Unsichtbar und gefährlich: K.o.-Tropfen sind auch im Landkreis Thema

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Nur wenige Tropfen genügen: Die Polizei warnt vor Unbekannten, die anderen Party- oder Discogästen K.o.-Tropfen ins Glas schütten.

Waldeck-Frankenberg. „Wir kennen den Begriff schon lange, es handelt sich aber um ein relativ neues Kriminalitätsproblem.“ So fasst Hubertus Hannappel, Leiter der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg, den Umgang mit K.o.-Tropfen im Landkreis Waldeck-Frankenberg zusammen.

Im Jugendhaus in Frankenberg wurde jüngst die Ausstellung „Schutz vor K.o.-Tropfen“ eröffnet (wir berichteten). Sie ist noch bis Donnerstag, 5. Juni, dort zu sehen. Auch Hannappel war dort, um über die Bedrohung durch die unsichtbaren Tropfen zu berichten, die den Opfern ins Glas geschüttet werden, um sie willenlos zu machen, zu berichten.

Auch wenn es in den zurückliegenden Jahren lediglich sechs Fälle im Landkreis gegeben habe, dürfe die Gefahr nicht unterschätzt werden: „Es ist von großer Bedeutung, weil es das Sicherheitsgefühl potenzieller Opfer beeinträchtigt“, erläutert Hannappel. Potenzielle Opfer seien vor allem junge Frauen und Mädchen. „Es sind aber auch andere Delikte wie Raub- und Eigentumsdelikte möglich.“ Dadurch würden auch Männer und Jungen zum Opfer werden können.

„Schlimmstenfalls werden die Opfer vergewaltigt“, so Gabriele Fock, Leiterin der Suchtberatungsstelle der Diakonie Waldeck-Frankenberg. Sie selbst habe zwar mit diesen Opfern nichts zu tun, doch als Mutter wisse sie, dass Jugendliche nicht in Frankenberg, sondern Marburg, Frankfurt oder Kassel feiern würden. „Ich hatte nur einmal den Fall eines Mädchens, die sagte, dass es nicht am Bier gelegen haben könne“, erinnert sich Fock. Ihr Appell an die Jugendlichen: „Nie alleine auf einer Party sein und nur die Freundin des Vertrauens – und keine flüchtige Bekannte – auf das Glas aufpassen lassen!“ Denn je mehr getrunken würde, desto mutiger würden Jugendliche oft – und eben auch unvorsichtig.

Wenn Jugendliche den Verdacht haben, dass sie Opfer von K.o.-Tropfen geworden sein könnten, sollten sie sofort reagieren: „Sie müssen sofort dem Rettungsdienst sagen, dass noch in der Nacht, in der sie ins Krankenhaus kommen, Blut abgenommen wird.“ Was natürlich nur möglich ist, wenn sie bei Bewusstsein sind.

Ein wichtiger Grund, warum die Dunkelziffer so groß ist, ist nach Hannappel die sehr kurze Nachweisbarkeit der Tropfen in Blut und Urin: Im Blut sind sie nur wenige Stunden, im Urin sind die einschlägigen Substanzen maximal zwei Tage nachweisbar. Dies gilt auch für die sechs Fälle, die Hannappel recherchiert hat: „In den seltensten Fällen kann ein Nachweis geführt werden“, sagt der Leiter der Polizeidirektion.

In der polizeilichen Kriminalstatistik würden die Straftaten, die mit dem Einsatz von K.o.-Tropfen begangen worden seien, nicht explizit aufgeführt. „In der Statistik kann man sie also nicht erkennen.“

Von Nina Nickoll

Quelle: HNA

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