Physiker der Marburger Philipps-Universität ausgezeichnet von Stiftung Industrieforschung

Uni-Abschluss mit Patent und Preis

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Stefan Sommer hat den dritten Preis der Stiftung Industrieforschung gewonnen – mit seiner Arbeit über einen Temperaturfühler für Heisskanalsysteme. Herbert Günther (rechts) und Marco Kwiatkowski haben die Idee patentieren lassen.Foto: Patricia Kutsch

Frankenberg-Schreufa/Ernsthausen - Der Ernsthäuser Physiker Stefan Sommer profitiert dreifach von seiner Bachelor-Arbeit: Er hat den Abschluss, er hat für die Firma Günther einen frisch patentierten Temperaturfühler entwickelt - und damit den dritten Preis der Stiftung Industrieforschung gewonnen.

Für seine Bachelor-Arbeit hat Stefan Sommer im Jahr 2011 vier Monate bei dem Heisskanal-Hersteller Günther geforscht. Der 25-jährige Physiker hat in dieser Zeit einen neuen Thermo-Fühler entwickelt, der die Thermo-Elemente von Heisskanälen wesentlich kompakter macht: „Normalerweise werden Temperatur-Fühler an das Thermo-Element geschweißt. Sie sind etwa einen Millimeter dick.“ Sommer hat einen Fühler entwickelt, bei dem die Legierungen für den Temperatur-Fühler pulverisiert und dann auf das Thermo-Element aufgedruckt werden. „Der Fühler ist nun nur noch etwa 40 Mikrometer dick und hält alle Normen ein, wie der bisherige Fühler auch.“ Bis der 25-Jährige auf diese Lösung kam, hat er während seines Praktikums drei verschiedene Rezepturen ausprobiert. Bis 450 Grad Celsius könne der Fühler zuverlässige Werte liefern.

Sommer hat mittlerweile seinen Master fertig und arbeitet an seiner Promotion. Die Bachelor-Arbeit hat er jedoch erst im vergangenen Jahr für den Wettbewerb der Stiftung Industrieforschung eingereicht - denn die Firma Günther hat sich die erfolgreiche Entwicklung erst patentieren lassen. Der Bedarf für einen solchen kompakten Temperatur-Fühler sah Geschäftsführer Herbert Günther schon vor Jahren. „Damals sagte mir das Fraunhofer Institut allerdings, dass das nicht möglich ist.“

Derzeit arbeitet Marco Kwiatkowski, der Leiter der Abteilung Dickschicht, daran, den Thermo-Fühler umzusetzen und in die tägliche Fertigung bei Günther einzubringen. „Wir müssen nun noch Ingenieursarbeit leisten, um ein serienreifes Produkt zu entwickeln.“

Die Idee für das Projekt kam laut Stefan Sommer bei einem Badminton-Turnier in Frankenberg auf. Zwischen den Partien sprach er mit dem damaligen Abteilungsleiter Dickschicht, Frederik Zimmermann.

„Den ersten Preis bei dem Wettbewerb machte eine Doktorarbeit, den zweiten Preis eine Habilitation“, sagt Geschäftsführerin Siegrid Sommer. Bei dem Wettbewerb wurden Forschungen ausgezeichnet, die in einem Mittelstands-Unternehmen betrieben wurden und deren Ergebnisse marktorientiert und wirtschaftlich sind. „Es freut uns umso mehr, dass diese Bachelor-Arbeit den dritten Preis gemacht hat.“ Laut der Stiftung sei es zudem ungewöhnlich, dass eine Physiker-Arbeit im Bereich der Industrieforschung geschrieben werde.

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