Frankenberg

Unruhe als Reaktion auf die Umwelt

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- Frankenberg (mba). Sind Kinder mit der bekannten Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung ADHS wirklich krank? – Um diese Frage ging es beim Fachtag in der Ederberglandhalle in Frankenberg.

Ist es eine Krankheit, wenn ein Kind sich auffällig verhält, wenn es ständig zappelt, unaufmerksam ist, wenn es stört und nervt? Diese Frage – und die Konsequenzen aus der Antwort darauf – standen im Mittelpunkt des Fachtages „Eigen-artige Kinder“, zu der der Arbeitskreis Jugendhilfe am Donnerstag Erzieher, Lehrer, Therapeuten und Interessierte in die Ederberglandhalle eingeladen hatte.

Zum Auftakt hielt Peter Meesters, Ärztlicher Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Ambulanz in Korbach, einen Vortrag über die als ADHS bekannte Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung. Im Anschluss stellte der Marburger Schulpsychologe Gordon Wingert das sogenannte „Marburger Konzentrationstraining“ vor. Die Veranstaltung wurde eröffnet mit einem kurzen Auftritt des Kurses „Darstellendes Spiel“ der Edertalschule, der sich um die Diagnose ADHS aus Sicht der betroffenen Kinder und Jugendlichen sowie um die Reaktion ihrer Mitmenschen drehte.

„Wie Ihnen sicherlich auch, fallen mir einige Kinder spontan ein, bei anderen bin ich mir gar nicht sicher, ob ich sie dazu zählen soll“, sagte Monika Lacher, Lehrerin an der Edertalschule und Sprecherin des Arbeitskreises Jugendhilfe, als sie die Teilnehmer begrüßte und sich auf das Schauspiel bezog. Es seien Kinder und Jugendliche, „die uns in unserem beruflichen Umfeld, sei es in der Kindertagesstätte, in der Schule oder in der Praxis, mehr beschäftigen als andere.“

Oft würden diese Kinder als auffällig und als störend empfunden. „Sie fordern uns, oft fordern sie uns auch heraus. Ihnen gerecht zu werden, scheint uns oft zu überfordern“, sagte Lacher. Das, was an diesen Kinder auffällig erscheint, werde „in Zusammenarbeit mit Ärzten und Psychologen verstärkt medizinisch etikettiert und behandelt“, fuhr sie fort. Dies spiegele sich besonders im rasanten Anstieg der Behandlung mit Medikamenten wie Ritalin wieder. Lacher hält diesen medizinischen Umgang mit dem Problem ADHS selbst für problematisch: Nicht nur wegen der ungeklärten Neben- und Langzeitwirkungen der Medikamentengabe, sondern auch, weil die genetischen oder neurobiologischen Erklärungen für ADHS auf Dauer nicht hilfreich zu sein scheinen: „Es liegt der Verdacht nahe, dass der Ansatz, diese Auffälligkeiten und Verhaltensweisen der Kinder als Störung und Krankheit zu verstehen, den Betroffenen nicht gerecht wird.“

Mehr lesen Sie in der FZ vom Freitag, 11. Februar

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