Ungewöhnliches Spektakel im Kreis: Kraniche ohne Orientierung

Ungewöhnlich zu dieser Jahreszeit: In den vergangenen Tagen wurden im Kreis mehrfach Kraniche beobachtet, was auf den Kälteeinbruch in Nord- und Ostdeutschland zurückgeht. Foto: Kalden

Waldeck-Frankenberg. Wenn die Wettersituation ungewöhnlich ist, muss auch mit ungewöhnlichen Ereignissen in der Natur gerechnet werden. So spielte sich in den letzten Tagen ein Kranich-Spektakel im Kreis mitten im Winter ab, das es früher so nicht gab.

Eine Reihe von Anrufen bei Vogelkundlern und Einträgen auf der Internetseite www.nabu-waldeck-frankenberg/Beobachtungen ergab eine Übersicht über das ungewöhnliche Naturgeschehen:

• 31. Dezember: Am Silvestertag wurden über Schreufa Kranichrufe vernommen.

• 2. Januar: Gegen 19.22 Uhr wurden Kraniche über Frankenberg-West gehört.

• 4. Januar: Am Twiste-Vorstau wurde beobachtet, wie um 11.40 Uhr Kraniche in südwestliche Richtung flogen; dann noch die Landung von elf Kranichen, die am Twiste-Vorstau rasteten.

• 5. Januar: An diesem Tag gab es gleich mehrere Meldungen aus dem Kreis. Danach wurden bereits in der Nacht um 3 Uhr Kraniche über der Oberen Butzmühle im Nuhnetal gehört. Zwischen dieser und der Unteren Butzmühle veranstalteten rund 200 Kraniche ein lautstarkes Spektakel. Wie gemeldet wurde, kreisten die grauen Stelzvögel ab 11 Uhr eineinhalb Stunden lang über den Nuhnewiesen, allerdings ohne die angedeutete Landung zu vollziehen. Weitere Meldungen an diesem Tag kamen um 11.45 Uhr aus Wiesenfeld, um 12 Uhr aus Frankenberg mit 50 Kranichen und um 12.50 Uhr aus Allendorf/Eder. Um 15.40 Uhr flogen 200 Kraniche über Berndorf. Auch über Waldeck wurden mittags Kraniche gesichtet.

Für das ungewöhnliche Naturgeschehen gibt es mindestens zwei Erklärungen: Im Norden gab es am 4. Januar einen heftigen Wintereinbruch mit Frost von minus acht Grad und am Steinhuder Meer von minus fünf Grad, die sich laut Wettermeldung wie minus zwölf Grad angefühlt haben sollen. Dabei gab es noch Schnee von zehn Zentimetern und mehr. Ein Hoch über Osteuropa lenkte kalte Luft bis nach Nord- und Ostdeutschland - die „Russenpeitsche”, wie dies öfter genannt wird.

In Frankenberg dagegen fielen nur am 4. Januar etwa zwei bis drei Zentimeter Schnee, und nach Wetterangaben im Internet herrschte auch am 5. Januar eine Temperatur um plus vier Grad bei dichtem Hochnebel.

Der Kälteeinbruch einerseits veranlasste die Kraniche, die noch an der Ostsee rasteten, zum endgültigen Aufbruch in den Süden. Der Hochnebel, auf den die Vögel auf ihrem Zug in unserer Region stießen, nahm ihnen dann die Orientierung und es kam zu einem Zugstau mit langem Umherkreisen oder Rasten und, wie es sich aus einigen Meldungen ergab, tiefem Flug über die Häuser wie zum Beispiel in Allendorf/Eder. (zqa)

Quelle: HNA

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