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Trockenheit: Zahlreiche Quellen im Burgwald versiegt

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Von: Martina Biedenbach

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Da plätschert nichts mehr. Aufgrund der seit Jahren anhaltenden Trockenheit im Burgwald sind mehrere Quellen ausgetrocknet, wie hier der Winterborn südwestlich von Roda. Trocken geworden ist auch das Torfmoos im sonst eigentlich feuchten Umfeld des Borns, das Forstamtsleiter Eberhard Leicht in der Hand hält.
Da plätschert nichts mehr. Aufgrund der seit Jahren anhaltenden Trockenheit im Burgwald sind mehrere Quellen ausgetrocknet, wie hier der Winterborn südwestlich von Roda. Trocken geworden ist auch das Torfmoos im sonst eigentlich feuchten Umfeld des Borns, das Forstamtsleiter Eberhard Leicht in der Hand hält. © Martina Biedenbach

Die langanhaltende Trockenheit hat dramatische Auswirkungen, insbesondere auf den Wald. Im Burgwald zum Beispiel versiegen Quellen, leiden die Bäume und drohen Moorflächen auszutrocknen.

Burgwald – Die vielen heißen und trockenen Sommer in Folge bereiten Eberhard Leicht, dem Leiter des Forstamtes Burgwald, immer mehr Sorgen. Einige Folgen können auch Laien sehen: bereits gelb gefärbte Laubbäume, abgestorbenen Fichten, ausgetrocknete Teiche.

„Seit 1965 ist der Grundwasserspiegel im Burgwald um zwei Meter gesunken“, sagt der Forstmann. Er hat die Daten, die seit 1965 an der Messstelle bei Bracht im Zentrum des Burgwalds erhoben werden, in einer Grafik zusammengefasst. „Jahreszeitlich bedingt, gibt es zahlreiche Schwankungen nach unten und oben. Aber: Die Trendlinie zeigt deutlich nach unten“, fasst er zusammen. „Eine beträchtliche Zahl von Quellen ist in den vergangenen Jahren im Burgwald versiegt, auch ein Indiz dafür, dass oberflächennah weniger Wasser zur Verfügung steht“, schildert er weiter.

„Es gibt leider viel zu wenige Grundwasser-Messstellen im Burgwald“, bedauert er. Diese Messungen werden im Auftrag des Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie vorgenommen. Mehr Messstellen könnten detaillierte Erkenntnisse bringen, insbesondere auch, was die Entwicklung der Moorflächen angeht, deren Erhalt für den Klimaschutz enorme Bedeutung hat.

Sommer 2022: Im Teich im Naturschutzgebiet Franzosenwiesen, einem moorigen Areal im Burgwald,  im Burgwald ist derzeit kein Wasser mehr.
Sommer 2022: Im Teich im Naturschutzgebiet Franzosenwiesen im Burgwald, einem der moorigen Areal, ist derzeit kein Wasser mehr. © Biedenbach, Martina

Trockenheit im Burgwald: Bäume im Stress

Der anhaltende Wassermangel und die hohen Temperaturen bedeuten einen großen Trockenstress für Bäume. Dabei spielt vor allem die starke Austrocknung der Böden eine Rolle. „Sie ist für das Baumwachstum bedeutender als sinkende Grundwasserstände, wenngleich es auch kapillaren Aufstieg von Grundwasser in die Böden gibt“, sagt Leicht.

Der Trockenstress der Bäume wird seinen Angaben nach in vielerlei Gestalt sichtbar: Die Blätter rollen sich zusammen, um Transpiration zu verringern. Sie verfärben sich vorzeitig und werden vorzeitig abgeworfen. Einige Baumarten, wie Eichen oder Pappeln, werfen ganze Zweige ab. Kleine Zweige am Kronenrand und in der Spitze vertrocknen, Bäume produzieren viele Früchte, die aber oft sehr klein sind.

