Passend zur grünen Soße

Heimat- und Verschönerungsverein bewahrt Traditionen

+
Gebildbrote und bunte Eier: Pfarrer Klaus-Dieter Geisel (vorne, 4. von rechts) und die Vertreter von Stadt und Kirchengemeinde freuten sich über das Wiederaufleben des alten Brauches.

Rosenthal. Die alten Traditionen am Leben zu erhalten, ist eines der Ziele des Rosenthaler Heimat- und Verschönerungsvereins. Dazu gehört das Verschenken der so genannten Gründonnerstagseier an die Vertreter der kirchlichen und der politischen Gemeinde. Diese Tradition hielten nun wieder Mitglieder des Vereins hoch.

Vereinsvorsitzender Sigmar Salzmann erinnerte während des Eier-Verschenkens in einer kleinen Feierstunde an den Brauch aus dem 19. Jahrhundert, über den der ehemalige Rosenthaler Lehrer Fritz Himmelmann in seinem Heimatbuch berichtete.

Am Gründonnerstag gingen die Mägde von Haus zu Haus und baten um Eierspenden. Jedem Hausbesitzer blieb es dabei überlassen, wie viele Eier er geben wollte, doch das Ergebnis war beachtlich. Im Jahr 1885 kamen zum Beispiel 273 Eier zusammen, 1887 sogar 281 Stück. In Willershausen, in Merzhausen und am Eichhof wurden ebenfalls Eier gespendet, hier war die Anzahl allerdings festgelegt.

Bei den Spenden waren auch Gebildbrote, also Brot oder Hefegebäck in Form von figürlichen Darstellungen, zum Beispiel Hasen oder Vögeln, oder auch kunstvolle Teigflechtungen. Alle Gaben wurden zwischen Pfarrer und Kirchendiener aufgeteilt. In früheren Jahrhunderten war laut Salzmann der Gründonnerstag der Tag im Jahr, an dem die letzte Rate der Landpacht an den jeweiligen Grundherrn fällig war. Die Landpacht wurde üblicherweise in Naturalien beglichen, unter anderem eben auch durch Brot und Eier. Zum Zeichen der Schuldentilgung wurde das letzte Ei rot gefärbt, es erhielt den Beinamen „Ablassei“. Die Farbe Rot bedeutete Buße, Blut oder Feuer, aber auch Leben und Liebe. Die anderen Eier blieben weiß, was für Licht und Reinheit stand. (zmm)

Wie sich die Rosenthaler des 21. Jahrhunderts über die Geschenke freuten, lesen Sie in der gedruckten Samstagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare