Neue Regeln nach den Ferien

Unterricht im Lockdown: So war der Start in Waldeck-Frankenberg

Unterricht im Lockdown: Die Abschlussklasse R10 an der Uplandschule in Willingen hat Präsenzunterricht, um sich auf den Schulabschluss vorzubereiten. Die Klasse wurde aber geteilt, um Corona-Abstände einzuhalten.
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Unterricht im Lockdown: Die Abschlussklasse R10 an der Uplandschule in Willingen hat Präsenzunterricht, um sich auf den Schulabschluss vorzubereiten. Die Klasse wurde aber geteilt, um Corona-Abstände einzuhalten.

Der Schulstart nach den Weihnachtsferien ist in Waldeck-Frankenberg unter den aktuellen Corona-Einschränkungen „relativ reibungslos“ und „den Umständen entsprechend gut“ verlaufen. Das haben uns Schulleiter auf Nachfrage berichtet.

Waldeck-Frankenberg - Lehrer und Schüler profitierten jetzt von den Erfahrungen aus dem ersten Lockdown im Frühjahr, die digitalen Möglichkeiten an den Schulen hätten sich mittlerweile verbessert. Auch Tablets, die unter anderem der Kreis und die Firma Viessmann für Schüler gespendet hatten, kommen zum Einsatz. Allerdings hoffen die Schulleiter, dass ab Februar wieder Präsenzunterricht in den Schulen möglich sein wird – wenigstens abwechselnd für einzelne Klassen.

Aktuell ist es so, dass Schüler der Jahrgänge 1 bis 6 nur dann in die Schule kommen sollen, wenn sie zuhause keine Betreuung haben. Egal, ob in der Schule oder zuhause: Alle sollen die gleichen Aufgaben bearbeiten, sagt das Kultusministerium. „In der Praxis ist es aber etwas anderes, ob ich die Kinder in der Schule habe, Fragen beantworten und Tipps geben kann, oder ob die Kinder alleine arbeiten“, sagt Barbara Pavlu, Schulleiterin der Willinger Uplandschule und Kreisvorsitzende des Interessenverbandes Hessischer Schulleitungen.

So wird derzeit in Hessen unterrichtet

In den Schulen in Hessen ist die Präsenzpflicht für die Klassen 1 bis 6 derzeit ausgesetzt. Wenn die Kinder nicht zuhause betreut werden können, werden sie in der Schule in festen Lerngruppen unterrichtet. Für die älteren Jahrgänge ab Klasse 7 gibt es Distanzunterricht, sie bearbeiten die Schulaufgaben also zuhause. Eine Ausnahme sind die Abschlussklassen: Sie werden in den Schulen unterrichtet, um den Schulabschluss so regulär wie möglich machen zu können.

Ein weiteres Problem sind die die technischen Möglichkeiten. „Digitaler Unterricht aus dem Klassenraum heraus ist bei uns noch nicht möglich“, sagt Doris Bechold für die Cornelia-Funke-Schule in Gemünden. Das Glasfaserkabel liege zwar mittlerweile am Gebäude, aber noch nicht im Gebäude. Ihre Kollegin Cornelia Schönbrodt von der Ortenbergschule in Frankenberg berichtet, dass nicht alle Schüler zuhause Internet und W-Lan hätten. Generell habe sich der Kontakt zu den Schülern über das Hessische Schulportal aber vereinfacht und verbessert, sagt Schönbrodt.

Zum Auftakt am Montagmorgen sei das Portal allerdings überlastet gewesen und zusammengebrochen, berichtet Claus-Hartwig Otto, der Leiter der Edertalschule. Er finde es deshalb „etwas befremdlich“, dass sich das Ministerium erst zum Ende der Weihnachtsferien darum gekümmert habe, das Schulportal durch zusätzliche Serverkapazitäten aufzurüsten.

„Und ich bin verwundert, warum die Regelungen zum Thema Zeugniskonferenzen und Halbjahreszeugnisse nicht bereits vorliegen. Was wir jetzt tun müssen, war doch eigentlich vorhersehbar“, sagt Otto.

Einige der von den Schulleitern genannten Aspekte haben wir uns noch etwas genauer angeschaut:

In der Schule

In den Schulen werden derzeit nur die Abschlussklassen unterrichtet und die Schüler der Jahrgänge 1 bis 6, die nicht zuhause betreut werden können. „Das ist keine Notbetreuung wie im ersten Lockdown für systemrelevante Berufe, sondern eine Betreuung für Eltern, die ihre Kinder nicht betreuen können“, erklärt Barbara Pavlu, die Leiterin der Willinger Uplandschule.

Nach den Rückmeldungen von Schulleitern waren an den ersten Schultagen nach den Ferien etwa 10 bis 25 Prozent der Schüler aus den Jahrgängen 1 bis 6 in den Schulen. Manche Eltern haben ihre Kinder auch nur für einige Tage in der Woche angemeldet, berichtet Christina Specht von der Grundschule in Allendorf-Eder.

„Einige Eltern waren unsicher, ob sie ihre Kinder zuhause lassen sollen, da sie Sorge hatten, dass ihre Kinder etwas verpassen würden. Die Schüler in der Schule bearbeiten die gleichen Aufgaben wie die Kinder zuhause.“

Doris Bechold, Leiterin der Cornelia-Funke-Schule in Gemünden

„Einige Eltern waren unsicher, ob sie ihre Kinder zuhause lassen sollen, da sie Sorge hatten, dass ihre Kinder etwas verpassen würden“, berichtet Doris Bechold, die Leiterin der Cornelia-Funke-Schule in Gemünden. Eltern hätten gedacht, dass „normaler“ Unterricht stattfinde. „Dies ist nicht so“, stellt Bechold klar: „Die Schüler in der Schule bearbeiten die gleichen Aufgaben wie die Kinder zuhause. Lehrkräfte, die zur Betreuung eingesetzt sind, sind nicht immer die Fachlehrer dieser Schüler.“ An der Allendorfer Grundschule werden die Schüler in drei kleineren Lerngruppen betreut, sagt Christina Specht. „Wir sind gut gestartet“, sagt ihre Kollegin Judith Göbel von der Grundschule in Geismar.

