Gerichtsverhandlung in Frankenberg

Vater schlägt seine Tochter

Frankenberg - Vielleicht hat Papst Franziskus Verständnis für den Angeklagten, der sich vor dem Frankenberger Amtsgericht verantworten musste. Die Staatsanwaltschaft warf dem Mann vor, seiner zur Tatzeit 16-jährigen Tochter mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen zu haben. Der Vater selbst sprach von einer Backpfeife.

Papst Franziskus jedenfalls soll bei einer Audienz gesagt haben, dass es in Ordnung sei, ein Kind zu schlagen, solange die Würde des Nachwuchses dabei bewahrt werde. Wenig bis gar kein Verständnis für die Tat des Vaters hatten Richterin Andrea Hülshorst und der Staatsanwalt.

„Es ist halt so, wie es gewesen ist“, lautete die Erklärung des Angeklagten. Als seine Tochter nach Hause kam, war sie „am Heulen und total aufgelöst“, berichtete er. Das bestätigte auch seine Tochter, die als Zeugin aussagte. Sie wollte mit ihrem Vater allerdings nicht über den Grund für die Tränen reden. Mit deutlichen Worten habe sie ihn aus dem Zimmer gebeten.

Als Vater habe er das Recht, zu erfahren, was vorgefallen ist, erklärte der Mann vor Gericht. Also verließ er nicht das Zimmer, sondern setzte sich zu seiner Tochter. „Sie ist dann furienartig auf mich zugesprungen. Der Rest hat sich so ergeben.“ Diesen Rest schilderten beide Seiten unterschiedlich.

Der Vater erklärte, dass er seiner Tochter eine Backpfeife gegeben habe. Als sie ihn treten wollte, habe er ihr den Schuh ausgezogen. „Dann hat sie halt mit dem Schuh eine auf den Arsch gekriegt.“ Warum solle er sich das von seiner Tochter gefallen lassen, fragte er rhetorisch. Er hätte sie ebenfalls anzeigen können. „Aber warum sollte ich meine eigene Tochter anzeigen?“

Die Frage der Richterin, ob es eine Option für ihn gewesen sei, das Zimmer zu verlassen und die Tochter allein zu lassen, verneinte der Mann. Gewalt komme ansonsten zu Hause nicht vor. Vielleicht ein- bis zweimal habe es einen Klaps für seine Tochter gegeben. Das liege aber einige Jahre zurück.

Die junge Frau schilderte ihre Erinnerungen an den Fall unter Tränen - und diese Version fiel etwas drastischer aus. Das Ganze ging auch ihrem Vater nahe. Als dieser am Tattag seine Tochter umarmen wollte und sie das nicht erwiderte, habe sie eine Backpfeife bekommen. Zudem sei sie mit dem Kopf gegen einen Schrank geschubst worden. Irgendwann habe dann ihre Schwester eingegriffen.

An Details konnte sich die Zeugin nicht mehr erinnern, die hatte sie aber etwa einen Monat nach dem Vorfall gegenüber der Polizei geschildert. Dort berichtete sie von Schlägen mit der flachen Hand ins Gesicht, mit der Faust auf den Arm, mit dem Schuh auf die Wade und mit einem Handtuch. Sie habe versucht, sich mit Schlägen und Tritten zu wehren. Dabei wurde die Brille des Vaters beschädigt. Richterin Andrea Hülshorst fragte die Tochter, ob ihr an einer Strafverfolgung ihres Vaters gelegen sei. Das verneinte sie. Die Anzeige ging auch nicht von ihr selbst aus. „Ich habe ihn ja immer noch lieb, aber ich habe auch Angst“, beschrieb sie.

Die Richterin brachte daher einen Täter-Opfer-Ausgleich ins Spiel. Der Konflikt soll außergerichtlich mit einer neutralen Person geklärt werden. „Sie haben es mir nicht leicht gemacht, dieses Angebot zu machen. Ein Erwachsener muss anders reagieren als ein pubertierender Teenager“, richtete sich Hülshorst an den Angeklagten. Sie wolle aber vor allem mit Blick auf die Tochter kein zusätzliches Öl ins Feuer gießen. Das Verfahren wurde vorläufig eingestellt, der Vater muss zudem 1000 Euro an den Kinderschutzbund in Marburg zahlen. (tt)

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