"Lage ist angespannt, aber keine Panikreaktionen"

Trotz Corona: Ambulante Pflegedienste in Waldeck-Frankenberg kommen noch zurecht

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Krankenpflege zuhause: Viele, insbesondere ältere Menschen, sind auf Pflege zuhause angewiesen. Die ambulanten Pflegedienste sind auch in Zeiten von Corona im Einsatz. Aber jetzt meist mit Mundschutz. Das Symbolbild entstand vor der Pandemie. 

Waldeck-Frankenberg  Angespannt, aber trotz Corona noch erträglich. So beschreiben in der ambulanten Pflege Tätige die derzeitige Lage der Dienste. 

Die Coronakrise hat auch Auswirkungen auf die Krankenpflege zuhause. Die ambulanten Pflegekräfte müssen höhere Sicherheitsstandards einhalten. Auch im Landkreis sind westeuropäische Pflegekräfte, die in der 24-Stunden-Hauspflege eingesetzt waren, kurzfristig abgereist.

 „Die Lage ist angespannt, aber es gibt keine Panikreaktion“, beschreibt Udo Deigmann vom Pflegestützpunkt Waldeck-Frankenberg auf Anfrage unserer Zeitung die Situation.

Die Anrufe beim Pflegestützpunkt Waldeck-Frankenberg, der Beratung rund um das Thema Pflege leistet, „bewegen sich im normalen Rahmen“, berichtet Deigmann. Auch ihm wurde geschildert, dass osteuropäische Pflegekräfte vor Ablauf der vorgesehenen Arbeitsperiode zurückreisten – aus Sorge, dass sie bei Grenzschließungen nicht mehr in ihre Heimatländer gelassen würden, aus Sorge um ihre eigenen Angehörigen und weil sie mit ihren Familien das Osterfest verbringen wollen.

Für die Angehörigen gebe es die Möglichkeit, auf ambulante Pflegedienste umzuschwenken. Diese arbeiteten zwar nahe an der Belastungsgrenze, aber die Versorgung funktioniere, sagt Udo Deigmann weiter.

Ein Problem sei, dass Kurzzeit- und Tagespflege derzeit geschlossen sind und für die pflegenden Angehörigen diese Entlastung wegfalle. Andererseits gebe es viele Angehörige, die im Homeoffice tätig seien oder in Kurzarbeit. „Das scheint sich in etwa die Waage zu halten“, schätzt Deigmann.

Jochen Fett, Leiter des ambulanten Pflegedienstes des DRK-Kreisverbands Frankenberg, beurteilt die Lage ähnlich wie der Pflegestützpunkt: „Im Moment haben wir noch nicht allzu viele zusätzliche Nachfragen. Die Zunahme an Corona-Erkrankten im Landkreis ist ja relativ gering. Das kann sich natürlich schnell ändern. Aber im Moment ist es relativ ruhig.“ 

Manche Angehörigen übernehmen seinen Angaben nach die Pflege derzeit selbst, um die Ansteckungsgefahr für die Patienten so gering wie möglich zu halten. Er geht davon aus, dass, aufgrund von zunehmender Kurzarbeit weitere Angehörige die Pflege selbst leisten werden, weil sie mehr Zeit hätten. Dass so auch das Einkommen durch Pflegegeld aufgestockt werden könne, sei dabei für manche sicherlich ein willkommener Nebeneffekt.

 Der DRK-Pflegedienst mit seinen 66 Mitarbeitern konzentriere sich derzeit auf die Krankenpflege. Die Haushaltshilfe sei weitgehend zurückgeschraubt. Sie werde nur da angeboten, wo die Kunden sonst niemanden haben, der zum Beispiel für sie einkaufen könne. Die Einhaltung des Abstands sowie generell der Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen werde sehr ernst genommen, betont Fett.

Nadja Freitag vom Mobilen Krankenpflegedienst Stern und Rummel in Korbach sagt zur Arbeitsbelastung: „Wir kommen noch zurecht.“ Einige wenige angestellte Pflegekräften seien nach Osteuropa zurückgekehrt. Von den 36 Pflegekräften sei derzeit glücklicherweise keine erkältet. 

Um die Ansteckungsgefahr unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu reduzieren, werden Begegnungen untereinander vermieden. Es fahren nicht mehr zwei Personen in einem Auto.

 „Wir gehen mit Mundschutz und Handschuhen zu unseren Patienten“, berichtet die Geschäftsführerin weiter. Bei Patienten mit einschlägigen Vorerkrankungen tragen die Pflegekräfte auch Schutzmasken- und -kittel. Material dafür sei vorhanden.

„Das Anlegen der Schutzkleidung bedeutet natürlich mehr Aufwand. Corona ist auch für uns Neuland. Aber Infektionsschutz kennen wir ja. Gehäuftes Vorkommen von Norovirus- oder Grippefällen haben wir bisher auch überstanden.“ 

Die Pflegekräfte dürften nicht überlastet werden, sagt Nadja Freitag und betont: „Wir müssen derzeit mit unseren Kapazitäten gut haushalten. Mitarbeiter, die Urlaub eingeplant haben, können ihn auch nehmen. Denn wir wissen nicht, wie lange das noch dauert. Das kann noch eine lange Strecke werden.“

Quelle: HNA

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