80-Jähriger musiziert am Bahnhof

Trompetenklang über Dächern: Heinrich Schreck bläst Choräle für die Menschen in Wiesenfeld

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Musik am Bahnhof Wiesenfeld: Für Heinrich Schreck ist dieser hochgelegene Punkt seit Jahrzehnten der richtige Ort für seine Trompetenbotschaften. Seit Beginn der Corona-Krise bläst er von dort regelmäßig Choräle. 

Wiesenfeld – Wenn er am frühen Abend mit seiner Trompete am Wiesenfelder Bahnsteig steht und einen Choral spielt, dann hält die Burgwaldbahn ein paar Sekunden länger, bevor sie weiterfährt. Anschließend klingen die Töne wieder weit über Dächer und Straßen.

Der Bahnhof in Wiesenfeld und der alte Friedhof in Birkenbringhausen sind seit Jahrzehnten für Heinrich Schreck die hoch gelegenen Punkte, von denen aus er mit seiner musikalischen Botschaft „für Gottes Wort Menschen aufhorchen lassen will, die wir vielleicht sonst nicht erreichen“, wie er einmal gesagt hat.

Der 80-Jährige Birkenbringhäuser gehört zu den ältesten noch aktiven Bläsern, die mit der Posaunenchorarbeit des evangelischen Kirchenkreises Eder eng verbunden sind. Schon als 13-Jähriger trat er 1953 mit dem Flügelhorn in den Birkenbringhäuser Chor ein. Ausgebildet wurde er bei Erwin Henche, Peter Happel und Karl-Georg Kahl, und 1975 übernahm er nach Kahl selbst die Leitung des Birkenbringhäuser Posaunenchors.

In seinem Leben wirkte er im Chor bei vielen Gottesdiensten, Missionsfesten, Kirchentagen, Konzerten und Jubiläen mit, doch im Ruhestand sind sie seine Spezialität geblieben: die kleinen Solo-Ständchen. Trompetenmusik an Orten, wo sie keiner erwartet. Das galt für ihn während der Reisen, die er mit seiner inzwischen verstorbenen Frau Irma unternahm, wenn er in einem fremden Kurpark seine Trompete auspackte. „Einen kleinen Beitrag zur Verkündigungsaufgabe“, nannte er das.

Vorbilder wie Posaunenpastor Johannes Kuhlo oder der Evangelist Johannes Busch haben ihn darin geprägt.

In den vergangenen Tagen ließ er an den Abenden von der Bahnsteigkante Choräle wie „Du, meine Seele, singe!“ oder „In dir ist Freude“ erklingen und beobachtete, wie dann Leute neben leeren Straßen aus den Häusern traten und zuhörten.

„In meiner Kindheit war Krieg. Da hatten wir auch Angst“, erzählt Heinrich Schreck und beschreibt beklemmende Gefühle in der aktuellen Corona-Pandemie. „Aber da haben wir mit der Oma bei Fliegeralarm im Keller gesessen, sind ganz eng zusammengekrochen und haben uns gegenseitig getröstet. Das geht ja nun diesmal nicht. Die Menschen sollen Abstand halten.“

Doch gerade in Krisenzeiten wie dieser setzt Schreck auf die Kraft geistlicher Musik. „Ich brauche sie für mich. Posaunenmusik macht mich sicher. Da ist Gott bei mir.“

Osterfeuer fallen aus, Frühgottesdienste finden am Ostermorgen nicht statt. Dann will Heinrich Schreck mit seiner Trompete schon ganz früh in Wiesenfeld und Birkenbringhausen mit der Trompete wie in allen Jahrzehnten zur Stelle sein und unbeirrt seinen hoffnungsvollen Ostergruß erschallen lassen: „Christ ist erstanden!“ zve

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Quelle: HNA

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