Verhaftete Feindsender-Hörer sollen ans Battenberger Ehrenmal

Am Krieger-Ehrenmal in Battenberg: Geschichtslehrer Arndt Böttcher (77) hat angeregt, auch die Namen von Hermann Willstumpf, Wilhelm Schmitt und Heinrich Noll, die heimlich Feindsender hörten, sowie getöteter Juden und Roma auf Gedenktafeln zu veröffentlichen. Foto: Hoffmeister

Battenberg. Der jüngste Vortrag beim Battenberger Geschichtsverein über drei mutige Männer, die während des Dritten Reiches sogenannte „Feindsender" hörten und dafür zu langjährigen Zuchthausstrafen verurteilt wurden, hat den pensionierten Frankenberger Geschichtslehrer Arndt Böttcher dazu bewegt, einen Antrag zu stellen.

In einem Schreiben an Bürgermeister Christian Klein und Stadtverordnetenvorsteher Heinz-Günther Schneider spricht sich Böttcher dafür aus, die Namen dieser drei mutigen Männer - Hermann Willstumpf, Wilhelm Schmitt und Heinrich Noll - auf der Gedenktafel für die Opfer der Weltkriege am Battenberger Ehrenmal zu veröffentlichen. Weiterhin regt er an, auch die Namen der Mitbürger aus jüdischen und Roma-Familien am Ehrenmal zu nennen, „die vom Hitler-Regime umgebracht worden sind“.

Derzeit befindet sich rechts neben der Gedenktafeln für die gefallenen Soldaten des Zweiten Weltkrieges am Ehrenmal eine anonyme Gedenktafel, die an die „Opfer der rassistischen und politischen Verfolgung“ erinnert. Das ist nach Arndt Böttchers Überzeugung nicht ausreichend.

Der Schmied Hermann Willstumpf, der Schneider Wilhelm Schmitt und der Klempner Heinrich Noll wurden im Jahr 1940 vom Oberlandesgericht Kassel zu langjährigen Zuchthausstrafen verurteilt. Die Vorwürfe lauteten: „Rundfunkverbrechen in Tateinheit mit Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens“. Die Urteile lauteten: zwischen zwei und acht Jahren Zuchthaus sowie zehn Jahre Ehrverlust. Während Schmitt und Noll während des Verbüßens ihrer Haft im Gefängnis starben, überlebte Willstumpf schwer krank.

„Die Angeklagten haben von 1932 bis Mitte 1939 staatsfeindliche Nachrichten des Moskauer Senders sowie anderer ausländischer Sender abgehört und sich darüber im staatsfeindlichen Sinne unterhalten. Sie haben zum Teil jene Nachrichten auch weiterverbreitet und zur Herbeiführung eines Umsturzes staatsfeindliche Reden geführt“, heißt es im Urteil des Oberlandesgerichtes Kassel vom 26. Juli 1940.

Den drei Battenbergern wurde eine nationalsozialistische Verordnung vom 1. September 1939 zum Verhängnis. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges war den „Volksgenossen“ jedes Abhören ausländischer Sender verboten. Reichspropagandaminister Joseph Goebbels benutzte die „Volksempfänger“ als zentrales Medium zur Indoktrination des deutschen Volkes. Andere Informationsquellen waren nicht nur unerwünscht, sondern bei drohendem Zuchthaus verboten.

Laut Bürgermeister Christian Klein wird sich der Battenberger Magistrat am Dienstagabend mit dem Antrag beschäftigen und „das weitere Prozedere festlegen“.

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare