelle: HNA

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