Nach Silvesterpartys leiden im Frankenberger Land wohl mehr als 100 Gäste an Magen-Darm-Erkrankung

Ein übles Erwachen nach großem Fest

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Was ein rauschendes Fest ins neue Jahr werden sollte, endete für viele Gäste zweier Partys im Frankenberger Land mit Magen-Darm-Beschwerden. Verursacher sind nach Ansicht des Gesundheitsamtes wohl Lebensmittel.Foto: Archiv

Frankenberg - Zwei Feten, 300 Gäste, wohl 100 Erkrankte: Nach dem Jahreswechsel klagen Partybesucher aus dem Frankenberger Land über Erbrechen und Durchfall.

Dass es in der Nacht des Jahreswechsels bei Silvesterpartys dazu kommen kann, dass sich der eine oder andere Gast nicht wohlfühlt, sich vielleicht sogar erbricht, soll nichts Ungewöhnliches sein - ungewöhnlich aber ist es, wenn es Dutzenden Gästen, möglicherweise sogar mehr als hundert ähnlich ergeht. Das berichten Besucher einer großen privaten Feier im Frankenberger Land.

Nach Informationen der Frankenberger Zeitung hat die Party in einem Bürgerhaus im Altkreis bereits am späten Nachmittag des 31. Dezember begonnen. Im Laufe des Abends wurde erst einem Mädchen im Alter von sechs Jahren schlecht - es übergab sich unvermittelt auf die Tanzfläche. Mit Hausmitteln stabilisierten die Eltern nach eigenen Angaben die Lage, brachten das Mädchen zum Schlafen, bis sich die Situation schließlich wieder verschlimmerte: „Wir waren Stunden auf der Toilette“, berichtet die Mutter. Da klagten bereits mehrere andere Gäste der Party über Unwohlsein.

Das Fest zum Jahreswechsel war keine kleine Feier, sondern eine große, jedoch privat organisierte Veranstaltung. Nach Angaben der einladenden Familie wie auch des Gesundheitsamtes des Landkreises waren zwischen 250 und 270 Gäste anwesend - aus dem gesamten Landkreis, aber auch aus Kassel, Wiesbaden, Bad Endbach. Nach Aussage der Veranstalter litten und leiden insgesamt mehr als 100 davon an Symptomen wie Durchfall, Erbrechen, Schwäche - typische Anzeichen eines Magen-Darm-Infekts.

Diese Zahl konnte der Fachdienst Gesundheit beim Landkreis so noch nicht bestätigen: „Wir wissen von mindestens 16 erkrankten Personen“, sagte der Amtsleiter Dr. Willi Mumenthaler. Hinzu kämen mindestens fünf weitere Fälle - allesamt Besucher einer deutlich kleineren Party mit rund 25 Gästen in einem Dorf, nicht weit von der großen Veranstaltung entfernt. Allerdings hat die veranstaltende Familie dazu aufgerufen, sich bei ihr zu melden, sobald Symptome auftreten. „Wir haben schon Post oder Anrufe von mehr als hundert Personen bekommen, die bringen wir heute noch zum Amt“, hieß es gestern Mittag von den Veranstaltern.

Erst durch die vielen Rückmeldungen sei der Familie bewusst geworden, dass die Probleme offensichtlich mit der Feier an Silvester zusammenhängen: „Es haben wohl viele gedacht, nur sie wären krank. Da spricht man ja auch nicht gerne drüber“, sagten die Veranstalter.

Mithilfe der Rückmeldungen wollen sie auch ermitteln, welche Speise möglicherweise Schuld ist, denn dass Lebensmittel der Auslöser sind, hält auch das Gesundheitsamt für wahrscheinlich. „Die meisten Kranken haben Rinderbraten, Pute und Salat zu sich genommen“, sagten die Gastgeber. Dagegen wehrt sich jedoch der Lieferant des Essens, ein Restaurantbesitzer aus dem Veranstaltungsort. „Die Besucher der Party haben selbst auch Kuchen mitgebracht“, weist er darauf hin, dass nicht jede Speise in dem Raum aus seinem Hause stammte. „Wir haben nur das Buffet geliefert“, fährt er fort. Er habe nicht einmal eine Bedienung gestellt.

Für das Buffet verbürgt sich der Wirt: „Das Fleisch habe ich erst am 29. Dezember gekauft“ - in einem heimischen Betrieb. Der Salat stamme aus einem Supermarkt. „Ich verarbeite fast nur regionale Produkte“, versichert er. Die würden immer frisch verwendet: „Es gibt in unserem Haus kein Fleisch, das seit Ewigkeiten eingefroren ist“, versichert er. Auch die Kühlräume, in denen die Waren frischgehalten werden, seien erst zwischen den Jahren von einer Fachfirma kontrolliert und für voll funktionsfähig befunden worden. Auch kenne er sich mit Großveranstaltungen aus, trete regelmäßig als Caterer auch überregional bekannter Unternehmen auf - 270 Gäste seien keine Größenordnung, die ihn vor Probleme stellen würde.

Der Lieferant des Buffets wittert gar eine Kampagne gegen sein Haus. Deshalb möchte er mit den Behörden zusammenarbeiten: „Ich habe das Veterinäramt eingeladen, es darf alles sehen“, sagt er gegenüber der Frankenberger Zeitung.

Tatsächlich war ein Lebensmittelkontrolleur des Veterinäramtes gleich gestern in dem Betrieb. „Wir haben einen Kollegen hingeschickt. Er hat Proben genommen, denn es waren noch Reste des Buffets vorhanden“, bestätigte Dr. Martin Rintelen, der im Frankenberger Veterinäramt für die Lebensmittelüberwachung zuständig ist. Alle Betriebe der Region würden regelmäßig überprüft, erklärt er. Ob es in dem Restaurant des Lieferanten schon Probleme gegeben hat, darf er aus Gründen des Datenschutzes nicht sagen. Nur so viel: „Bei Verstößen, die mit mindestens 350 Euro geahndet werden, sind wir verpflichtet, diese auf einer Internetseite des hessischen Umweltministeriums zu nennen“ - dort taucht das betroffene Unternehmen nicht auf. Tatsächlich ist dort derzeit kein einziger Betrieb aus Waldeck-Frankenberg aufgeführt.

Selbst wenn sich in diesem Fall herausstellen sollte, dass das gelieferte Essen doch Verursacher der Beschwerden ist, sieht Rintelen keinen Grund, das betroffene Restaurant zu schließen: „Dazu müssten gravierende Tatsachen vorliegen“, erläutert er - eine einmalige Verunreinigung gehöre nicht dazu. „Ich habe im vergangenen Jahr eine Schließung vorgenommen“, umreißt er, wie häufig es im Landkreis zum Äußersten kommt. Mit Ergebnissen, was zu den Symptomen einer Magen-Darm-Grippe geführt haben könnte, rechnet er in der zweiten Hälfte der nächsten Woche. Für die meisten Erkrankten dürfte diese Silvesterparty dann nur noch eine unangenehme Erinnerung sein.

Von Malte Glotz

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