Verdacht auf sexuelle Nötigung: Angeklagter bestreitet Vorwürfe

Kassel. Wegen sexueller Nötigung in zwei Fällen muss sich seit Dienstag ein 59-Jähriger aus Waldeck-Frankenberg vor dem Amtsgericht Kassel verantworten.

Der Angeklagte soll an seinem Arbeitsplatz in Bad Wildungen zwei Arbeitskolleginnen 2009 und in der Zeit von März bis April 2010 körperlich bedrängt haben.

Der 59-Jährige beteuerte vor Gericht seine Unschuld und sagte zu Beginn der Verhandlung, dass die Vorwürfe nicht zuträfen. Erschwert wurde die Verhandlung dadurch, dass sich die meisten Zeugen nach den vielen Jahren kaum noch an Details erinnern konnten.

Die heute 38-jährige mutmaßlich Geschädigte soll damals mit dem Transportfahrstuhl von der Küche in den Keller gefahren sein. Dort soll die Frau auf den Angeklagten gestoßen sein. „Er hatte gute Laune, ich hatte den Eindruck, er war betrunken“, sagt die 38-Jährige aus. Als die Frau mit dem Fahrstuhl nach oben fahren wollte, soll der Bad Wildunger plötzlich in den Fahrstuhl gesprungen sein. „Er hat mich gepackt und versucht zu küssen“, sagt die heute in Frankfurt lebende Frau. Das mutmaßliche Opfer soll den Angeklagten von sich geschubst haben und nach dem Öffnen der Fahrstuhltür geflohen sein.

Vorgesetzter riet zur Anzeige

Die Frau hatte sich nach dem Vorfall ihrem Vorgesetzten anvertraut. Dieser riet ihr zu einer Anzeige, von der die Frau aber zunächst absah: Ich befürchtete, Probleme mit der Ausländerbehörde zu bekommen“, sagt die 38-Jährige. Sie soll damals in Deutschland nur geduldet gewesen sein. „Ich hatte Angst, dass mir niemand glaubt und ich meinen Job verliere.“ Mittlerweile hat sie eine Aufenthaltsgenehmigung. „Ich wollte die Geschichte einfach nur vergessen.“

Verbale Entgleisungen

Der 59-jährige Angeklagte soll die Arbeitskolleginnen regelmäßig verbal beleidigt haben. Zu dem mutmaßlichen Opfer soll der Angeklagte auch gesagt haben: „Ich komme mal zu dir nach Hause und zeige dir, was ein richtiger Mann ist“, sagt die 38-Jährige. Eine weitere Zeugin berichtete von verbalen Entgleisungen des mutmaßlichen Täters, der die Arbeitskolleginnen als „Hure“, „du bist zu dick“ und „Schlampe“ beschimpft haben soll. „Er hat uns tagtäglich gemobbt und das so geschickt gemacht, dass keine Zeugen da waren“, sagte die Zeugin vor Gericht aus.

Das zweite Opfer, eine heute 36-Jährige, soll der Angeklagte in einem Ruhezimmer aufgesucht und massiv belästigt haben. „Sie hat erzählt, dass er versucht hat, ihre Hose zu öffnen und sie zu küssen“, berichtete eine zweite Zeugin. Das mutmaßliche Opfer soll sich befreit haben und über das Fenster auf den Besucherbalkon geflohen sein. Die 36-Jährige erschien am ersten Verhandlungstag aufgrund ihres gesundheitlichen Zustandes nicht.

Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe und sagt, dass die beiden Frauen ihn angemacht hätten.

Insgesamt wurden am ersten Verhandlungstag vor dem Amtsgericht sieben Zeugen vernommen. Der nächste Verhandlungstermin findet am 17. April statt. (pju)

Quelle: HNA

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