Frankenberg

Urteil: Wochenende hinter Gittern

- Frankenberg (apa). Weil sie einen Jugendlichen verletzt und bedroht und ihm seine Brille vorenthalten hatten, mussten sich am Donnerstag drei junge Männer aus Frankenberg vor Gericht rechtfertigen.

Eine Schlägerei unter Jugendlichen hatte für die drei Verursacher ein deutliches Zeichen des Gerichts zur Folge: Alle drei müssen in den nächsten Monaten ihre Freizeit opfern. Ein 18-Jähriger wurde wegen versuchter Körperverletzung und Nötigung zu einer Woche Dauerarrest verurteilt. Ein 17-Jähriger verbringt wegen Körperverletzung ein Wochenende im Freizeitarrest und muss 30 Arbeitsstunden ableisten. Der Dritte im Bunde, ein 16-Jähriger, wurde ebenfalls wegen Körperverletzung zu 40 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Allen drei Frankenbergern wurde zudem ein sogenannter Täter-Opfer-Ausgleich auferlegt, in dem sie sich mit ihrem Opfer aussprechen müssen. Es fand noch eine zweite Verhandlung statt, nachdem sich in der ersten weitere Zeugen ergeben hatten und nachermittelt werden musste.

Die drei Angeklagten erschienen ohne Rechtsbeistand vor Gericht. Sie schilderten den Vorfall weitgehend übereinstimmend: Sie hatten an einer Frankenberger Schule auf den zum Tatzeitpunkt 15-Jährigen aus einem Frankenberger Stadtteil gewartet. Dort wollten sie etwas mit ihm „besprechen“: Angeblich hatte der Schüler am Wochenende zuvor eine Schlägerei angekündigt, rechtsradikale Äußerungen von sich gegeben und die Familie eines Angeklagten beleidigt. Als die Jungen aufeinandertrafen, wollte das spätere Opfer aber nicht mit ihnen sprechen. Der 17-Jährige hinderte den damals 15-Jährigen am Gehen, indem er ihn festhielt, und verpasste ihm zwei Kopfnüsse. Der 16-Jährige gab dem Opfer eine Ohrfeige, sodass diesem die Brille von der Nase flog. Der 18-Jährige hob sie auf, gab sie aber nicht zurück – nach eigener Aussage, um ein Druckmittel zu haben, damit das Opfer nicht weggeht.

Zudem hatte der 18-Jährige nach Aussage des Opfers ebenfalls versucht, dieses zu schlagen. Der Älteste der drei kannte den 15-Jährigen nach eigenen Angaben vor dem Zusammentreffen nicht. – Vor Gericht sagten mehrere Zeugen aus: Drei Schüler stützten die Aussage des Opfers und erhoben auch den Vorwurf, dass mit der Brille des Opfers sogar Fangen gespielt wurde, was die Angeklagten bestritten. Drei ebenfalls jugendliche Zeugen stützten die Aussagen der Angeklagten. Eine weitere Zeugin war eine Erzieherin, die im Kindergarten in der Nähe der Schule arbeitet und die Schlägerei unterbrochen hatte.

Richterin Andrea Hülshorst machte deutlich, dass sie nicht ganz davon überzeugt sei, dass die drei jungen Männer nur mit dem späteren Opfer reden wollten. Sie wies auch darauf hin, dass sich zwei Zeugen, die die Version der Angeklagten bekräftigten, sichtlich unwohl in ihrer Haut fühlten. Die Richterin bewertete jedoch nur die Taten, die die Angeklagten selbst eingeräumt hatten.

Der Vertreter der Jugendgerichtshilfe hatte jeweils 20 bis 70 Stunden gemeinnützige Arbeit vorgeschlagen. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft hatte für den 18-Jährigen und den 17-Jährigen jeweils eine Woche Dauerarrest gefordert, für den 16-Jährigen 50 Arbeitsstunden sowie den Täter-Opfer-Ausgleich. Die Richterin ließ die Strafe für den 17-Jährigen etwas milder ausfallen, weil dieser sich als Einziger am Ende der Verhandlung für sein Verhalten entschuldigt hatte.

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