Mann ist geistig und seelisch behindert 

Vergewaltigungsvorwurf: Sicherungsverfahren gegen einen 38-Jährigen

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Vor dem Landgericht Marburg hat ein Sicherungsverfahren gegen einen 38-jährigen Mann mit geistig und seelischer Behinderung begonnen.

Marburg/Haina. Vor dem Landgericht Marburg hat ein Sicherungsverfahren gegen einen 38-jährigen Mann mit geistig und seelischer Behinderung begonnen. Ihm wird vorgeworfen, auf der Stationstoilette der Hainaer Vitos-Klinik für Psychiatrie eine widerstandsunfähige Mitpatientin vergewaltigt zu haben.

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Die 42-jährige Frau sei geistig auf dem Stand eines zweijährigen Kindes, hieß es in der Verhandlung. Der Angeklagte gab zu, mit der Frau auf der Toilette Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Er sei aber davon ausgegangen, dass der sexuelle Akt einvernehmlich vollzogen worden sei. Er habe vorher nicht das Ausmaß der geistigen Behinderung der Frau wahrgenommen.

Aktualisiert um 16.40 Uhr

Ein Krankenpflegeschüler als Zeuge hingegen sagte aus, dass man der Frau die Behinderung schnell ansehen könne. Er war zur Tatzeit im Stationszimmer, als er lautes „Grummeln“ auf der Damentoilette hörte. Er begab sich sofort dorthin, die Toilette war verschlossen.

Als er sie öffnete, saß die 42-Jährige auf dem Schoß des Angeklagten. Er stieß sie von sich, die Frau hatte Blut zwischen den Oberschenkeln. Der Angeklagte ging zum Waschbecken und wusch sich im Intimbereich. Später wurde er in seinem Zimmer am Bett fixiert. Im Prozeß sagten auch ein Stationsarzt und eine Krankenpflegerin aus. Ebenso eine Erzieherin, die die 42-Jährige in einem Wohnheim betreut, sowie die Mutter des Opfers.

Bei den Fragen im Gericht ging es darum, inwieweit sich die Frau orientieren kann. Sowohl Mutter als auch Erzieherin sagten, dass sie in der Regel nicht alleine die Toilette aufsuchen konnte. Sie sagten auch, dass die 42-Jährige bisher kein sexuelles Verhalten gezeigt habe.

Die Frau ist kurz nach der Tat von einer Gynäkologin im Frankenberger Kreiskankenhaus untersucht worden. Sie konnte nicht zweifelsfrei feststellen, ob die Blutungen von der Periode oder eine Hymenverletzung stammten. Eine genauere gynäkologische Untersuchung ließ die 42-Jährige nicht zu.

Anschließend sagten drei Mitarbeiterinnen des Wohnheims für geistig und psychisch Behinderte im Vogelsberg-Kreis aus, in dem der Angeklagte untergebracht war. Sie berichteten von sexuell-anzüglichem und aggressivem Verhalten über mehrere Jahre.

Zum Abschluss des ersten Verhandlungstages wurden noch die Zeugenaussagen von dem ärztlichen Leiter der Hainaer Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. Rolf Speier, und der gynäkologischen Ärztin der 42-Jährigen verlesen. Die Ärztin beschrieb, dass die Patientin im Jahr 2005 noch Jungfrau war, 2007 das Jungfernhäutchen allerdings schon beschädigt und 2008 komplett nicht mehr vorhanden war.

Dr. Speier beschrieb die Patientin als sexuell nicht aktiv. Sie habe lediglich erlaubt, dass man ihr die Hand hält oder sie umarmt. Er wies ebenso wie die Mutter der Frau darauf hin, dass die Behinderte bereits in einem psychiatrischen Krankenhaus in Marburg Opfer sexuellen Missbrauchs gewesen sein soll.

Die Verhandlung wird am 1. Februar fortgesetzt. (mab)

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Quelle: HNA

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