Abschlussklassen

Die Abschlussklassen werden weiterhin in den Schulen unterrichtet, um Prüfungen schreiben und sich auf den Abschluss vorbereiten zu können. An der Cornelia-Funke-Schule wurden die R10 und die H9 jeweils in zwei Gruppen aufgeteilt, um Corona-Abstände einzuhalten. Die Schüler haben neue Stundenpläne bekommen und werden von ihren Fachlehrern unterrichtet. Damit habe die Schule schon im Frühjahr bei der Prüfungsvorbereitung gute Erfahrungen gemacht, sagt Schulleiterin Bechold.

An der Edertalschule kommt die eine Hälfte der Abiturienten in der einen Woche zum Präsenzunterricht an die Schule, die andere in der nächsten.

Digitalisierung

Bei der Digitalisierung haben die Schulen im Landkreis Fortschritte gemacht, berichten die Schulleiter. Die technische Ausstattung wurde aufgerüstet, der Umgang von Lehrern und Schülern mit Videosystemen und Lernplattformen wurde geschult.

An der Edertalschule in Frankenberg wurden im Herbst viele Fortbildungen angeboten, ein Team für das digitale Lernen wurde aufgebaut, berichtet Schulleiter Claus-Hartwig Otto. „Die Edertalschule hat viel aus dem Frühling gelernt. Jetzt sind die Kollegen sehr gelassen.“

Eine Schülerin sitzt in einem Arbeitszimmer und arbeitet für die Schule. (Symbolbild)

Auch die Gesamtschule in Battenberg profitiere stark von den Erfahrungen des ersten Lockdowns, sagt Alexander Blahnik, Mitglied der Schulleitung. „Wir setzen noch gezielter das Schulportal und vor allem unser Office365 ein. Dort können wir in Teams mit unseren Kursen direkt kommunizieren und Unterrichtsstunden abhalten, was sehr rege genutzt wird. Wochenpläne werden hochgeladen und können von den Kindern bearbeitet werden. Außerdem stehen die Kollegen so immer für Fragen zur Verfügung.“

Vor allem Grundschüler arbeiten in der Regel aber noch auf Papier: „Wir stellen den Kindern weiterhin Aufgabenpakete und Arbeitspläne zur Verfügung. Zusätzlich bieten wir jetzt Videounterricht und Online-Aufgaben an“, sagt Judith Göbel für die Grundschule Geismar. „Die Lehrkräfte versuchen, mit den teilweise noch recht eingeschränkten Möglichkeiten das Beste zu erreichen,“ sagt Christina Specht für die Grundschule Allendorf.

Internet-Probleme

Trotz der technischen Fortschritte gibt es an vielen Schulen noch kein schnelles Internet, auch wenn daran vielerorts, wie berichtet, gearbeitet wird. Beispiel Edertalschule: Das einzige Gymnasium im Südkreis, ist noch immer nicht ans Glasfasernetz angeschlossen, sagt Schulleiter Otto. Und selbst wenn das W-Lan in ein paar Wochen laufen sollte, könnten immer nur wenige Klassen gleichzeitig ins Internet. Eine Distanz-Beschulung der Klassen aus der Schule heraus sei wegen der geringen Bandbreite noch nicht möglich. Deshalb müssten viele Lehrer digitalen Unterricht über den privaten Anschluss zuhause bewerkstelligen.

Fazit und Ausblick

Die Schulleiter äußern weitgehend Verständnis für die Regelungen, die das Hessische Kultusministerium für den Unterricht im Lockdown getroffen hat. „Die Infektionszahlen befinden sich auf einem sehr hohen Niveau, da musste eine Entscheidung bezüglich der Schulen fallen“, sagt Doris Bechold. „Trotz guter Hygienekonzepte sitzen die Kinder in den Klassen auf engem Raum zusammen. Auch die Busfahrt trägt immer ein hohes Infektionsrisiko mit sich.“

„Wir müssen die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie akzeptieren und werden unsere Schüler bestmöglich betreuen“, sagt Cornelia Schönbrodt von der Ortenbergschule in Frankenberg. Für sie ist aber klar: „Präsenzunterricht ist immer dem Distanzunterricht vorzuziehen.“ Zudem sei die Unterrichtsplanung durch die Mischung von Präsenz- und Distanzunterricht schwieriger, sagt Alexander Blahnik von der Gesamtschule Battenberg. Er fände ein „entweder alle oder keiner“ besser, sieht aber auch die Notwendigkeit einer Notbetreuung.

Das Modell, das viele Schulleiter in der Corona-Pandemie bevorzugen, ist ein Wechselmodell, bei dem die Schüler in kleinen Gruppen – tage- oder wochenweise im Wechsel – zuhause und in der Schule unterrichtet werden. „Dann kann man sich als Lehrer intensiver um seine Schüler kümmern, so dass sich der Ausfall an Unterricht in Grenzen hält“, sagt Doris Bechold.

Für Claus-Hartwig Otto von der Edertalschule steht fest: „Ein Distanzunterricht weit in den Februar hinein würde das Lernen erheblich beeinträchtigen.“

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