Türkisches Mädchen musste Kopftuch bei Führerschein-Theorietest ablegen

Frankenberger Land. Ein türkisch-stämmiges Mädchen musste in seiner theoretischen Führerschein-Prüfung beim TÜV in Frankenberg sein Kopftuch ablegen.

Gegen ihre religiöse Überzeugung. Der Prüfer, der dies verlangt hatte, wollte damit einem Betrug vorbeugen, etwa durch einen versteckten Kopfhörer, erklärte ein TÜV-Sprecher. Das entspreche den Richtlinien. Der TÜV hat sich mittlerweile bei der 17-Jährigen entschuldigt, sie hatte die Prüfung ohne Fehler bestanden.

Aktualisiert um 15.35 Uhr.

Das Mädchen hat einen deutschen Pass, die Familie stammt aus der Türkei. Sie trägt das Kopftuch – eine Art Schal – immer, auch in der Schule, sagte sie der HNA. In Hessen war es vor wenigen Wochen zu einem Betrugsfall in einem Führerschein-Test gekommen: Die Fragen wurden mit dem Handy fotografiert und an einen Helfer geschickt, der über einen Knopf im Ohr die Antworten gab, berichtete Boris Hermes, Niederlassungsleiter des TÜV Nordhessen.

Mit Kontrollen wie nun in Frankenberg sollen solche Betrugsversuche verhindert werden. Mit Ausländerfeindlichkeit habe das nichts zu tun, versicherte Hermes. „Der Prüfer hat sich regelkonform verhalten.“ Die 17-Jährige sieht das anders. „Die Situation war nicht schön. Ich war geschockt und habe mich ungerecht behandelt gefühlt“, sagte sie der HNA.

Nach der Prüfung sei sie mit ihrer Mutter sogar zur Polizei gegangen. Dort habe man ihr aber gesagt, dass der Prüfer zwar unhöflich gewesen sei, dass es sich aber nicht um eine Straftat handele. Polizeisprecher Dirk Virnich bestätigte der HNA, dass der Vorfall „strafrechtlich nicht relevant“ sei. Ob es sich rechtlich um eine Beleidigung handelt, sei schwer zu entscheiden.

Die Situation bei der Prüfung schilderte die 17-Jährige so: „Als ich reingekommen bin, hat der Mann sofort gesagt: Das ist Betrugsversuch. Mach das Ding ab!“ Sie habe zunächst gedacht, etwas falsch gemacht zu haben. Dann habe sie die Ohren frei gemacht und dem Prüfer gesagt, er könne gerne kontrollieren, dass sie keinen Kopfhörer trage. Doch der Mann habe verlangt, das Kopftuch komplett abzulegen.

Ohne Kopftuch habe sie dann die Prüfung geschrieben. Wie sie in dieser Verfassung bestanden habe, wisse sie nicht. Boris Hermes vom TÜV Nordhessen erklärte das Verhalten des Prüfers mit Richtlinien, die einzuhalten seien. „Es ist ganz normal, dass Kopftücher kurz abgenommen werden, um einen möglichen Betrugsversuch zu verhindern“, sagte er. „Das hat keinen ausländerfeindlichen Hintergrund. Wenn ein Deutscher mit einer Pudelmütze reinkommt, muss er die auch abnehmen. Wir behandeln jeden gleich.“

Eine Sonderregelung für Fahrschülerinnen mit muslimischem Glauben, die Kopftuch tragen, gebe es nicht. Hermes räumte aber ein, dass es bei diesen Überprüfungen auch Grenzen gebe, und er könne nachvollziehen, dass die Familie Probleme mit diesem Vorgehen habe. „Der Prüfer ist eigentlich ein netter, beliebter Mann“, sagte der TÜV-Leiter. „Vielleicht hat er in diesem Fall den falschen Ton getroffen, oder das Mädchen hat sich in dieser Situation einfach unwohl gefühlt.“

Von Jörg Paulus

Quelle: HNA

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