Bürgermeister Backhaus: "Wir werden eingelullt"

Verlegung von Arbeitsplätzen: Haina sorgt sich um Vitos-Standort

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Vitos in Haina: Die Klinik für forensische Psychiatrie

Haina/Kloster. „Vitos Haina ist im großen Stil auf dem Rückzug. Wir werden von der Geschäftsführung eingelullt.“ Drastische Worte von Hainas Bürgermeister Rudolf Backhaus. 

Damit reagierte er am Donnerstag in der Gemeindevertetersitzung auf die Antwort von Vitos Haina zur Zukunft des Psychiatrie-Standortes Haina.

Die Zusicherung von Vitos, dass Haina auch nach der geplanten Verlagerung der Allgemeinpsychiatrie nach Frankenberg ein wichtiger Vitos-Standort bleibe (Artikel unten), führte weder beim Bürgermeister noch im Parlament zur Beruhigung. Als „oberflächlich und vage“ kritisiere SPD-Gemeindevertreter Roland Freese die Vitos-Stellungnahme. „Da werden 230 Arbeitsplätze verlagert. Das steht nicht in dem Bericht“, sagte Freese, der hauptberuflich als Ärztlicher Direktor die Forensisch-psychiatrische Ambulanz bei Vitos leitet.

Vitos Teilhabe verlagere zudem 60 von 100 Plätzen für Menschen mit geistiger Behinderung. Die damit verbundene Verlagerung von Arbeitsplätzen habe enorme Auswirkungen auf die Gemeinde, auf die Belegung von Kitas und Schule, auf die Geschäfte, die Nachfrage von Bauplätzen und vieles mehr. Die Gemeinde müsse mehr tun, um dem entgegenzuwirken, verlangte Freese.

Roland Freese

Auf diesen Vorwurf reagierte Bürgermeister Backhaus mit seiner Kritik an der mangelnden Informationspolitik der Vitos-Geschäftsführung. „Ich bin im ständigen Gespräch, ich bin Mitglied im Vitos-Beirat und im Forensik-Beirat“, sagte er. Doch er bekomme nur oberflächliche, unkonkrete Antworten. Und natürlich teile er die Sorge, dass eine Ausdünnung des Vitos-Standortes negative Auswirkungen auf die Gemeinde habe. Es gehe zum Beispiel Kaufkraft verloren. Wenn Mitarbeiter künftig in Frankenberg arbeiteten, würden sie wahrscheinlich auch dort mehr einkaufen.

„Der Gemeindevorstand ist sich einig in der Auffassung, dass diese Entwicklung nicht zu stoppen ist“, heißt es in einer Stellungnahme des Gremiums. Dennoch solle weiter versucht werden, Vitos für die Bedenken der Gemeinde zu sensibilisieren.

Diese Diskussion über die Zukunft des Psychiatrie-Standortes Haina und die Anfrage an Vitos kam aufgrund eines Antrags von SPD und Freier Bürgerschaft Haina vom April ins Rollen. Die Antworten wurden in der Parlamentssitzung am Donnerstag erörtert.

Das sagt Vitos:

Zur Anfrage über die Zukunft des Psychiatrie-Standorts Haina gab Vitos-Geschäftsführer Ralf Schulz schriftlich folgende Antworten:

• Die „Kernbotschaft“ von Vitos lautet, „dass die Gemeinde Haina ein relevanter Vitos-Standort mit der Klinik für forensische Psychiatrie, der forensichen-psychiatrischen Ambulanz sowie den Vitos begleitenden psychiatrischen Diensten Haina bleibt“. 

• Die Verlagerung der Allgemeinpsychiatrie, für die ein Neubau an der Kreisklinik in Frankenberg erstellt wird, werde 2022/23 erfolgen. Für die dann leerwerdenden Gebäude in Haina gebe es „ein Nachfolgenutzungskonzept in Form einer baulichen Zielplanung, die regelmäßig den aktuellen Entwicklungen angepasst wird“. 

• Auch wenn Kreisklinik und Vitos, wie geplant, fusionieren, bleibe Haina Standort der Verwaltung. 

• Zudem habe Vitos Haina mit der Erweiterung des Wohnheims für begleitende psychiatrische Dienste ein „eindeutiges Bekenntnis zum Standort Haina“ abgegeben. 

Vitos Teilhabe betreut in Haina, Battenhausen und Halgehausen 100 Menschen mit geistiger Behinderung. Davon sollen 40 Plätze dauerhaft in Haina erhalten bleiben, ebenso die Tagesstätte. Die Wohnstätte Forsthäuser in Haina werde aufgegeben, wenn 2019 das neue Wohnheim in Gemünden bezugsfertig sei. Die Wohnstätten in den kleinen Orten Battenhausen und Halgehausen „ohne Mobilität und entsprechende Infrastruktur“ sollen in größere Orte verlagern werden. Als Ersatz für Battenhausen soll eine Wohnstätte in Bad Wildungen errichtet werden, ein Zeitpunkt steht noch nicht fest.

Quelle: HNA

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