Geismar

Ungeteilte Aufmerksamkeit für Kinder

- Frankenberg-Geismar (apa). Elf Erzieherinnen der Geismarer Kindertagesstätte erhielten am Dienstag ein Zertifikat für die Arbeit mit „Lerngeschichten“. Sie haben dafür seit April 2009 an einer Fortbildung teilgenommen. Seit sie mit den sogenannten Lerngeschichten arbeiten, sehen die Erzieherinnen und Eltern die Kinder mit anderen Augen: Das Positive rückt in den Mittelpunkt und Stärken werden nun bewusst wahrgenommen.

Wenn die Erzieherinnen der Kindertagesstätte orangefarbene Warnwesten tragen, wissen die Kinder: Jetzt dürfen sie nicht stören. Denn dann beobachten die Frauen die Jungen und Mädchen für deren nächste „Lerngeschichte“. Seit April 2009 haben elf Erzieherinnen an der Fortbildung teilgenommen, die am Dienstag mit der Zertifikatsübergabe endete. Dazu hatte das Kita-Team auch die Elternbeiräte, die zuständigen Mitarbeiter verschiedener Behörden und Bürgermeister Christian Engelhardt eingeladen. Ein Jahr lang wird das Konzept jetzt angewandt, dann kann das Kita-Team entscheiden, ob es zum festen Teil des Alltags werden soll. Mit den Lerngeschichten, die aus Neuseeland kommen, hat sich bereits jetzt einiges geändert: Jedes Kind wird etwa dreimal in drei Wochen jeweils zehn Minuten lang ganz genau im Kindergartenalltag beobachtet: Beim Spielen, Bauen, Klettern, Malen oder Herumtoben. Die Erzieherin macht sich Notizen und beschreibt, was sie sieht. Aus diesen Beobachtungen schreiben die Erzieherinnen Lerngeschichten: Sie sind wie ein Brief an das Kind formuliert, der ihnen in schöner Atmosphäre vorgelesen wird: Die Kinder bekommen ein besonderes Getränk oder etwas Süßes und eine Kerze wird angezündet. „Die Geschichten sind ein Geschenk von uns an die Kinder“, sagt Monika Kutzer, die Leiterin der Kindertagesstätte. Lerngeschichten setzen an den Stärken und Kompetenzen der Kinder an, sie zeigen, wofür sie sich interessieren, was sie beschäftigt und auf welche Weise sie lernen. Auch negative Ereignisse werden festgehalten – aber nicht bewertet, sondern analysiert, erklärt die Fortbildungsdozentin Angelika Ertl. Statt ein Kind dafür auszuschimpfen, dass es ein anderes gehauen hat, fragt die Erzieherin, warum es so handelt und schaut, ob sich das Verhalten im Lauf der Zeit verändert.

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