Frankenberg

Urlaub statt Gerichtssal: Angeklagter weilt in der Türkei

- Frankenberg/Allendorf (jos). Weil er seine damalige Ehefrau geschlagen, getreten und an den Haaren die Treppe heruntergezogen haben soll, ist ein 44-jähriger Mann der vorsätzlichen Körperverletzung angeklagt. Die Misshandlungen sollen sich am 12. Januar in der Wohnung des Ehepaares in Allendorf abgespielt haben. Am Montag hätte der Mann vor Gericht stehen sollen – stattdessen weilte er laut Angaben seiner mittlerweile geschiedenen Frau in der Türkei.

Weil die Anklage einzig auf die Angaben der Frau gestützt ist, war sie zu der für gestern angesetzten Gerichtsverhandlung geladen. Richterin Andrea Hülshorst hatte außerdem eine türkischsprachige Dolmetscherin bestellt.

Ob ihr Mann denn von dem Gerichtstermin gewusst habe, wollte Hülshorst von der Zeugin wissen. Die verneinte. Weil der Angeklagte noch in der einst gemeinsamen Wohnung in Allendorf polizeilich gemeldet ist, wurde auch die Vorladung zu dem Gerichtstermin dorthin versandt. Doch der Mann lebt dort nicht mehr.

„Warum haben Sie uns denn nicht mitgeteilt, dass Ihr Ex-Mann gar nichts von dem Termin heute weiß?“, fragte Hülshorst die Zeugin. Die erklärte über ihre Dolmetscherin, dass sie dem Mann nicht mehr begegnen wolle und auch keine Telefonnummer oder Adresse besitze. Um die neue Anschrift des Angeklagten herauszufinden, wollte Richterin Hülshorst die ebenfalls anwesende Tochter der Zeugin befragen. Doch dagegen hatte die Mutter etwas einzuwenden: Der 18-Jährigen gehe es ohnehin psychisch nicht gut. Sie solle nicht zusätzlich belastet werden. „Bevor meine Tochter aussagen muss, ziehe ich die Anzeige zurück“, sagte die Zeugin.

Richterin Hülshorst erklärte der Frau, dass das Verfahren nicht so einfach eingestellt werden könne. Sie setzte die Verhandlung aus und deutete an, dass die Polizei jetzt die neue Anschrift des Angeklagten ermitteln solle. Der hat die Vorwürfe gegenüber der Polizei bislang abgestritten.

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