AG-Vorstand: Verzicht auf Neubau in Bottendorf „stärkt Position und ermöglicht solides Wachstum“

Über Analyticon „Stück weit verärgert“

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Auf einem 25 000 Quadratmeter großen Areal im „Wickersdorfer Ring“ in Bottendorf wollte Analyticon für bis zu zehn Millionen Euro einen modernen Produktionsstandort errichten. Am Donnerstag erklärte der Vorstand den Ausstieg aus den Plänen.

Burgwald-Bottendorf - Die Enttäuschung ist groß. Daraus machen Lothar Koch und der Frankenberger Bürgermeister Rüdiger Heß keinen Hehl. Sein Burgwalder Amtskollege spricht sogar von Verärgerung. Er hätte erwartet, dass Analyticon rechtzeitiger über die künftige Ausrichtung informiere.

Sehr überraschend sei für sie die Information der Firma Analyticon gewesen, „nun doch nicht in das interkommunale Gewerbegebiet der Kommunen Frankenberg und Burgwald zu wechseln“, erklären die Bürgermeister Lothar Koch und Rüdiger Heß am Freitagmorgen in einer schriftlich verbreiteten Erklärung. WLZ-FZ hatten bereits in der gedruckten Freitag-Ausgabe exklusiv über die Absage berichtet. „Wir bedauern die von Analyticon getroffene Entscheidung.“ Sie sei aus „unternehmerischer Sicht getroffen“ worden, „das muss man respektieren“.

Heß gibt Hoffnung nicht auf

Dennoch sei die Enttäuschung groß, erklären die Bürgermeister. „Noch vor zirka vier Wochen wurden von der Gemeinde Burgwald Unterlagen angefordert, die für die Vorbereitung des Bauantrags benötigt wurden“, wird Koch zitiert. Und aus diesen Zeilen geht deutlich hervor, dass er auch persönlich tief enttäuscht ist. Gerade er habe vor dem Hintergrund der geplanten Ansiedlung von Analyticon viele unangenehme Gespräche und Diskussionen mit ortsansässigen Gewerbetreibenden in Bottendorf führen müssen. „Diese hätte ich mir sparen können, wenn wir insgesamt früher über die künftige Ausrichtung der Firma Analyticon unterrichtet worden wären.“ Er sei durchaus ein Stück weit verärgert.

Sein Frankenberger Amtskollege teilt die Enttäuschung, hofft jedoch, „dass die Erweiterungspläne von Analyticon bei entsprechender wirtschaftlicher Entwicklung eines Tages doch noch umgesetzt werden können. Das muss ja nicht ewig auf Eis liegen.“ Flächen seien jedenfalls im Gewerbepark Frankenberg/Burgwald vorhanden.

Ebenfalls in einer schriftlichen Erklärung bestätigt Analyticon die WLZ-FZ-Informationen vom Vorabend. „Unsere wirtschaftliche Entwicklung ist konstant positiv. Innerhalb der vier Produktlinien ist es jedoch aktuell zu einer deutlichen Verschiebung gekommen“, heißt es von Vorstandsvorsitzendem Dr. Reinhard von Dalwigk. „In der Produktion und Lagerung benötigen die wachstumstreibenden Produkte deutlich weniger Platz. Deshalb können wir das Wachstum auch in den kommenden Jahren in den bestehenden Betriebsstätten auffangen.“ Ein Neubau und Umzug in das interkommunale Gewerbegebiet Frankenberg-Burgwald am Ortsrand von Bottendorf werde daher nicht stattfinden. Das Unternehmen werde „sein Wachstum weiterhin an den bisherigen Standorten vorantreiben“. Vorstand Wolfgang Meyer wagt einen Blick in die Zukunft. „Wir arbeiten intensiv an unseren Produktionsprozessen, so dass wir bei der aktuellen Marktentwicklung die steigenden Umsätze und die Wachstumsziele für die nächsten Jahre gut an unseren jetzigen Standorten bewältigen können.“

Analyticon hatte geplant, den Hauptsitz in Dalwigksthal mit dem zweiten Produktionsstandort in Marienhagen und dem Lager in Sachsenberg unter einem Dach in Bottendorf zusammenzuführen. „Die Planungen hierzu hatten sich aufgrund der starken Dynamik im weltweiten Diagnostik-Markt verzögert“, heißt es in der Erklärung. „Diese Entwicklung ermöglicht es nun, die jetzigen Standorte beizubehalten.“ Dieser Schritt stärke die Position von Analyticon und ermögliche es dem Unternehmen, „das Wachstum weiterhin solide zu gestalten“.

„Mitarbeiter freuen sich“

„Aus unternehmerischer Sicht ist dies heute der richtige Schritt, auch wenn uns dieser mit Blick auf den enormen Einsatz und die ständige Unterstützung aller Vertreter des Gewerbegebietes Frankenberg-Burgwald sehr schwer gefallen ist“, erklärt Dr. von Dalwigk. Daher hätte das Unternehmen die Bürgermeister Heß und Koch „unmittelbar, nachdem die Entscheidung getroffen wurde, persönlich informiert“. Auf positive Resonanz stoße die Entscheidung bei den zum großen Teil ortsansässigen Mitarbeitern, „deren Arbeitswege kurz bleiben“.

Von Rouven Raatz

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