Duales Studium in Frankenberg als Alternative gelobt

Trotz positiver Erfahrung in Betrieben nur geringe Resonanz auf Infotag bei "Studium Plus"

Frankenberg. - Die Resonanz auf den Infotag in der Frankenberger Außenstelle von „Studium Plus“ der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) war gering – und genau dort setzte auch der einzige Kritikpunkt an dem Studienangebot an: Es ist noch nicht bekannt genug.

Zeitgleich studieren und Berufserfahrung sammeln, theoretisches Wissen sofort in der Praxis anwenden, die eigenen Stärken und Interessen in verschiedenen Abteilungen und Projekten erkunden – das alles unterscheidet ein duales von einem konventionellen Studium. Davon profitieren nicht nur die Studenten, sondern auch die Unternehmen, die bei der Gestaltung der Studieninhalte mitreden.

Noch nicht eingebundene Unternehmen waren beim Infotag dennoch nicht vertreten, auch die Zahl der an einem Studium interessierten jungen Menschen war gering. Aus seiner Enttäuschung vor allem über das mangelnde Interesse der heimischen Unternehmen machte Klaus Gantner (Viessmann), stellvertretender Vorsitzender des „Competence Center Duale Hochschulstudien Studium Plus“ (CCD) keinen Hehl. Gantner sprach sich für das duale Studium als Instrument gegen den Fachkräftemangel aus, vor allem vor dem Hintergrund des demografischen Wandels: „Wir haben hervorragende Erfahrungen damit gemacht“, sagte er, „das ist der Einstieg für junge Menschen“.

Auch Landrat Dr. Reinhard Kubat betonte: „Wir brauchen mehr Studenten“. Das duale Studium sei „das Beste, was uns passieren konnte“, es habe sich aber noch nicht hinreichend manifestiert.Albrecht Teich, Geschäftsführer des Burgwalder Unternehmens Osborn International, verwies auf die Unterschiede zwischen „Studium Plus“ und einem Universitätsstudium: Inhalte wie Sozialkompetenz, Technisches Englisch oder Internationales Marketing seien für Osborn von großer Bedeutung. „Die Fachbildung nützt nichts, wenn man nicht in der Lage ist, mit einem Spanier zusammenzuarbeiten, wenn man nicht versteht, dass ein Chinese anders verhandelt als ein Brasilianer“, sagte er. Wie zuvor Gantner betonte Teich, wie wichtig „Studium Plus“ für die Ausbildung von Fachkräften aus der Region für die Region sei: „Wir müssen uns unsere Leute backen“, sagte Teich. Aus München könne Osborn keine Mitarbeiter in den Burgwald ziehen. Die Absolventen können nach Angaben von Studiengangsleiter Prof. Dr. Jens Hoßfeld nach dem Studium je nach Wünschen und Vorlieben arbeiten: Von Forschung und Entwicklung über Messtechnik bis hin zum technischen Vertrieb reiche allein die Bandbreite bei Maschinenbau-Studenten.

Frankenbergs Bürgermeister Rüdiger Heß sieht auch für heimische Unternehmen ab 50 Mitarbeitern Bedarf an Absolventen eines dualen Studiums. Dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken sei nicht Aufgabe der Politik – diese könne lediglich die Rahmenbedingungen schaffen.Manuel Lenz blieb für das Duale Studium nicht im Frankenberger Land – er zog dafür sogar dorthin. Während andere Maschinenbau-Studenten über volle Hörsäle, ein anonymes Studium und mangelnde Praxiserfahrung klagten, habe er bei „Studium Plus“ praktische Erfahrungen, direkten Kontakt zu den Professoren, eine gute Betreuung durch die Wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen – und das Gelernte bringe auch in seinem Betrieb sofort etwas.

Von Andrea Pauly

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