Gemeinde Burgwald informierte Bürger über künftige Trinkwasserversorgung

Verbundlösung ist gefragt

Gedrückte Stimmung: Der Verlust, künftig nicht mehr über sauberes „eigenes Wasser“ in Burgwald zu verfügen, war bei den etwa 300 Bürgern immer wieder spürbar. Im Bild rechts Dipl. Ing. Michael Rempe und Bürgermeister Lothar Koch bei der Diskussion. Fotos: Völker

Burgwald. „Wir haben Sie unverzüglich informiert und in kürzester Zeit am 10. Dezember von Röddenau-Haine eine Notwasserversorgung aufgebaut, nachdem im Trinkwasser des Tiefenbrunnens Wiesenfeld die Chemikalie 1,1,2,2-Tetrachlorethan nachgewiesen worden ist“: Das legte Burgwalds Bürgermeister Lothar Koch am Dienstag vor fast 300 Bürgern der betroffenen Ortsteile Wiesenfeld, Burgwald und Birkenbringhausen dar. Das unverzügliche und entschlossene Handeln des Gemeindevorstandes im Dezember vorigen Jahres stieß auch auf Anerkennung der Zuhörer. Sie interessierte: Wie wird unsere Wasserversorgung künftig sichergestellt, werden wir jemals wieder die alte Qualität bekommen?

„Eine schlimme Situation“

Wenn ein Tiefenbrunnen, der jährlich 360 000 Kubikmeter Wasser gefördert und der Gemeinde Burgwald allein durch den Verkauf an Nachbargemeinden 80 000 Euro an Einnahmen gebracht habe, plötzlich wegen einer nicht erklärbaren Verunreinigung ausfalle, müsse man schon von einem „Desaster“ sprechen, meinte Ingenieur Michael Rempe vom beratenden Ingenieurbüro Oppermann. Auch das Gefühl, nun „am Tropf von jemand anderem“ zu hängen, kein „eigenes“ Wasser mehr zu haben, sei eine schlimme Situation.

Aber die Botschaft, die er, Bürgermeister Koch und Volker Ashauer, Technischer Leiter der Energie-Gesellschaft Frankenberg (EGF) den Bürgern vermittelte, machte Hoffnungen: Es wird zunächst eine dauerhafte Wasserversorgungsleitung der EGF nach Frankenberg gebaut werden, künftig aber dann verstärkt Verbundlösungen mit anderen Kommunen geben.

Eine von der Gemeindevertretung beschlossene Studie prüft außerdem Möglichkeiten von Ringleitungen, eine Reaktivierung des Wiesenfelder Brunnens oder an anderer Stelle neu zu bohren. Wenig Sinn mache es aus Sicht befragten Experten, auf noch vorhandene alte Brunnen zu hoffen, weil sie niemals ein Jahresvolumen von 360 000 Kubikmetern fördern würden. „Wir können diese Menge aber in Frankenberg sicher stellen“, sagte EGF-Sprecher Ashauer. Ingenieur Michael Rempe sah wenig Sinn darin, mit hohem Kostenaufwand zusätzliche Brunnen abzuteufen. Es bestehe die Gefahr, dass beim Bohren Wasserstockwerke miteinander verbunden würden, durch die sich Schadstoffe möglicherweise verteilen könnten. Auf die erste von den Bürgern gestellte Frage: „Wo und wie ist die Chemikalie ins Wasser gekommen?“ vermochte er keine Antwort zu geben - der Grundwasserspiegel des Brunnens liege bei 50 Metern und lasse keine Rückverfolgung zu.

Keine Erfahrungen

Es handelt sich bei 1,1,2,2-Tetrachlorethan um ein früher gern verwendetes Lösungsmittel. „Dafür gab es Schutzanweisungen im Arbeitsbereich, aber keine Erfahrungen mit Trinkwasser“, sagte Dr. Hannelore Wendt, Leiterin des Kreisgesundheitsamtes Korbach.

Deshalb habe man sofort das Bundesumweltamt um Mithilfe gebeten und zum Teil amerikanische Literatur ausgewertet. Sie machte allen Bürgern das Angebot, bei Zweifeln oder Fragen dazu das Gesundheitsamt anzurufen.

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Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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