Frankenberg

Verkauf der Bibel wäre eine Sünde

- „Was soll ich sagen? Es hat im vergangenen Jahr einfach alles geklappt“, resümierte der Vorsitzende des Museumsvereins, Heiner Wittekindt, mit einem Lächeln und bedankte sich bei allen Mitgliedern für ein gutes Jahr. Als Höhepunkt nannte Wittekindt bei der Jahreshauptversammlung des Museumsvereins die Ratsherrenbank, die ab Januar leihweise aufgrund einer überregional sehr beachteten Soldan-Ausstellung im Frankenberger Kreisheimatmuseum Platz fand.

Wittekindt bedauerte zwar, dass die Bank inzwischen wieder in Kassel sei, zeigte sich aber erfreut über die zwei Soldan-Knaggen, welche gemeinsam mit der Ratsherrenbank ausgestellt waren. „Bei allem Trubel um die Bank sind die beiden Knaggen ein wenig untergegangen. Wir haben für die beiden Figuren noch einen Leihvertrag über ein Jahr und darüber bin ich sehr froh“, erklärte der Vorsitzende, der von allen Seiten für seine vorbildliche Arbeit und seinen Einsatz viel Lob und Dank erntete. Wittekindt schloss nicht aus, dass die Knaggen eventuell sogar noch ein wenig länger in Frankenberg bleiben. Ein wichtiger Punkt im vergangenen Jahr war die Restaurierung alter Bücher aus der Vitrine der Mauritiuskapelle. Vornehmlich handelte es sich um religiöse Schriften der Hugenotten aus Louisendorf und Wiesenfeld, die vom Pilzbefall befreit und neu hergerichtet wurden. Als Beispiel nannte Wittekindt die Louisendorfer Hugenottenbibel aus dem Jahr 1588, welche er zu Beginn seines Jahresrückblicks in einer Präsentation vorstellte. Besonders stolz zeigte sich der Vorsitzende über das tolle Ergebnis und verdeutlichte die Bedeutung und den geschichtlichen Wert des Werks: „Diese Bibel ist nicht nur ein Zeitzeugnis, sie hat die Menschen damals in entscheidender Weise geprägt.“ Und er ergänzte mit Augenzwinkern: „Egal wie viel sie wert ist, wenn wir sie verkaufen würden, könnte man das als Sünde bezeichnen.“ Von der Hugenottenbibel gebe es nur noch wenige Exemplare. In Stuttgart stehe noch eine Luxusausgabe und im Britischen Museum in London existiere eine weitere „Altarbibel“ wie in Frankenberg. „Die Londoner wissen wahrscheinlich gar nicht, was sie daran haben“, sagte Wittekindt schmunzelnd. Im Anschluss ging der Vorsitzende noch auf weitere Veranstaltungen des vergangen Jahres ein. Der Frankenberger Zweigverein für Hessische Geschichte und Landeskunde habe gut besuchte Vortragsabende in der Mauritiuskapelle organisiert, bei welchen auch immer die Möglichkeit zur Besichtigung des Heimatmuseums bestand. Erfreut zeigte sich Wittekindt über die weiterhin zahlreichen Besuche von Schulklassen, Familienverbänden, Seniorenkreisen und vielen anderen Gruppen. Für 2010 kündigte Wittekindt an, dass eine Standuhr aus dem Bergischen Land wieder in Gang gebracht und eine Restaurierung der zahlreichen Trachten im Museum angestrebt werde. Auch die Engelsstatue aus der Totenkirche sei noch in Restauration. „Ich gehe davon aus, dass dieses Jahr die Arbeiten abgeschlossen werden und auch eine zweite Statue restauriert werden kann.“ Mit besonderem Dank verwies Wittekindt auf die Spenden im vergangenen Jahr, die sich insgesamt auf mehr als 3000 Euro beliefen. Er unterstrich, dass ohne Sponsoren viele Vorhaben nicht möglich seien.

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