Erstmals öffentliches Kolloquium über die Marienkapelle an der Frankenberger Liebfrauenkirche

Tyles gotisches Meisterwerk gewürdigt

Diskussionen vor der „Schauwand“ in der gotischen Frankenberger Marienkapelle – vorn: Tagungsleiterin Dr. Esther Meier, Bezirkskonservator Dr. Bernhard Buchstab, Referentin Xenia Stolzenburg, Tagungsleiterin Dr. Birgit Kümmel und Referent Prof. Ulrich Ritzerfeld.Foto: Schilling

Frankenberg - Es gab Zeiten, da schien sie fast in Vergessenheit geraten zu sein: die Marienkapelle. Das hat sich gravierend geändert.

Am Samstag stand das Bauwerk erstmals im Mittelpunkt eines öffentlichen Kolloquiums: Sieben Fachleute referierten im Sitzungssaal des historischen Rathauses und boten neue Erkenntnisse über die rund 600 Jahre alte Kapelle.

In allen guten Lexika und Kunstführern wird sie als hochgotisches Kleinod gerühmt, auch die Stadtführer verweisen ihre Gruppen stets auf den prächtig geschmückten Anbau an die Liebfrauenkirche. Dennoch war die einstige Wallfahrtskapelle zu Ehren der Gottesmutter Maria im öffentlichen Bewusst-sein lange nicht präsent.

Auch die Forschung schenkte dem bedeutenden Bau des Tyle von Frankenberg aus dem ausgehenden 14. Jahrhundert kaum Beachtung. 1923 veröffentlichte Carl Schmidt seine Doktorarbeit über Tyle, seit den 1980er Jahren beschäftigt sich die Frankenberger Kunsthistorikerin Dr. Birgit Kümmel mit dem calvinistischen „Bildersturm“ des Jahres 1607, bei dem die kostbaren Figuren von ihren Konsolen abgeräumt und filigrane Steinreliefs abgemeißelt wurden. Aber erst Heiner Wittekindt entfachte vor zwei Jahren eine neue Begeisterung für Tyles Meisterwerk, als er die Statuen und Figurenreste im Kreisheimatmuseum und Chor der Kirche untersuchte und das Figurenprogramm der Kapelle entschlüsselte. Dieser Schwung trug dazu bei, dass sich die sieben Forscher am Samstag zur Tagung zusammenfanden, um alle Aspekte vom Bau der Kapelle bis zur heutigen Situation zu analysieren. Dazu hatte das Institut für Kunst und materielle Kunst an der Technischen Universität in Dortmund in Zusammenarbeit mit der Stadt, dem Kunsttreff, der Kirchengemeinde und dem Frankenberger Geschichtsverein geladen. Die Organisation und die Moderation lagen bei der Privatdozentin Dr. Esther Meier aus Dortmund und bei Dr. Birgit Kümmel, die den Kunsttreff und die Museen in Bad Arolsen leitet.

Den Vorträgen schlossen sich Diskussionen an, daran beteiligten sich Fachleute wie der Marburger Kunsthistoriker Prof. Ulrich Schütte oder Dr. Klaus Wendt und Dr. Jürgen Römer vom Waldeckischen Geschichtsverein ebenso wie andere Interessenten. Auch einige Frankenberger verfolgten die Vorträge.

Grußworte zu Beginn sprachen Bürgermeister Rüdiger Heß und die Dekanin die Kirchenkreises, Petra Hegmann. Nach der Mittagspause besichtigten die Teilnehmer den Bau und diskutierten am Originalobjekt über Thesen der Referenten.

Mehr über die einzelnen Vorträge gibt es am Dienstag in der FZ. Die Organisatoren wollen die sieben Beiträge zudem in einem Tagungsband herausgeben.

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