Geschäftsführerin des Reddighäuser Hammers in Ternopil

Ukrainerin zwischen Messe und Maidan

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Elvira Bozhonok, Geschäftsführerin von „Frank Original“ in Ternopil/Ukraine, als Demostrantin auf dem Maidan in Kiew. Fotos: pr

Hatzfeld-Reddighausen/Ternopil. - Elvira Bozhonok ist kämpferisch: "Wir machen weiter", sagt sie. Sie demonstriert für den Kurs nach Westen. Bozhonok ist Geschäftsführerin der Ukraine-Vertretung des Reddighäuser Hammers.

Elvira Bozhonok ist Geschäftsführerin von „Frank Original“ in Ternopil, West-Ukraine. Dort betreibt das Unternehmen aus Reddighausen eine Vertriebsniederlassung mit 18 Mitarbeitern für den Verkauf seiner Produkte - vom einfachen Pflug hinter dem Traktor bis hin zu ganzen Komponenten für den Kartoffel-Vollernter.

Agrar-Messe Anfang Februar in Kiew: Am Stand der Reddighäuser Firma „Frank Original“ repräsentiert Elvira Bozhonok souverän ihr Unternehmen. Einen Tag später auf dem Maidan in der Hauptstadt: Die Ukrainerin hat sich mit Kollegen als Demons­trantin unters Volk gemischt - für den Kurs nach Westen, Richtung Europäische Union. Zwei Tage, an denen die Ukrainerin ihre Heimat von zwei Seiten erlebt.

Einfach ist die Situation vor Ort nicht - „aber wir machen weiter“, gibt sich Bozhonok kämpferisch. „Wir müssen unseren Landwirten helfen. Die Leute brauchen Lebensmittel.“ Die Landwirtschaft - sie ist laut Bozhonok eine der wichtigsten Branchen im Land. Gerade bereiten sich die Bauern in der Ukraine darauf vor, den Winterweizen zu ernten.

Die Nachfrage bei Ersatzteilen für den Mähdrescher sei also da, sagt die Frank-Geschäftsführerin. Allerdings habe die Landeswährung, der Hrywnja, drastisch an Wert eingebüßt, den Menschen ging viel Geld verloren. „Wir haben unsere Preise oft zweimal am Tag verändert“, berichtet Bozhonok.

Und wie sieht der Alltag in der Stadt Ternopil aus? „Es ist ruhiger geworden“, sagt Bozhonok. Auf der Straße laufen aber weiterhin Truppen zur Selbstverteidigung Patrouille. Zugleich seien die Autofahrer disziplinierter geworden, schmunzelt die Ukrainerin. Schließlich müsse man mehr denn je Rücksicht aufeinander nehmen. Als die Proteste in der Kiewer Innenstadt vor Wochen noch heftiger liefen, „waren wir Kollegen nach Feierabend hier beim örtlichen Maidan in Ternopil“, erinnert sich die Geschäftsführerin.

Sicher: Die Lage sei derzeit „unter Kontrolle“, berichtet Bozhonok. „Aber ein bisschen Angst haben wir schon wegen der Situation auf der Krim.“ Viele ihrer Landsleute schlafen in der Nacht nicht mehr gut, kleben vor dem Fernseher, um Neues zu erfahren. Dienstagmittag: Konferenz mit Russlands Präsident Putin. Gibt es noch Hoffnung auf ein glückliches Ende des Konflikts?

„Präsident Putin - er muss doch vernünftig bleiben“, findet Bozhonok. Er sollte die friedliche Entwicklung der Ukraine unterstützen, statt mit seinem Militär die Muskeln spielen zu lassen. Für die Geschäftsführerin ist die Richtung auf dem Weg ihrer Heimat in die Zukunft jedenfalls ganz klar: Nach Westen soll es mit der Orientierung gehen, findet sie. „Nach Europa mit richtigen Gesetzen.“ Schließlich seien am Anfang alle gegen den bisherigen Präsidenten Viktor Janukowitsch gewesen. Und der habe doch nur für eines gestanden: den Weg in Richtung Osten, in die Arme Russlands. (r)

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