Betreiber beantwortet die wichtigsten Fragen

Trotz Windrad-Reduzierung: Bau des Windparks in Gemünden nicht gefährdet

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Windräder: Ähnliche Anlagen sollen demnächst in Gemünden und Schiffelbach entstehen.

Gemünden. Ursprünglich sollten es elf Windkraftanlagen werden, jetzt sollen nur noch sieben in Gemünden und Schiffelbach gebaut werden (HNA berichtete).

Unsere Zeitung fragte beim Betreiber des Windparks, dem Verbands-Energie-Werk (VEW, Gesellschaft für Erneuerbare Energien) nach, welche Auswirkungen die Reduzierung der Windräder jetzt hat.

Wird der Windpark trotz der Reduzierung der Windräder wie geplant gebaut?

Der Betreiber VEW geht davon aus, dass sieben der elf ursprünglich beantragten Windenergieanlagen eine Genehmigung nach Bundesimmissionsschutzgesetz erhalten. „Diese werden dann wie geplant und beantragt gebaut“, sagt Stefan Schaller, Geschäftsführer des Verbands-Energie-Werks (VEW, Gesellschaft für Erneuerbare Energien). Derzeit liege der Entwurf des Genehmigungsbescheides zur Anhörung vor.

Rechnet sich die Anlage jetzt überhaupt noch?

Schaller weist darauf hin, dass bei einer Umsetzung des Projektes mit mehr Anlagen die spezifischen Investitionskosten natürlich geringer wären. Dazu gehören unter anderem die Kosten für Netzanbindung und Erschließung. „Den Hauptanteil der Investitionskosten bei Windparks bildet hingegen der Anlagenkaufpreis, so dass in Gemünden auch bei der Reduzierung der Anlagenzahl auf sieben Windenergieanlagen ein wirtschaftlicher Betrieb des Windparkprojektes gegeben ist“, sagt der VEW-Geschäftsführer.

Welches Investitionsvolumen hat der Windpark jetzt noch? Bei elf Windrädern waren es 55 Millionen Euro? 

Das Projekt wird von VEW nun mit einer Gesamtinvestition von etwa 35 Millionen Euro angesetzt.

Wird der Baubeginn weiter für Oktober 2015 angepeilt?

Ziel sei selbstverständlich, die Rodung in der Winterperiode 2015/2016 umzusetzen, sagt VEW-Geschäftsführer Stefan Schaller. Der Zeitraum, in dem Rodungen durchgeführt werden dürfen, liege zwischen dem 1. Oktober und dem 29. Februar. „Den genauen Baubeginn werden wir, sobald der Genehmigungsbescheid nach Bundesimmissionsschutzgesetz und die Genehmigung der Erschließung vorliegen, mitteilen. Die Erschließung Wegebau, Netzanbindung ist in Hessen nicht Bestandteil des Genehmigungsverfahrens nach Bundesimmissionsschutzgesetz, sondern ein separates Genehmigungsverfahren unter Federführung der Oberen Naturschutzbehörde, in unserem Fall beim Regierungspräsidium Kassel“, sagt Schaller.

Warum hat sich die Anzahl der geplanten Windräder denn überhaupt von elf Anlagen auf nur noch sieben verringert? 

Es sind Standorte wegen artenschutzrechtlicher Bedenken der Oberen Naturschutzbehörde weggefallen. Die Behörde hatte Bedenken wegen der Nähe zu Brutplätzen und wegen eines vorhandenen Kleinvogelzugkorridors geäußert. „Trotz stattgefundener Abstimmungen im Vorfeld war dies so nicht absehbar. Um die Erteilung der Genehmigung für die übrigen Anlagen nicht weiter in die Länge zu ziehen, wird an der Beantragung der vier besagten Anlagen von VEW nicht weiter festgehalten“, sagt Schaller.

Wo werden die sieben Windräder jetzt genau gebaut? 

Die sieben Windräder werden laut VEW an den geplanten und im Genehmigungsantrag vorgesehenen Standorten errichtet, die in den Gemarkungen Gemünden und Schiffelbach liegen.

Will man weiterhin den Strom direkt vermarkten? 

Das aktuelle Erneuerbare-Energien-Gesetz sieht vor, dass Anlagen zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien ab einer gewissen Anlagenleistung den Strom über die so genannte verpflichtende Direktvermarktung veräußern. Die Windkraftanlagen im Windpark Gemünden liegen laut VEW-Geschäftsführer Stefan Schaller über dieser Leistung und müssen deswegen den Strom direkt vermarkten. Hierzu werde ein Dienstleister den erzeugten Strom an der Börse oder an anderen Stellen veräußern. Perspektivisch ist aber auch vorgesehen, dass alternative Vermarktungswege, zum Beispiel mit der Schwester der VEW, der Energie Waldeck-Frankenberg GmbH, entwickelt werden.

Wie können sich die Bürger am Windpark beteiligen?

Die Beteiligung soll durch Bürgerzusammenschlüsse, beispielsweise durch Bündelung in einer Genossenschaft erfolgen. Schaller: „Zwischenzeitlich wurden für diese Form der Beteiligung vom Gesetzgeber hohe Hürden aufgebaut, die mittlerweile jedoch wieder abgemildert wurden. Daher gehen wir davon aus, dass die Bürgerbeteiligung in Gemünden durch eine Genossenschaft umgesetzt wird.“

Was der Gemündener Bürgermeister Frank Gleim zu den Auswirkungen der Reduzierung der Windräder sagt, lesen Sie in der gedruckten Samstagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine

Quelle: HNA

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