Frankenberg

Auf Tuchfühlung mit dem Landesvater

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- Frankenberg (jos). Um die Frankenberger Christdemokraten in ihrem Kommunalwahlkampf zu unterstützen, hat der hessische CDU-Chef am Samstagvormittag für eine knappe Stunde in der Ederstadt Station gemacht.

„Wie lange sind Sie schon hier?“, fragt Volker Bouffier mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht, schüttelt die Hand der Marktbeschickerin und signalisiert Nähe zu der Bäuerin, indem er mit der Hand über ihre Schulter streicht. Die Frau antwortet und Bouffier nickt ganz im Sinne der konstruktiven Gesprächsführung eifrig mit dem Kopf, um damit seine volle Aufmerksamkeit zu unterstreichen. Dann formuliert der joviale Landesvater eine längere Frage. Bouffier spricht von Konkurrenz durch Supermärkte und Discounter, geht auf die besondere Atmosphäre der historischen Rathausschirn ein und will schlussendlich wissen, ob denn auch junge Leute zum Markt kommen und wie hoch der Anteil der Stammkunden ist. Kaum hat er eine Antwort bekommen, sagt der Wahlkämpfer auch schon, dass er auch weiterhin alles Gute wünsche – und signalisiert damit, dass sein Rundgang über den Wochenmarkt weitergeht.

Bouffiers Besuch beim Bauernmarkt beeindruckt. In weniger als einer halben Stunde schafft er es, mit jeder Marktbeschickerin kurz zu plaudern und wirkt dabei nicht mal annähernd gehetzt oder „kurz ab“. Auch wenn er überall die gleichen Fragen stellt und seine Höflichkeitsfloskeln sich mehr als ähneln – der wahlkämpfende Ministerpräsident hinterlässt genau den Eindruck, den die Menschen von „ihrem Landesvater“ haben sollen: Er ist für alle da und er ist nah dran am Volk. – Nur eine einzige Marktbeschickerin möchte mit Bouffier über ein kritisches Thema plaudern und drückt ihm gleich mehrere Flugblätter dazu in die Hand. Gekonnt würgt der Ministerpräsident die Diskussion ab, bevor sie überhaupt entsteht – selbst das geschieht so geschickt, dass das thematische Ausweichmanöver des Spitzenpolitikers gar nicht erst als solches bemerkt wird. Und auch die aufgedrehte Tochter von Bürgermeister Christian Engelhardt bringt Bouffier mit ihrer Bemerkung, sie sei der Hessen-Löwe, keineswegs aus dem Konzept – der CDU-Chef schafft es auf seine Weise, rundherum allen Aufmerksamkeit zu schenken, ohne sich dabei an einer Stelle zu lange aufzuhalten. Mehrere Bouffier- oder CDU-Anhänger kommen gezielt auf den Ministerpräsidenten zu – und der Landesvater vermittelt gekonnt das Gefühl der vertrauten Bekanntheit, obwohl ja nur er selbige genießt. Für jeden, der will, hat Bouffier einen kräftigen Händedruck und zwei bis drei Worte übrig.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Montag, 28. März

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