Die allgemeine Vitalitätsschwächung führt zu erhöhter Anfälligkeit gegenüber Borkenkäfern oder Pilzen. Im Burgwald sind durch Borkenkäfer und Stürme seit 2018 sage und schreibe 1500 Hektar Wald – 1875 Fußballfelder – verloren gegangen.

Sorgen machen sich die Forstleute auch um die Buchen, vor allem um die über 100-jährigen. „Starke Sonneneinstrahlung schädigt die Baumrinde und anschließender Pilzbefall führt zum Absterben auch starker Äste in einer nie dagewesenen Rasanz“, sagt Leicht.

Trockenheit im Burgwald: Düstere Prognose für die Fichten

„Wir sind noch nicht am Ende der Entwicklung angelangt“, macht der Forstamtleiter deutlich. „Viele Waldbestände sind stark destabilisiert, sind löchrig geworden, angerissen und nun in besonderem Maße der Sonne und dem Wind ausgesetzt. Es ist schwer zu sagen, wie viel Waldfläche noch verloren gehen wird. Mit einiger Sicherheit würde ich aber behaupten, dass von den älteren Fichtenbeständen, die jetzt schon größere Löcher aufweisen, in zehn Jahren nichts mehr übrig sein wird.“

„Es wird eine Herkulesaufgabe sein, hier einen neuen, klimaangepassten Wald entstehen zu lassen“, sagt Leicht. Bei der Begründung von neuem Wald ist die Trockenheit der Böden das Haupthindernis. Viele gesetzte Jungpflanzen sind in diesem Frühjahr vertrocknet.

Trockenheit im Burgwald: Es wird mehr und größer Brände geben

Vertrocknete Bodenvegetation fängt schnell Feuer. Im Juli brannte im südlichen Burgwald eine Fläche von 28 Hektar. „Wir müssen in Zukunft nicht nur mit einer weiter steigenden Zahl von Waldbränden rechnen, sondern auch mit Bränden größerer Intensität“, befürchtet Leicht.

Sommer 2008: So sah der Teich im Naturschutzgebiet Franzosenwiesen im Burgwald früher um diese Jahreszeit üblicherweise aus - gefüllt mit Wasser.
Sommer 2008: So sah der Teich im Naturschutzgebiet Franzosenwiesen im Burgwald früher um diese Jahreszeit üblicherweise aus - gefüllt mit Wasser. © Karl-Hermann Völker

Trockenheit Im Burgwald: Warum Schutz der Moore so wichtig ist

Der Burgwald verfügt über zahlreiche Moorflächen, für deren Schutz sich das Forstamt einsetzt. Die Pflege und Vitalisierung der Waldmoore leisten nicht nur einen Beitrag für die biologische Vielfalt, sondern auch zum Klimaschutz. Denn bleiben die Moore gut wassergesättigt, bleibt der im Torf enthaltene Kohlenstoff im Moor gebunden, erläutert Leicht. Bei Austrocknung zersetzt sich hingegen der Torf und der in dem Pflanzenmaterial enthaltene Kohlenstoff gelangt als CO2 in die Atmosphäre. Gleichzeitig werden auch Methan und Lachgas freigesetzt: Gase, die um ein Vielfaches klimaschädlicher sind als CO2, erläutert Leicht.

Moore haben auch kühlende Wirkung. Beim Verdunsten von Wasser über dem Moorkörper entsteht Verdunstungskälte. Schließlich sind es auch riesige Schwämme, die Unmengen von Wasser aufnehmen können. Das ist gerade bei Starkregenereignissen von Vorteil, weil so Flutwellen gar nicht oder stark verzögert auftreten. „Wir wissen nicht, wie es mit den Mooren weitergeht, wir tun aber alles, um die Moore bestmöglich mit Wasser zu versorgen“, betont Forstamtsleiter Leicht.

Der angekündigte Regen, sei sehr willkommen. Aber damit das Wasser bis tief in die Böden sinkt, wäre wochenlanger Landregen nötig.

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